Erdoğans Helden wieder am Werk!

Nach der Ermordung von fünf Demonstranten bei den Gezi-Protesten durch Polizisten hatte Ministerpräsident Erdoğan die Sicherheitskräfte gelobt und Polizeibeamte zu ihren „heldenhaften“ Taten gratuliert. Seine hochgelobten Polizisten sind wieder am Werk. Am 10. September 2013 wurde in Antakya der 22jährige Demonstrant Ahmet Atakan von einer Tränengasgranate am Kopf getroffen und erlag später seinen schweren Verletzungen. Atakan hatte an einer Demonstration teilgenommen, die gegen den brutalen Polizeieinsatz gegen die Teilnehmer von Demonstrationen in Ankara, Istanbul und anderen Städten gerichtet war. Mit der Demonstration in Ankara wollten Studierende und die Bevölkerung der türkischen Hauptstadt gegen den geplanten Bau einer Autobahn durch das Gelände der ODTÜ-Universität demonstrieren.

Bei anderen Demonstrationen ging es um den geplanten Bau einer Moschee mit einer integrierten alevitischen Gebetsstätte. Weite Teile der Aleviten sprechen sich gegen dieses von der Gülen-Bewegung und regierungsnahen alevitischen Organisationen gemeinsam initiierte Projekt aus. Sie kritisieren das Vorhaben als Ausdruck der Bemühungen der AKP, die Aleviten für sich zu vereinnahmen und als Stütze für die zunehmende Islamisierung der Gesellschaft zu instrumentalisieren. Fast ausnahmslos alle Demonstrationen in den letzten Tagen wurden von der Polizei unter Einsatz von Tränengas und Wasserwerfern brutal attackiert. Dutzende von Demonstranten wurden verletzt und unzählige festgenommen.

Atakan ist der dritte Demonstrant aus Hatay, der von Polizisten getötet wurde. Bei den Gezi-Protesten im vergangenen Juni starben die beiden aus Hatay stammenden Demonstranten Ali Ismail Korkmaz und Abdullah Cömert.

Die Ermordung von Atakan löste landesweite eine breite Protestwelle aus. In zahlreichen Städten der Türkei fanden Demonstrationen und Gedenkveranstaltungen statt, die ebenfalls zum Ziel von Polizeiübergriffen wurden. In einem ersten, provisorischen Obduktionsbericht wurde festgestellt, dass Atakan schwere Schädelverletzungen davon getragen habe, während Medien und Regierungskreise behaupteten, er sei von einem Dach gestürzt.