Die ganze Türkei in Regenbogenfarben

Das Stadtteil Cihangir im Istanbuler Bezirk Beyoglu ist seit Wochen in aller Munde. Grund dafür sind die Treppen, die Cihangir mit einem benachbarten Stadtteil verbinden. Diese wurden von einem Anwohner in den Farben des Regenbogens gestrichen, was jedoch die Stadtteilverwaltung auf den Plan rief. Sie schickte ihre Mitarbeiter hinaus und ließ die Treppen wieder grau anstreichen, was im ganzen Land eine Welle von Entrüstung auslöste. In vielen Städten des Landes versammelten sich Anwohner, um die Treppen in ihrer Gegend in den Farben des Regenbogens zu streichen. Organisiert hatten sie die Aktionen, an denen unzählige Menschen jeden Alters teilnahmen, auf Facebook und Co.

Während zahlreiche Städte wie Izmir und Diyarbakir, die von sozialdemokratischen bzw. BDP-Bürgermeistern regiert werden, sich der Bewegung anschlossen und ihren Bürgern Farben und Pinsel sowie zu streichende öffentliche Plätze zur Verfügung stellten, fand in anderen, von AKP geführten Städten wie Ankara und Izmit ein Wettlauf zwischen den Bürgern und der Stadtverwaltung statt. In den letzteren strichen die Anwohner in nächtlichen Aktionen Treppen und Straßen in Regenbogen an, die am anderen Tag von Mitarbeitern der Stadt wieder grau angestrichen wurden.

Viele sehen in den Aktionen des zivilen Ungehorsams den Versuch, den Geist der Gezi-Proteste wieder aufleben zu lassen. Dies erklärt auch die Haltung von AKP-Bürgermeistern, sich mit Unterstützung von Sicherheitskräften durchzusetzen.