„Lyra, Tibiae, Cymbala. Musik im römischen Köln“

Yasemen Ilhan

Musik war zu jeder Tageszeit im Leben der Römer mitinvolviert: Beim gastlichen Gelage zupften Musikanten die „volltönende“ Cithara, ein vornehmes antikes Zupfinstrument, bliesen Oboisten die „schönrufenden“ Auloi, ein altgriechisches Rohrblattinstrument, tanzten leichtgeschürzte Mädchen zum Klang von Leier und Rahmentrommel. Beim Opfer ertönten Blasinstrumente, bei Paraden und militärischen Aufzügen erklangen Tuba und Cornu. Im Theater sangen und spielten Berufsmusiker in Tragödien und Komödien, in der Arena hörte man Horn und Wasserorgel, auch Hochzeits- und Leichenzug waren nicht ohne Musik zu denken. Sie hatte immer neben einer rituellen und symbolischen Bedeutung eine besondere Rolle in den sozialen Strukturen der Gesellschaft.

Die römische Musik stand wie auch die Dichtung anfänglich stark unter der Einwirkung der griechischen Poesie. Dabei war in schriftloser Zeit die rythmische Sprache die Stütze für das Gedächtnis. Die ersten Hilfszeichen für das An- und Absteigen der Stimme können bereits von Niederschriften Aristophanes von Byzanz im 3. Jahrhundert v. Chr. gelesen werden. Neben wissenschaftlichen und archäologischen Funden wurde vieles auch durch Erzählungen und Mythen in die heutige Zeit übertragen. Dabei schrieb man nicht nur die Erfindung mancher Instrumente Göttern und Helden zu, sondern auch gerne besondere Spielfertigkeiten: Einem Mythos nach gilt als der Erfinder der Chelys, der Schildkrötenleier, der Gott Hermes. Bereits als Neugeborener soll er dazu eine Schildkröte getötet und dessen Panzer mit Rinderhaut bespannt haben, um später sieben Saiten aus Schafsdarm auf das Instrument zu befestigen. Später übergibt er dieses jedoch seinem Bruder Apollon als Entschädigung für die gestohlenen Rinder. Apollon wird fortan zum Gott der Musik. Später erfindet sich Hermes als Ersatz für die Leier die Syrinx, eine Art Panflöte. Der römische Dichter Ovid hingegen erzählt in den Metamorphosen (658-712) die Entstehungsgeschichte der Syrinx unterschiedlich: Diesem Mythos nach sieht der Hirtengott Pan eine in den Arkadien hausende Nymphe. Als er sie begehrt, ergreift diese die Flucht, kann jedoch den tiefen Fluss Ladon nicht überqueren. Als der Gott Pan jedoch meint, die Nymphe ergriffen zu haben, verwandeln ihre Schwestern sie in Schilf. Pan bemerkt dies und seufzt traurig gegen die Schilfrohre. Dabei entstehen Töne. Daraufhin bindet er die Halme in einer Reihe zusammen und das Instrument wird zu seinem – und somit auch zum Instrument der Hirten. Dieses sind nur zwei von vielen Beispielen an Mythen aus der römischen Geschichte.

Die Wichtigkeit und Bedeutung der Musik für die Erziehung des Menschen hatte bereits der griechische Philosoph Aristoteles hervorgehoben. In der römischen Kaiserzeit gehörte das Beherrschen eines Instruments bereits zur umfassenden Bildung des Redners. Nichts kränkte König Nero deshalb tiefer, als dass er ein schlechter Leierspieler bezeichnet wurde.

Eines der ältesten archäologisch nachgewiesenen Musikinstrumente der Menschheit ist die Knochenflöte. Funde ihrer Art gibt es bereits aus dem Aurignacien, einer Kultur der europäischen Altsteinzeit. Später verwendete man zur Herstellung von Flöten auch und auch anderen verschiedenen Instrumenten Holz, Elfenbein und Metall. Auch Tierhaut war ein beliebtes Material zur Herstellung von Instrumenten, vor allem bei der Herstellung von Trommeln. Die Instrumente aus der römischen Zeit sind heute selten erhalten, doch Reliefbilder sowie Statuen, Wandmalereien und Mosaike überliefern Aussehen und Verwendung. Genauso ist auch der Klang nur in Ansätzen rekonstruierbar, doch das Wort Aristoteles gilt: „In der Musik sind von Natur aus Freude, Vergnügen, Annehmlichkeit beschlossen.“

Noch bis zur ersten Novemberwoche ist die Sonderausstellung „Musik im römischen Köln“ des Römisch-Germanischen Museums Köln zu besuchen. Zahlreiche Exponate zu römischen Blas-, Zupf- und Percussionsinstrumenten, nachgebaut anhand von Originalen, Nachbauten und bildlichen Darstellungen auf antiken Kunstwerken, erstrecken sich über das gesamte Museumsinnere. Kuratiert wurde die Ausstellung von Dr. Friederike Neumann-Steckner und entstand in Zusammenarbeit mit dem Institut für Altertumskunde der Universität zu Köln, der Hochschule für Musik und Tanz Köln und dem Ensemble ‚Musica Romana’. Das Rheinische Landesmuseum Trier, das LVR-Landesmuseum Bonn, das Museum Burg Linn in Krefeld und Privatleute stellten Leihgaben zur Verfügung.