Nahrungsknappheit durch Klimawandel

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Ezgi Güyildar

Die Klimaveränderungen und die damit verbundenen Konsequenzen drängen sich immer wieder auf die Tagesordnung. Das kapitalistische System brüstet sich damit, für eine nachhaltige Entwicklung zu sorgen. Doch dass dieses nicht einmal halbwegs ausreichend ist, zeigt uns ein durchgesickerter Bericht des Internationalen Klimarats. Dabei leiden vor allem die armen Teile der Weltbevölkerung am meisten: Der Klimawandel bringt die Versorgung der Welt mit Nahrungsmitteln noch mehr durcheinander, als das sowieso schon der Fall ist. Neu in dem Bericht ist vor allem die Schärfe, mit der die Forscher vor der Gefahr warnen. Dabei handele es sich bei dem Papier der UN-Organisation zwar noch nicht um die endgültige Fassung, aber den geheimen Daten zufolge, die erst im März veröffentlicht werden sollten, könne die globale Agrarproduktion in Zukunft bis zu zwei Prozent pro Jahrzehnt schrumpfen. Im gleichen Zeitraum soll die Weltbevölkerung nach UN-Schätzungen bis 2050 jeweils noch um weitere 14 Prozent anwachsen. In dem letzten veröffentlichten Bericht aus dem Jahr 2007 hatte der Klimarat noch die Hoffnung geäußert, dass landwirtschaftliche Verluste in den Tropen durch verbesserte Anbaubedingungen in kälteren Zonen ausgeglichen werden könnten. Doch mittlerweile sehe der Berichtsentwurf die Natur in Aufruhr. Die Pflanzen- und Tierwelt flüchte sich vor den steigenden Temperaturen in neue Lebensräume. Die Entwicklung werde das Ende vieler Arten bedeuten. Die landwirtschaftlichen Einbußen dürften die Preise hochtreiben und damit vor allem wieder die ärmeren Länder treffen.

Mehr Hungersnot in Afrika und Asien

Der Klimawandel mit seinen Folgen wird die Nahrungsgrundlagen in vielen Regionen verändern. Aufgrund veränderter klimatischer Bedingungen und Wasserknappheit werden in einigen Regionen bekannte und traditionelle Lebensmittel nicht mehr angebaut werden können. Die Bewohner dort werden entweder andere fremde Nahrungsmittel anbauen müssen oder den Preis für den Import der gewohnten Nahrung zahlen. Dramatischer als in Europa wirkt sich der Klimawandel nach den Recherchen auf andere Teile der Welt aus. Es sei sehr wahrscheinlich, dass sich Afrika im Laufe des 21. Jahrhunderts weiter erwärmen wird, heißt es in dem Bericht. In vielen Regionen Asiens und Afrikas könnten die Heftigkeit und Häufigkeit von Wetterextremen wie Hitzewellen, Überschwemmungen und Dürren zunehmen. Experten sind sich einig darin, dass die Armen dieser Welt, besonders Frauen und Kinder, am meisten unter den Auswirkungen des Klimawandels leiden werden. Da die Regenfälle immer unvorhersehbarer werden, ist es für Kleinbauern zunehmend schwerer, ausreichend Nahrungsmittel für sich und ihre Familien zu produzieren. Und wenn sich klimabedingte Naturkatastrophen häufen, wird es die Ärmsten am schwersten treffen. So drohen häufigere Naturkatastrophen, Hunger und Mangelernährung weltweit zu verschärfen.

Ezgi Güyildar