Zwei mal zwei gleich sechs?

Warum die Deutschen in Sachen Bildung nicht mehr mitreden können

Baran Kiraz & Melis Ayyildiz

Laut einer OECD-Studie, die sich mit der Allgemeinbildung von 24 Nationen befasst, schneidet Deutschland im internationalen Vergleich nur mittelmäßig ab. Insbesondere wurden 16- bis 65jährige in ihren Fähigkeiten im Lesen und Verstehen von Texten und einfachen Rechenübungen untersucht. Wie erwartet befinden sich Bildungshochburgen wie Finnland oder Japan auf den oberen Plätzen, Deutschland kann dagegen nicht mit diesen Werten brillieren. Doch warum sind die Deutschen im Bildungsbereich nicht mehr „konkurrenzfähig“ (was das auch immer bedeuten mag)? Ist es vielleicht, weil der Staat nicht genug in die Bildung investiert? Oder etwa, weil die Menschen einfach kein Interesse mehr an Bildung haben, wenn die ganze Bildung und das Wissen in unseren Hosentaschen schnell abrufbar ist?

Um diese „Bildungsmisere“ in Deutschland zu erklären, gebietet es sich allerdings, etwas weiter auszuholen. Tatsächlich liegt es nicht an den Individuen, die etwa besonders schlecht abschneiden würden, sondern an dem Bildungssystem selbst, was zu diesem Armutszeugnis führt. Unser dreigliedriges Schulsystem in Deutschland ermöglicht es einerseits Spitzenschülern, besonders gute Bildung zu genießen, andererseits lässt es aber die unterprivilegierten Schüler im Regen stehen. Während gute Leistung besonders belohnt wird, wird gleichzeitig aufs Schärfste  nach dem Motto „Nur die Harten kommen in den Garten“ aussortiert. Mit diesem Selektionsprozess wird man schon im zarten Alter von sechs Jahren konfrontiert. Denn bereits in der Grundschule entscheidet sich, wer es später einmal einfacher im Leben haben wird. Grundschulkinder aus Arbeiterfamilien müssen besonders beweisen, dass sie es „verdient“ haben, das Gymnasium besuchen zu dürfen. Diese erste gravierende Entscheidung bestimmt die spätere Entwicklung des betroffenen Schülers, da sich dieser zumeist in einem Teufelskreis der Ablehnung und Resignation wiederfinden wird. Dieser Ungleichbehandlung  liegt das schlechte Abschneiden in solchen Studien wie der OECD-Studie zugrunde. Zusätzlich kann man diese Entwicklung an der Einführung von der G-8-Regelung festmachen, die die Regelschulzeit der weiterführenden Schule von 9 auf 8 Jahre verkürzt hat. Diese Neuregelung führte nicht etwa zu einer Verbesserung der Leistungen, sondern zu einem erhöhten Leistungsdruck, der es den Schülern vermehrt erschwert, sich weiterzubilden. Das G-8-System fördert die Schüler lediglich im stupiden Auswendiglernen, jedoch verwehrt es ihnen, sich persönlich und bildungstechnisch zu entfalten und weiterzuentwickeln.

Um sich im internationalen Vergleich nicht mehr die Blöße zu geben, muss demnach das gesamte deutsche Bildungssystem in seinen Grundfesten erschüttert, also das dreigliedrige per se abgeschafft werden. Erst dann kann man erwarten, dass jeder und jede das gelesene auch versteht oder einen Dreisatz rechnen kann.