Organspende trotz Skandal?

Das Universitätsklinikum Göttingen erleidet schwere Vorwürfe. Ein Arzt der Organtransplantationsabteilung soll seit 2008 Patientendaten so manipuliert haben, dass diese früher an ein Spenderorgan herankamen. Dabei soll dieser den so genannten Meld-Score, dessen Höhe die Dringlichkeit einer Organspende wiederspiegelt, durch das Verfälschen von Laborwerten angehoben haben. Dadurch wurden Patienten in ihrem Krankheitszustand schlechter vorgetäuscht, als sie es in Wirklichkeit waren. Vermutungen zufolge sollen somit mindestens 25 Patienten früher an ein Organ herangekommen sein, wobei unklar ist, ob Bestechungsgelder oder der reine Helferinstinkt des Arztes anlassgebend waren.

In einem der Fälle handle es sich um einen russischen Patienten, der nur sehr spät an ein Organ herangekommen wäre, da laut des Transplantationsgesetzes nur 5% der Organspenden an nicht-deutsche Staatsangehörige mit ausländischem Wohnsitz vergeben werden darf – eine Regelung, die den Transplantationstourismus verhindern soll. So versucht man beispielsweise zu vermeiden, dass wohlhabende Menschen in Deutschland einreisen, innerhalb von zwei Wochen ein Spenderorgan finden und mit diesem wieder abreisen können, während hunderte von anderen Patienten, größtenteils gesetzlich Versicherte, Monate oder gar Jahre lang aussichtslos darauf warten, in der Warteliste auf die erste Stelle zu kommen.

Angeklagt wird der 46 jährige Transplantationsarzt nun wegen Datenverfälschung und wegen versuchten Totschlages, da nach Argumentation der Rechtsanwaltschaft mehrere Patienten, denen die Organe eher zugestanden hätten, wegen der Manipulationsaktion verstorben sein könnten. Auch steht die Anklage bezüglich der Korruption noch offen, wobei nicht klar bewiesen werden kann, dass der Arzt Gelder an sich genommen haben soll.

Bislang lehnt der Transplantationsarzt, der seinen Beruf vorerst nicht mehr ausübt, jegliche Beschuldigungen ab, wobei es -seinen Aussagen nach- in Deutschland sogar ein Überangebot an Spenderorganen gebe und somit durch die beschriebenen Umstände keine Nachteile für andere Transplantationsbedürftige entstanden seien. Die Realität zeigt aber, dass es weit mehr Transplantationsindikationen gibt, als Spenderorgane vorliegen, wobei seit des „Organspendeskandals“ sogar ein Rückgang der Organspenden zu verzeichnen sei.

Wie das Gerichtsurteil aussehen wird, ist bisweilen noch unklar – klar ist jedoch, dass wie in allen Bereichen des Lebens wieder diejenigen bevorzugt wurden, die finanziell gut gepolstert waren. Denn leider allzu häufig kann sich seine Organe erkaufen, wer das nötige Kleingeld besitzt.