Die Gier wird immer größer und größer

Cigdem Ronaesin

 

Gerne wird behauptet, dass ärmere Menschen zu schlechten Manieren neigen, während reiche Menschen „salonfähig“ sind. Diese Aussage hört man auch als Kellner sehr oft. Wenn man für schickere Events kellnert, hat man höflich zu sein, die Klamotten müssen stimmen und man darf sich bloß kein Getränk vom Kunden ausgeben lassen.

Eine neue Studie beweist jedoch genau das Gegenteil. Sieben verschiedene Experimente amerikanischer Forscher belegen, dass reiche Menschen eher zu „unethischem“ Verhalten neigen, als ärmere Menschen. In der Studie ging es um den Zusammenhang zwischen Ethik und dem sozialen Status der Teilnehmer. Diese Beziehung wurde in verschiedenen Situationen untersucht, wie im Gespräch, im Straßenverkehr oder in formellen Situationen. Die Begründung der Forscher lautet: In solchen Kreisen wird Gier mit etwas positivem assoziiert und wird in ein positives Licht gerückt. Egal um welche Gier es geht, sobald man mehr und mehr haben möchte, gehört man zu einer „gehobenen Klasse“. Schließlich ist es ja nur berechtigt, wenn man ein Auto und ein Haus mehr haben will, so sagt es uns unsere Konsumgesellschaft.

Als Beispiele für diese These werden verschiedene Punkte herangeführt: Beispielsweise das Verhalten im Straßenverkehr: Während die meisten „ärmeren“ Menschen eher dazu neigen, „Bedürftigen im Strassenverkehr“ zu helfen, können Menschen aus höheren sozialen Schichten an einem Zebrastreifen nicht warten. Ebenfalls verschweigen reichere Kunden öfter, dass sie zu viel Wechselgeld erhalten haben, während ärmere Menschen meistens das zu viel gegebene Geld zurückgeben. Die Studie untersuchte auch, welche „Vorteile“ diese Gier mit sich bringt. Nachdem den Probanden die Vorteile näher erläutert wurden, wurden sie sogar noch gieriger.

Diese Studie ist noch einmal das Spiegelbild unserer heutigen Gesellschaft und der Menschengeschichte. Je mehr die Menschen erhalten oder haben, desto mehr waren sie bereit, neue Opfer zu bringen oder anderen zu schaden, wenn es darum ging, ihr Reichtum zu vergrößern. Nicht umsonst werden auch heute für die Interessen einiger weniger Kriege geführt oder Menschen in Fabriken ausgebeutet. Je mehr die Menschen haben, desto hungriger und gieriger werden sie und sind bereit, einen Schritt weiter zu gehen. Und Skandale in Politik und Wirtschaft sehen wir je jeden Tag, wenn es um Geld und Macht geht. Jedoch ist das eine Angelegenheit der gesamten Gesellschaft mit all ihren Normen und Werten. Und die Normen und Werte dieser Gesellschaft sind nur ausgelegt, um die negativen Eigenschaften der Menschen hervorzubringen.