Hunger für Profit

aclik

Anfang der vergangenen Woche, legte die FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) ihren Welternährungsbericht vor. Dieser Bericht schien einen Erfolg im Kampf gegen den Welthunger zu versprechen. Doch die Wahrheit wurde massiv geschönt. Durch andere Berechnungsmethoden senkte die FAO die Zahl der Hungerleidenden Menschen in der Berechnungsperiode 2011/2012 um 26 Millionen Menschen auf 842 Millionen. 2010 galten weltweit noch 925 Millionen Menschen als unterernährt, 75 Millionen mehr als 2008. Woher kommt dieser angebliche Erfolg?
Roman Herre, Agrarreferent von FIAN (Food First Informations- und Aktions-Netzwerk) erklärte, dass es dies nur der Zahlweise zu verdanken sei. So würden zum Beispiel nur noch Menschen erfasst, die mehr als ein Jahr durchgehend „hungerleiden“. Damit fallen Menschen, die durch extreme Wetterereignisse ihre Ernte verlieren, komplett aus der Statistik.  Hinzukommt, dass die FAO einem sehr niedrigen Kalorienverbrauch pro Kopf in Entwickelungsländern ausgeht und die Menschen als „bewegungsarm“ einstuft, was man klar als dreist gelogen bezeichnen kann. Gerade Menschen aus Entwickelungsländern haben einen extrem hohen Kalorien verbrauch, da sie oft einer starken körperlichen Belastung ausgesetzt sind. Dies kommt daher, dass viele Menschen in diesen Ländern, mit einfachsten oder gar mittelalterlichen Mitteln auf Feldern, Plantagen oder in Minen schuften um Edelmetalle für die westlichen Elektroartikel zu fördern.
Wären die für diese Leistungen notwendigen Kalorien richtig berechnet, würde die Zahl der Hungernden sprunghaft von 842 Millionen auf rund 1,3 Milliarden Menschen steigen, rechnen Kritiker vor. Auch die enorme Preissteigerung von Grundnahrungsmitteln wie Reis und Mais wird nicht einberechnet. Weiterhin verschweigt die FAO, dass 80 Prozent des berechneten Rückganges der Hungerzahlen auf China und Vietnam fallen. In den 45 ärmsten Ländern der Welt stieg die Zahl der Hungernden dagegen um 25 Prozent oder 50 Millionen. Würde man einen umfassenden und korrekten Bericht anfertigen, müsste man noch 2 Milliarden Menschen hinzuzählen, die zwar nicht direkt an Unterernährung, aber an einer starken Mangelernährung leiden.
Bei den heutigen technischen Möglichkeiten, müsste kein einziger Mensch auf der Welt mehr hungerleiden. Aber das widerspricht den Profitinteressen des Kapitals. Die armen Menschen zu ernähren bringt nicht ausreichend Profit. Es werden nur in der EU jedes Jahr Tonnen an Nahrungsmittel vernichtet, da es wirtschaftlicher und profitabler ist, als mit diesen Nahrungsmitteln die Hungernden zu retten. Das komplette Welternährungsprogramm wird vom Großkapital und den kapitalistischen Ländern finanziert. „Die beteiligten Agrar- und Nahrungsmittelkonzerne bestimmen so mit, wofür öffentliche Gelder ausgegeben und wie Gesetze geschrieben werden.“ sagt Bernhard Walter, Ernährungsexperte von „Brot für die Welt“. Das internationale Finanzkapital geht für nur ein bisschen mehr Profit wortwörtlich über Leichen und schönt mit solchen fingierten Berichten die Wahrheit und lässt sich als Wohltäter feiern. Doch durch ihre egoistische, ausbeuterische und monopolistische Politik die sogar dazu führt, dass Wasser privatisiert und kaum erschwinglich wird, verursachen sie all die Hunderttausenden von Hungertoten und die Millionen ja sogar Milliarden von hungernden Menschen.

 

Sinan Beden