Foxconn zwingt Studenten zum Bau der Playstation 4

Pinar Aki

Praktika neben dem Studium sind keine Seltenheit. Beim Apple- und Sonyzulieferer Foxconn treten viele Studierende jedoch nicht freiwillig an. Ihre Uni zwingt sie förmlich zu nächtelanger Fließbandarbeit!

Foxconn, Markenname des Konzerns Hon Hai Precision Industry, ist der größte Auftragshersteller für Elektronik und produziert in Großfabriken für Apple, Sony, Google, Microsoft, Amazon und andere Marken. Die Werke stehen vor allem in China. Dort beschäftigt der taiwanische Konzern mehr als eine Million Menschen. Er steht seit Jahren wegen Arbeitsrechtsverletzungen in der Kritik. Im Jahr 2010 erschütterte eine Selbstmordserie von Arbeitern die chinesischen Foxconn-Werke und zog weltweite Aufmerksamkeit auf sich. Unter dem Druck des öffentlichen Aufschreis versprach Foxconn, die Löhne zu erhöhen, aber die Situation hat sich seitdem kaum verbessert. Foxconn wies die Anschuldigungen zwar zurück, aber hob die Löhne dennoch um durchschnittlich fast 70 Prozent an. Scheinbar musste da doch etwas wieder gut gemacht werden, denn wozu sollte sonst ein Konzern solch eine drastische Lohnerhöhung vornehmen, wenn es denn nichts zu verschulden hätte?

Ein erneuter Skandal des Elektronikherstellers Foxconn erobert nun die chinesischen Schlagzeilen. Nach Angaben von Hong Kongs „Oriental Daily“ wurden Tausende von IT-Studenten am Xi’an Institut für Technologie gezwungen, Komponenten der Spielkonsole Playstation 4 im Yantai-Werk des Herstellers Foxconn unter harschen Bedingungen am Fließband zusammenzubauen, statt eine aufs Studium bezogene Arbeit zugewiesen zu bekommen oder in die Entwicklungsabteilung „reinschnuppern“ zu dürfen. Dies hatten sich die angehenden Ingenieure zumindest erhofft, als sie im Juli dieses Jahres zu einem Sommerpraktikum bei Foxconn aufbrachen. Offiziell gelte die Arbeit als „Praktikum“ und werde offen von der Universität beworben. Allerdings soll das Programm des Praktikums nicht ganz freiwillig gewesen sein, denn wenn sie sich weigerten, die Arbeiten zu verrichten, würde ihnen die Universität sechs Kurspunkte abziehen, was die Studierenden faktisch den Uni-Abschluss kosten würde. Offenbar mussten die „Praktikanten“ entgegen den Konzernrichtlinien sogar Überstunden und Nachtschichten eingelegt, um die Teile einer Spielkonsole zusammenzubauen. Das habe der Betrieb jedoch nach einer internen Untersuchung unterbunden, erklärte Foxconn gegenüber „Quartz“. Man habe „sofortige Maßnahmen unternommen, um das Studentenprogramm mit dem den Richtlinien des Konzerns abzustimmen“. Außerdem soll Foxconn der Oriental Daily mitgeteilt haben, dass alle Angestellten freiwillig dort seien und niemand würde daran gehindert werden, das Arbeitsverhältnis jederzeit zu beenden. Wie sollen diese Aussagen überhaupt noch glaubhaft sein nach all diesen Ereignissen? Es wäre ja auch nicht das erste Mal, dass Foxconn zwielichtige „Praktikumsstellen“ anbietet. Bereits im letzten Jahr gelangte eine ähnliche Geschichte zwischen Foxconn und dem Xi’an Institut an die Öffentlichkeit. Damals soll die Universität umgerechnet etwa zehn Euro für jeden Studenten erhalten haben, den sie in das Praktikumsprogramm von Foxconn „vermittelte“.