Ein „Usta“ des Kinos – Tuncel Kurtiz

 

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„Meine geliebten Bücher und meinen Wein möchte ich auf dieser Reise bei mir haben, damit ich sie zu Ende lesen und trinken kann“, antwortete er auf die Frage, wie er den Tod sehe und fuhr fort: „Es ist mir egal. Sehen Sie doch, am schnellsten werden die Toten in der Türkei vergraben. Doch ich glaube nicht an den Tod. Vielleicht ist es auch die Tür zum Blumenland. Wir alle müssen durch diese Tür. Was ist denn überhaupt diese Welt? Noch nicht mal das können wir beantworten, woher wollen wir denn wissen, was der Tod sein soll?“

 

Seine Schlagfertigkeit, seine philosophische Tiefsinnigkeit und sein enormes Talent zum Schauspiel und zur Poesie waren es, welche Tuncel Kurtiz zu einem legendären Künstler machten. Er war vor allem aber auch überzeugter Sozialist und ein Kritiker des Systems. Diese Eigenschaft behielt er bis zum Ende seines Lebens.

 

Geboren wurde Kurtiz 1936 in Izmit, wo er jedoch aufgrund des Berufes seines Vaters kaum gelebt hat. Denn allein schon bis er die Grundschule beendet hatte, zog er mit seinen Eltern und zwei Geschwistern durch acht Städte. Erst nachdem er mit seinem Studium begann wurde er sesshaft und lebte nun in Istanbul. Er begann Rechtswissenschaften zu studieren, wechselte jedoch später auf Anglistik, Philosophie, Psychologie und Kunstgeschichte. Beenden konnte er jedoch keines dieser Fächer, denn die Liebe zum Schauspiel liess dies nicht wirklich zu. Im Jahre 1958 stand er im Haldun Dormen Theater zum ersten Mal auf der Bühne. Seinen ersten Kinofilm drehte Kurtiz 1964 unter der Regie Orhan Günsirays im Film „Die Diener des Teufels“. Kurz darauf schloss er Bekanntschaft mit Yilmaz Güney, welches sich zu einer jahrelang andauernden, sehr engen Freundschaft entwickelte. Diese Freundschaft übertrug sich auch auf ihre Zusammenarbeit. Denn Tuncel Kurtiz spielte in vielen von Güneys Filmen wie „Hoffnung“, „Die Herde“ und „Die Mauer“ mit, welche heute noch zu den Legenden des türkischen Kinos zählen. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Regisseuren brachten Kurtiz zahlreiche Preise und Ehrungen, vor allem aber auch seine selbst geschriebenen Drehbücher. Nach dem Putsch von 1980 und dem darauffolgenden Tod Yilmaz Güneys kehrte er der Türkei seinen Rücken und begann in verschiedenen Ländern wie Schweden, Deutschland und USA zu leben. Auch hier setzte er seine künstlerischen Tätigkeiten fort und wirkte in vielen internationalen Projekten mit. Die Berliner Schaubühne, das Göteborger Stadttheater, das Stadttheater Frankfurt und Hamburg waren nur einige wenige Theater in Deutschland, dessen Bühnen er als Regisseur sowie auch als Schauspieler betrat. In den 90er Jahren kehrte er schließlich in die Türkei zurück und arbeitete dort ebenfalls weiter und wirkte in einigen TV Serien sowie Kinofilmen mit. Nicht zuletzt spielte er in Fatih Akins „Auf der anderen Seite“ mit. Schließlich war es jedoch eine TV Serie, die ihn auch unter der jüngeren Generation bekannt und sehr beliebt machte.

 

In den vergangenen Tagen wurde Tuncel Kurtiz tot in seiner Istanbuler Wohnung aufgefunden. Er starb, nachdem er sich durch einen Sturz am Kopf verletzt hatte, in seinem Haus. „Wenn ich eines Tages nun sterben sollte, dann hatte ich bestimmt Sehnsucht nach Yilmaz Güney“, sagte er mal. Und wir hoffen, dass er seinen Freund wieder gefunden hat.