16. Oktober Welternährungstag – Was wir verschwenden…

Seval Mengi

 

842 Millionen Menschen auf der Welt müssen hungern. Gleichzeitig sind 1,4 Milliarden Menschen übergewichtig, was etwa 20% der Weltbevölkerung ausmacht.

 

Anlässlich des vergangenen Welternährungstages am 16. Oktober ist es durchaus nötig, sich die aktuellen Zahlen im Bereich der Welternährung vor Augen zu führen. Erstaunliche Fakten rücken dabei besonders in den Vordergrund. Während ein Teil der Bevölkerung hungern muss, darunter ein großer Anteil von Kindern mit 3,1 Millionen, die vor ihrem fünften Geburtstag sterben müssen, ist ein deutlich größerer Teil der Weltbevölkerung übergewichtig. Beeindruckend ist, dass mit anderen Worten 1,4 Milliarden Menschen zu viel Essen zu sich nehmen und somit für 842 Millionen Menschen, die hungern und sogar sterben müssen, mitessen.

Bei der Betrachtung dieser Zahlen kommt die Frage auf „Wo liegt der Fehler?“ oder „Wie ist das Ungleichgewicht in der Verteilung der Ernährung zu erklären und zu lösen?“.

Täglich werden in den Haushalten in Deutschland viele Lebensmittel in den Müll geworfen, was überwiegend aus Obst und Gemüse besteht. Verschimmeltes Brot oder Käse sind dabei auch oft Lebensmittel, die am meisten im Müll landen. Laut dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz werden jährlich 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel weltweit verschwendet, das bedeutet, dass jeder von uns jährlich 234 Euro in den Müll wirft. Eine Summe, die durchaus nicht außer Acht zu lassen ist.

Aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, taucht die Frage auf, „Wie werden diese Lebensmittel überhaupt produziert?“ So ganz einfach kann diese Frage nicht beantwortet werden. Die Lebensmittel- bzw. Fleischproduktion ist ebenso wie der Lebensmittelkonsum auch ein umstrittener Bereich.

Ob Vegetarismus oder sogar der neuere Trend Veganismus eine Lösung für das bestehende Ungleichgewicht in der Welternährung sein kann, ist eine Frage, die man zunächst zurückstellen sollte. Denn davor ist es vielmehr nötig, die Produktion von Lebensmitteln genauer zu untersuchen und zu verstehen. Ob der Verzicht auf lebensnotwendige Nährstoffe eine Lösung darstellen kann, ist darüber hinaus aus soziologischer und medizinischer Sicht kritisch zu betrachten, wenn man den eigentlichen natürlichen Ernährungskreislauf sich vor Augen führt.

Wasser gilt als ein wichtiger Rohstoff für die Produktion von Lebensmitteln und ist außerdem wichtiger Bestandteil in unserem Alltag für Trinken, Hygiene und Reinigung. Täglich verbraucht jeder von uns durchschnittlich 130 Liter Wasser, wobei davon nur 4% für Essen und Trinken genutzt werden. Wenn man sich einmal genauer überlegt, wie viel wir davon tatsächlich täglich brauchen, ist es nicht schwierig festzustellen, warum aktuell knapp die Hälfte der Weltbevölkerung zu wenig Wasser zur Verfügung hat. Die tägliche Verschwendung von Wasser beim Duschen, Putzen, Spülen oder Ähnlichem ist nicht zu unterschätzen. In dieser Hinsicht ist es zusätzlich wichtig, zu wissen, wofür Wasser, dass aktuell für die knapp Hälfte der Weltbevölkerung als zu wenig bezeichnet wird, noch benutzt wird. In Anbetracht der Tatsache, dass die eigentliche Verschwendung in dem Produktionsprozess der Waren stattfindet, liegt es nahe, die Konzerne mehr in die Verantwortung zu ziehen. Die Produktion von Textilien, Alkohol aller Art und Fleisch sind nur wenige Beispiele.

Bei genauer Überlegung sind Lösungen für das bestehende Ungleichgewicht in der Welternährung durchaus nicht unmöglich, wobei Vegetarismus und Veganismus nur individuelle Lösungen darstellen und den Kern des Problems nicht erreichen können. Das Schaffen eines Bewusstseins für eine nachhaltige und umweltfreundliche Ernährung ohne blind der Lebensmittelindustrie und anderen Industriezweigen zu vertrauen, ist in diesem Bezug viel wichtiger, um die tonnenweise Müllproduktion mit Lebensmitteln und die literweise Verschwendung von Wasser zu verringern. Ohne dieses Bewusstsein werden wir im nächsten Jahr des Welternährungstages von erschreckenderen Zahlen sprechen und immer mehr zusehen müssen, dass Vegetarier und Veganer behaupten, den Welthunger beseitigen zu können. Denn die Fleischproduktion ist nicht allein das Problem im Ungleichgewicht in der Welternährung, sondern viele weitere Bereiche der Konsumsgüterproduktion.