German Way of Democracy

merkel-steinbrück

Die Wahlen sind vorbei. Das Ereignis, auf das sich ganz Deutschland in den letzten Monaten vorbereitet hat, auf das alle gespannt gewartet haben. Irgendwie schwang über diesen Bundestagswahlen der Geist der Veränderung herum. Besonders viele Jugendliche hatten das unbestimmte Gefühl, dass sich dieses Mal wirklich etwas verändern könnte. Unrealistisch und naiv? Vielleicht ein bisschen. Alleine, wenn man sich die Parteien anschaut, die zur Wahl angetreten sind. Da wäre zum einen die CDU, die dem Großteil der Bevölkerung wirklich weismachen konnte, Deutschland gehe es „gut“. Angeführt von der „schwarzen Witwe“, die alles im Namen „unserer Interessen“, wohl doch eher des Kapitals, auffrisst, was ihr in den Weg kommt. Alternativen? Die SPD, die pünktlich zu jeder Wahl ein scheinsoziales Programm auspackt, es dieses Mal jedoch einem Kandidaten aufgedrückt hat, dem das niemand so wirklich abkaufen wollte. Eine FDP, das liberale Schoßhündchen der Union. Eine Grüne, die sich an den Rockzipfel der SPD festklammert und den feuchten Traum von Rot-Grün träumt. Da wäre noch die LINKE. Eine LINKE, die ein gutes Wahlprogramm hat, die die einzige „soziale“ Partei im Lande ist, aber große Schwierigkeiten hat die Menschen zu überzeugen und deswegen nicht genug Zuspruch in der Bevölkerung findet. Was bedeuten die Wahlen denn nun für Jugendliche? Partizipation? Schön und gut, aber sind Wahlen nicht zum Alibi der kapitalistischen Demokratie verkommen? Jede Aktion und Reaktion der Herrschenden wird damit legitimiert, gewählt worden zu sein. Aber wir haben doch kein Aktenschreddern, Abhöraktionen oder Kriegseinsätze gewählt, oder? „Was tun?“, lautet die große Frage. Nicht wählen? Sich dem Frust hingeben? Das würde bedeuten zu schweigen. Das zu akzeptieren, was uns, als unsere Interessen verkauft werden soll, aber so weit davon entfernt ist, wie nur eben möglich. Vielleicht muss man nur die Naivität ein wenig entfernen und die Wahlen als das sehen, was sie sind. Nicht der Weg zur Veränderung. Das ist in diesem bestehenden System nicht möglich. Aber als ein Mittel die Stimme zu erheben und das zu fordern, was wirklich etwas verändern könnte. Mit alldem im Hinterkopf kann man auch die vergangene Wahl bewerten. Natürlich war es ein großer Schock, als man sah, dass die CDU 42 % der Stimmen einholen konnte. Knapp an einer absoluten Mehrheit vorbei. Was bedeutet das für uns, vor allem die Jugendlichen? Dass ein Großteil der Wähler blind ist? Wohl kaum. Das bedeutet, dass Frau Merkel ihr Handwerk sehr gut beherrscht. Sie hat es geschafft Massenjugendarbeitslosigkeit, sowohl hier, als auch in ganz Europa, entweder zu verschleiern oder als Notwendigkeit für Deutschlands Wirtschaft zu verkaufen. Genauso, wie Kriegseinsätze in vielen Ecken der Welt, Armut und der schleichende Abbau von Bürger- und Menschenrechten. Alles im Namen der Demokratie, im Namen des „German Way of Live“. Das bedeutet für uns, dass wir die nächsten Jahre unser Handwerk verfeinern müssen. Unsere Stimmen müssen lauter werden und Alternativen aufzeigen. Vielleicht können wir uns dann sogar wieder ein wenig Naivität erlauben.