Lesen Sie die Packungsbeilage! – am besten zwei Mal

So langsam ist es wieder soweit und die verstopfte Nase meldet sich wieder. Kopfschmerzen und weitere Beschwerden bleiben auch nicht aus. Viele Menschen rennen bei den ersten Symptomen einer Krankheit, zu ihrer Apotheke, um ein schnell wirkendes Arzneimittel zu kaufen. Von den mehr als 50.000 Arzneimitteln, die in Deutschland verkauft werden, sind etwa 30.000 ganz ohne Rezept zu erhalten. Was man da alles zu sich einnimmt und welche Inhaltstoffe letztlich tatsächlich beinhaltet sind, sollte man sich doppelt anschauen. Genaue Zahlen gibt es nicht, aber Schätzungen zu folge sterben sieben Mal so viele Menschen an falschen Dosierungen, falsch gekauften, aber auch an falsch verordneten Medikamenten, als bei Verkehrsunfällen in Deutschland.

Eine erschreckend hohe Zahl, zu der verschiedene Faktoren beitragen

Es mag sein, dass einzeln verschriebene Medikamente richtig eingenommen werden. Oftmals wird aber vergessen zu erkunden, welche zusätzlichen Tabletten ein Patient noch einnimmt. Bei der Beratung in der Apotheke oder schnellen Behandlung beim Arzt wird kaum danach gefragt, ob man denn bereits Medikamente zu sich nimmt. Dabei müsste man doch bei der riesen Menge an rezeptfreien Arzneimitteln davon ausgehen. Schließlich muss alles sehr schnell gehen. Häufig ist die Kombination von verschiedenen Tabletten problematisch und die Wechselwirkungen sehr gefährlich. Somit ist die Verschreibung eines Medikaments schon sehr gefährlich und stellt ein Risiko für den Patienten dar. Denn die Risiken, die von frei käuflichen Arzneimitteln ausgehen, werden meist nicht wahrgenommen. Aber auch die Tatsache, dass die Dosierungen nicht immer auf den Patienten angepasst werden, führt zu einem hohen Risiko. Alter und Gewicht müssten ausschlaggebend für Dosierungsverordnungen sein, dies geht oftmals unter. Erschreckend ist auch, dass fast jede fünfte Selbstmedikation in Deutschland problematisch ist, dies ergab eine Forschung der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Jeder vierte Versicherte bei der AOK nimmt fünf und mehr Medikamente ein, dies gab das wissenschaftliche Institut der AOK an. Je mehr Medikamente genommen werde, desto mehr Wechselwirkungen sind möglich und somit steigt auch das Risiko für den Patienten immer mehr.

Rabattverträge der Krankenkassen sorgen nochmal für Verwirrung

Arzneimittelhersteller und Krankenkassen verhandeln um den Preis von Wirkstoffen und Arzneimitteln. So kann es dazu kommen, dass man jahrelang eine gelbe Pille erhalten hat und Schwups nun eine rote bekommt. Dies führt besonders bei älteren Menschen zur Verwirrung, welche dann zur falschen Einnahme oder Dosierung führt, so das Ergebnis einer Umfrage bei Apothekern. Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten sind die Apotheken verpflichtet, das Medikament von dem Hersteller zu verkaufen, mit dem die Krankenversicherung des Patienten einen Vertrag geschlossen hat. Auch dann nicht, wenn es diese Medikamente nicht auf Vorrat gibt und sie eigentlich dieses von einem anderen Hersteller verkaufen könnten. Außer der behandelnde Arzt macht ein kleines Kreuzchen auf das Rezept. Damit macht er kenntlich, dass nur dieses und kein anderes Medikament vergeben werden darf.

Im Grunde wäre es ja egal von welchem Hersteller ein Medikament verordnet wird. Denn die Wirkstoffmenge und der Inhalt der Verpackung sind dieselben. Jedoch sind die Zusatzstoffe verschieden und können zu anderen Wechselwirkungen führen. Wenn ich also jahrelang mit der gelben Pille, die ich in Kombination mit anderen Pillen genommen habe, keine Probleme hatte, kann es durch die Nebenstoffe dazu führen, dass die rote Pille Probleme verursacht. Und das, obwohl es dasselbe Medikament ist.

Aber auch Apotheken haben diese Verträge mit Arzneimittelherstellern. Auch sie sind darauf aus, bestimmte Medikamente von bestimmten Herstellern zu verkaufen. Denn so läuft das Geschäft.