„Die Gerechtigkeitsfrage ist gerade erst gestellt und längst nicht beantwortet!“

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Wir haben Rolf Stein von der Koordinierungsgruppe der Demo in Bochum am 14. September einige Fragen gestellt.

 

Neues Leben (NL): Wie setzt sich das Umfairteilen-Bündnis zusammen?

Rolf Stein: Das Bochumer Bündnis hat sich 2010 gebildet und mit zahlreichen Aktionen  die Situation „des armen Staates“ und „des überbrodenden Reichtums der Wenigen“ in die politische Auseinandersetzung gebracht. GewerkschafterInnen (verdi, IGM und DGB) soziale Organisationen (DPWV, Kinder- und Jugendring, Mieterverein, IFAK) ein Kulturzentrum, eine kirchliche Organisation und linke Menschen und Organisationen wollen seitdem nicht mehr locker lassen. Das ist der Kern der handelnden Personen. Zu den Bündnistreffen kommen auch Leute aus anderen Organisationen und aus Parteien. Von der DIDF sind  regelmäßig Leute dabei.

 

NL: Wie laufen die Vorbereitungen für den Protesttag am 14. September und wie sind die Erwartungen?

Stein: Am 14. September wird in Bochum und in Berlin eine bundesweite Demo stattfinden. Wir organisieren die Demo in Bochum. Ab 11:30 Uhr werden drei Demozüge durch die Bochumer Innenstadt ziehen. Ein Demozug trifft sich am Schauspielhaus, dahin mobilisieren u.a. die Gewerkschaften und Jugendorganisationen. Der zweite geht am Jahrhunderthaus  in Bochum-Stahlhausen los. Da treffen sich die Sozialverbände und die Migrantenorganisationen, auch Die Linke will hier hin mobilisieren. In der Massenbergstrasse unweit des Hauptbahnhofs gehen dann Attac und kirchliche Gruppen los.

An allen drei Orten gibt es Auftaktkundgebungen mit kurzen Reden von Roman Denter (attac), Daniel Kreutz (SoVD) und Eric Schley (DGB-Jugend NRW). Die Blaskapelle Schwarz / Rot – Atemgold 09, die Samba-Gruppe Até Logo und Hardy & die Occupy-Singers geben den Ton an und begleiten die Demos.

Gegen 13 Uhr treffen die drei Demos auf dem Europaplatz vor dem Bergbau-Museum ein. Um die Füße zu lockern, spielt die Band Chupacabras. Es folgen Reden von Frank Bsirske / ver.di, Ulrich Schneider / Paritätischer Gesamtverband und Özlem Demirel, die für das Bundesbündnis spricht. Das sprechende Flugblatt Wilfried Schmickler macht den Abschluss.

 

NL: Bundesweit wurden viele dezentrale Bündnisse gegründet und verschiedene Aktivitäten durchgeführt. Können Sie uns einen kurzen Überblick geben?

Stein: Unsere Kritik an der Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums durch Steuerdumping und seiner kontinuierlichen Verschiebung zu den ökonomischen Eliten, deckt sich vielfach mit der Kritik, die innerhalb der Organisationen des bundesweiten Bündnisses formuliert werden. Dazu gehört auch die Verarmung breiter Bevölkerungsschichten z. B. durch Niedrigstlöhne und Hartz IV.

Die Forderungen des Bundesbündnisses sind: Vermögenssteuer, Vermögensabgabe und Bekämpfung der Steuerflucht sind ein Anfang, um die Gerechtigkeitsdebatte in Deutschland voranzutreiben!

 

NL: Wie soll es nach den Wahlen weitergehen?

Stein: Mit umfairteilen gibt es ein bundesweites politisch- soziales Bündnis ohne jede Parteibindung, das sich in vielfältiger Form an der Verteilungsfrage zu schaffen macht und der Gerechtigkeitsdebatte eine Diskussions- und Aktionsplattform bietet. Wenn sich in über 60 Städten Bündnisse und Initiativen gefunden haben, die über die Koordination in Berlin und die Bündnistreffen im Austausch stehen, ist das erst einmal eine hervorragende Ausgangssituation für eine wirksame Kampagne. Fast 70 % der Bundesbürger, denen die unfaire Verteilung des Reichtums auf den Nägeln brennt, sind ein gutes Argument, das Bündnis in die Zukunft zu führen.

Wir müssen dieses Bündnis nach der Wahl zusammenhalten und unsere neu entstandenen politischen und persönlichen Beziehungen pflegen. Umfairteilen wird unsere Klammer sein, die uns in den nächsten Jahren zu gemeinsamen Aktionen und Kampagnen zusammenbringt. Die Gerechtigkeitsfrage in Deutschland und Europa ist gerade erst gestellt und noch längst nicht beantwortet.