Ironie der Geschichte: Schlecker-Frauen kontern (zurecht) zurück

Sidar Demirdögen

 

Es ist eine Ironie der Geschichte. Nach dem Rauswurf aus dem Deutschen Bundestag, erhalten die FDP-Abgeordneten eine besondere Empfehlung von den „Schlecker-Frauen“. Im Januar 2012 meldete der Familienkonzern Insolvenz an. Der überwiegende Teil der mehr als 23.000 MitarbeiterInnen kämpften Tag um Tag für den Erhalt ihres Arbeitsplatzes und später um eine gerechte Behandlung und Sicherung ihrer Ansprüche im Rahmen des Insolvenzverfahrens. In einer Phase, in der das Modell „Auffanggesellschaften“ im Verhandlungsraum präsentiert wurde, schien ein Instrument gefunden worden zu sein, den Schlecker-Frauen eine staatlich Teilhilfe zu sichern. Voraussetzung war, dass die Bundesländer mitziehen.

 

Und eben hier beginnt die Ironie der Geschichte. Die staatlichen Auffanggesellschaften scheiterten durch das Veto der FDP – namentlich vom damaligen bayerischen Vize-Ministerpräsidenten und Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP). Er lehnte eine Bürgschaft ab. Das politische Poker um die Existenz von Tausenden Schlecker-Frauen war damit beendet.

 

Aus der FDP Zentrale ließ man verlautbaren, dass den Mitarbeiterinnen über die Bundesagentur für Arbeit geholfen werden müsse – aber nicht von einer staatlich gestützten Auffanggesellschaft. Die staatlichen Hilfekriterien waren gesetzt: Während staatliche Hilfen für Bankenrettungen „herunter argumentiert“

und durchgewunken wurden, wurden sie für Tausende MitarbeiterInnen zurückgewiesen.

Der ehemalige Wirtschaftsminister Philipp Rösler warf noch einen Kommentar hinterher. „Die Schlecker-Frauen sollten doch schnellstmöglich ihre Anschlussverwendung selber finden“. (März 2012)

Anschlussverwendung – damit kontern die Schlecker-Frauen heute zurück. Hier eine kurze Wiedergabe der Beiträge der Schlecker-Frauen in den Medien: „Wir können Philipp Rösler nur empfehlen, schnellstmöglich eine Anschlussverwendung selber zu finden“, so Ex-Schlecker-Frau Heike W. Ihre Vorschläge sind konkret: Philipp Rösler könne eine eigene Tante-Emma-Partei aufmachen, Hartz IV beantragen oder in Depressionen verfallen: „Das hat vielen von uns auch weitergeholfen in der Krise.“

Auch für Dirk Niebel hat die ehemalige Schlecker-Frau einen Vorschlag für seine Anschlussverwendung: „Er kann bei mir im Kiezladen in der Fotoabteilung anfangen“, verspricht Heike W., „ich brauche noch eine Entwicklungshilfe.“

Eine andere ehemalige Schlecker-Angestellte bringt ihre Hoffnung hingegen so auf den Punkt: „Vielleicht  will ein ausländischer Investor die FDP aufkaufen, zerschlagen und nach Rumänien ausgliedern?“

Wie gesagt – es ist die Ironie der Geschichte. Eine Abrechnung – wenn auch nur ein emotionaler – auf die Art der Schlecker-Frauen.

Ach ja: Dank der FDP: Mehr als jede zweite Schlecker-Mitarbeiterin ist auch ein Jahr nach der Insolvenz noch arbeitslos. Vielen droht bald Hartz IV.