Tradierte Rollen aufbrechen – das Leben gleichberechtigt mitgestalten!

gocmenkadinlar

Bundeskonferenz des Bundesverbandes der Migrantinnen e.V.

 

Vom 01.- 03. November kommt der Bundesverband der Migrantinnen in Deutschland e.V. zur seiner 5. Bundeskonferenz zusammen. Rund 100 Frauen werden an diesem Wochenende ihre regionale/überregionale Arbeit diskutieren und auswerten, sowie Schwerpunkte für die zukünftige Arbeit festlegen. Der Bundesverband der Migrantinnen in Deutschland setzt sich seit 2005 dafür ein,

der sozialen, kulturellen und politischen Isolation von Frauen in der Gesellschaft zu trotzen und ihre Stimmen nach Entgeltgleichheit, menschenwürdigen Arbeitsbedingungen, Vereinbarkeit von Arbeit und Familie, sprachlicher und beruflicher Weiterbildung und einem friedlichem Zusammenleben zu bündeln.

 

Unter dem Motto „Tradierte Rollen aufbrechen – das Leben gleichberechtigt mitgestalten“ will die Konferenz sich zusätzlich mit der Frage auseinandersetzen, welche Bedeutung die aktive Beteiligung von Frauen im Streit um eine gerechte Gesellschaft hat. Dabei geht es vor allem darum, Rollenverständnisse zu hinterfragen und die Wege für ein selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Leben zu öffnen und zu stärken.

 

Dass dies keine Selbstverständlichkeit ist, verdeutlichen die tragischen Morde an türkeistämmigen Frauen, wie im Fall Arzu Özmen und Sema Subay. Ihre Täter waren ihre Ehemänner oder männliche Familienangehörige. Alle hatte einen gemeinsamen Wunsch: sich gegen patriarchalische Denkweisen zu wehren und frei über ihr Leben entscheiden zu können. Wie sehr Herrschende überkommene Rollenverständnisse zur Durchsetzung ihrer konservativen Politik einsetzen, zeigten in der Vergangenheit die Debatten um „Minijobs“, das zu Recht umstrittene Betreuungsgeld (bzw. Herdprämie) oder um die „Pille danach“. Erinnert sei an den Fall einer jungen Frau aus Köln im Januar 2013, die Opfer von Vergewaltigung wurde. Zwei katholische Krankenhäuser weigerten sich, die junge Frau zu untersuchen und somit Spuren des Verbrechens zu sichern. Beide Krankenhäuser wiesen auch den Wunsch der jungen Frau ab, die „Pille danach“ zu verabreichen. In die Liste der Frauenorganisationen, die zu diesen und ähnlichen Fällen protestierten, gehört auch der Bundesverband der Migrantinnen in Deutschland e.V.

 

In welchem Ausmaß Rollenbilder im Arbeitsleben reproduziert werden, um den Bedarf an billigen Arbeitskräften zu decken, zeigen die Lebenswirklichkeiten von Frauen selbst. Die arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen drängen sie in „frauentypische“ Felder, in der ihre Arbeit niedrig entlohnt und ungesichert ist. Für den Großteil sind diese Formen der Beschäftigung die einzige Chance, um überhaupt eine bezahlte Arbeit zu bekommen: als Servicekraft, als Friseurin, als Reinigungskraft oder Pflegerin. Seit seiner Gründung gehört die Beschäftigungssituation von Frauen/Migrantinnen zum Schwerpunkt seiner Verbandsarbeit. In den letzten zwei Jahren organisierten die Frauen im Migrantinnenverband zwei Konferenzen, die in Kooperationen mit Gewerkschaften durchgeführt wurden. (2012 Konferenz „Migrantinnen und Gewerkschaften“ in Esslingen, sowie 2013 die Tagung „Nichts fällt vom Himmel. Migrantinnen in der Pflege in Dortmund).

 

Auf der bundesweiten Konferenz vom 1.-3. November, werden neben Teilnehmerinnen aus über 20 Städten auch Gäste aus Gewerkschaft und Frauenberatungsstellen teilnehmen. Petra Wlecklick, Gewerkschaftssekretärin im Bereich Migration und Integration der IG Metall (Bundesvorstand), Behshid Najafi von der Informations- und Beratungsstelle für Migrantinnen agisra e.V. sowie H. Moradi von der Frauenberatungsstelle „Frauen helfen Frauen“ werden in einer gemeinsamen Gesprächsrunde mit den Teilnehmerinnen über die aktuelle Situation von Frauen/Migrantinnen diskutieren.