Fernbusnetz- eine neue Billigkonkurrenz für die Deutsche Bahn?

Özlem Yildiz

Seit Anfang 2013 dürfen Unternehmen nationale Fernbuslinien zwischen deutschen Städten anbieten. Dies beschlossen der Bundestag und Bundesrat, nachdem sie im Herbst 2012 einer Änderung des Personenbeförderungsgesetzes (PeBfG) zugestimmt hatten. Die Beschränkungen für Busse nur auf solchen Strecken zur fahren, wo es keine Bahnverbindungen gibt wurden weitestgehend abgeschafft, die seit mehr als 70 Jahren die Entwicklung der Bahn schützen sollten.

Fernbusse bieten künftig Reisenden in Deutschland eine günstige Alternative zur Deutschen Bahn (DB) und ermöglichen ihnen das „billigere Reisen“ von Stadt zu Stadt. Zielgruppe dieser Unternehmen sind insbesondere junge Leute, unter anderem auch Studenten, Schüler und „Geringverdiener“, die auf ihre Ausgaben achten und sparen müssen. Die „Liberalisierung des Marktes“ zeigt, dass die Zahl der Fahrgäste gestiegen und ein relativ dichtes Fernbusnetz entstanden ist. Vor der „Liberalisierung des Verkehrs“ lag die Zahl bei 2,4 Millionen, wohingegen sie in diesem Jahr deutlich höher liegt. Immer mehr Anbieter konkurrieren um ihre Fahrgäste. Die Liberalisierung von Fernbussfahrten zieht aber auch gleichzeitig ihre Nachteile mit sich. Abgesehen davon, dass sich die Reisezeit für die Fahrgäste deutlich verlängert, sieht auch die Deutsche Bahn in diesen Unternehmen eine Konkurrenz. Stichproben ergeben, dass alle Busunternehmen deutlich billiger sind, als die Deutsche Bahn. Immer mehr Menschen nehmen das Angebot wahr, mit Fernlinienbussen zu reisen, was auf die steigenden Ticketpreise bei der Deutschen Bahn zurückzuführen ist. Sowohl die Preise für ICEs und ICs als auch für die Bahncard 50 und 25 sind um 2,5 Prozent gestiegen. Sogar für Reservierungen muss man mehr zahlen. Die Möglichkeit, von dem Angebot solcher Fernlinienbusse Gebrauch zu machen, führt vor allem zum Verlust vieler Passagiere und ihres Fernreise-Monopols. Kunden jubeln über die günstigen Angebote, die Bahn jedoch wollte die unbeliebten Wettbewerber loswerden und verklagte eine von drei Studenten gegründete „YourBus“- Firma. Mit dieser Klage geht also der Staat gegen private Konkurrenten vor, denn schließlich ist die Deutsche Bahn zwar eine privatrechtliche Aktiengesellschaft, jedoch gehören alle Anteile der Bundesrepublik Deutschland. Mittlerweile hat die Deutsche Bahn wohl doch erkannt, dass Angriff nicht unbedingt die beste Lösung ist. Warum auch verklagen, wenn man von dem lukrativen Geschäft auch profitieren kann? Im Süden Deutschlands und um Berlin herum sind seit letzter Woche auch die DB IC Busse im Einsatz. Somit versucht die Bahn in einen florierenden Geschäftszweig einzusteigen und das offenbar mit Erfolg. Denn der IC-Bus ist einer der günstigsten auf dem ganzen Markt. Gleichzeitig ist es der Versuch das angekratzte Image wieder aufzupolieren. Denn kaum ein Jugendlicher kann sich eine Fahrt mit der Bahn noch leisten, aber mit dem Bus kann die DB auch diese Zielgruppe wieder erreichen. Im Vergleich: Eine Fahrt von Mannheim nach Nürnberg kostet für einen Erwachsenen ohne Bahncard 14 Euro mit dem IC-Bus. Will man jedoch mit den gleichen Konditionen den Schienenverkehr der DB nutzen, bezahlt man 69 Euro. Nicht nur die 55 Euro Preisunterschied beim Ticket lassen die Herzen von Jugendlichen höher schlagen, sondern es kommen auch noch andere Faktoren hinzu. So ist es möglich im IC-Bus Getränke, wie Kaffee etc., die im ICE sonst maßlos überteuert sind, ab einem Euro zu kaufen. Außerdem hat man freies W-LAN. Zwar ist das alles sehr interessant, jedoch sollte man nicht vergessen, warum so viele, vor allem Jugendliche, auf alternative Reisemöglichkeiten, wie Fernbusse, Car Sharing oder Mitfahrgelegenheiten ausweichen müssen. Weil die Deutsche Bahn seit Jahren ungestraft und ungehindert die Preise in die Höhe treibt, durch ihre Monopolstellung auf dem Markt und die Profitgier der Anteilseigner, ergo der BRD, angetrieben. Die Preise sind kaum noch bezahlbar, jedoch folgten auf alle Preissteigerungen scheinheilige Ausreden, wie: „Wir wollen die Preise nicht anheben, aber wir tragen auch hohe Kosten“. Danach versuchte sie sich mit Öko-Strom herauszureden, denn ökologisches Fahren hätte nun mal auch seinen Preis. An die „hohen Ausgaben“ glaubt sowieso niemand mehr, denn schließlich ist es ein offenes Geheimnis, dass die Arbeitsverhältnisse bei der Deutschen Bahn alles andere als gut sind. Viele junge Menschen und auch Erwachsene würden sicherlich gerne lieber mit umweltfreundlichen Transportmitteln, wie der Bahn, als mit Bussen fahren, jedoch kann das erst passieren, wenn die radikale, profitorientierte Politik der Deutschen Bahn und ihres Haupteigentümers ein Ende findet.