„Deutsche“ Interessen contra Umweltschutz

Das Ziel ist klar: Autos sollen umweltfreundlicher werden. Doch ist die Brüsseler Einigung im CO2-Streit wirklich ein Schritt in die richtige Richtung? Kritik kommt von allen Seiten.

 

Nach dem Willen der EU-Kommission sollen ab 2020 neue CO2-Verordnungen für Autos gelten. Als durchschnittlichen Grenzwert hat die Kommission 95 Gramm CO2 pro gefahrenen Kilometer vorgeschlagen. Laut Verkehrsclub Deutschland (VCD) will sich die Bundesregierung damit nicht abfinden. Die EU-Kommission will aber an den Plänen festhalten, notfalls auch gegen den Willen der Bundesregierung. Deutschland hofft dagegen offenbar auf einen Deal mit sogenannten Super Credits (siehe Kasten) ganz im Sinne der Autobauer und werde sich demnach voraussichtlich für eine Aufweichung stark machen. Dass diese Haltung an der kürzlich bekannt gewordenen Großspende der BMW-Eignerfamilie Quandt an die CDU liegt, liegt klar auf der Hand.

CO2-Bilanzen werden schön gerechnet

Die EU-Kommission hat dem deutschen Vorschlag nun vorab eine Abfuhr erteilt: „Wir bleiben bei dem Vorschlag“, sagte der Sprecher von Klimakommissarin Connie Hedegaard. Dies gelte auch dann, wenn Deutschland und andere Mitgliedstaaten sich für eine Änderung einsetzten, die es den Autoherstellern erlauben würde, mehr Wagen mit vergleichsweise hohem Ausstoß des klimaschädlichen CO2 zu bauen – wie sie etwa bei den deutschen Herstellern vom Band rollen. Derzeit stimmen sich die beteiligten Ministerien in Berlin untereinander ab, welche Position die Regierung zu dem EU-Vorschlag beziehen soll – und schlägt sich offenbar auf die Seite der Auto-Lobby. Dabei sei „ganz deutlich eine stärkere Anrechnung von Elektroautos“ und Plug-In-Hybriden erkennbar als im Kommissionsvorschlag, sagte VCD-Autoexperte Michael Müller-Görnert.

Die Anrechnung von Elektroautos über Super Credits bedeutet zugleich: je stärker die Elektroautos angerechnet werden, desto mehr schwere und durstige Karossen können die Hersteller bauen, ohne ihren Schnitt zu ruinieren. In den USA dürfen Elektroautos beispielsweise doppelt angerechnet werden. Auf diese Weise sinkt die theoretische Gesamtemission der Flotte. Super Credits sind zwar bereits im Vorschlag der EU-Kommission enthalten,  der Anrechnungsfaktor soll nach ihrem Willen aber lediglich 1,3 betragen. Zudem dürfte jeder Hersteller höchstens 20.000 Autos auf diese Weise anrechnen. Der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland  nennt die Super Credits einen „perfiden Trick, um die tatsächlichen CO2-Bilanzen der Hersteller schön zu rechnen“, wie es in einer Mitteilung heißt.

Pinar Aki

CO2-Bilanz der Autobauer

Supercredits sind Boni für schadstoffarme Fahrzeuge in der CO2-Bilanz der Autobauer. Jedes Auto, das weniger als 50 Gramm des Treibhausgases pro Kilometer ausstößt, zählt dabei in der Statistik gleich mehrfach. Das bedeutet aber auch, dass bei konventionellen Fahrzeugen weniger CO2 eingespart werden muss. Aktuell zählt jedes schadstoffarme Fahrzeug gleich 3,5-fach. Dieser Wert soll auf 1,3 im Jahr 2015 sinken. Von 2016 bis 2019 soll es dann keine Supercredits mehr geben. 2020 sollen die Boni laut jetzigem Verhandlungsergebnis wieder eingeführt werden. Die Hersteller dürfen emissionsarme Autos dann doppelt anrechnen, bis 2023 sinkt der Wert auf den Faktor eins. 2023 liefe die Regelung dann erneut aus.