Ursachen der Piraterie in Somalia

Sinan Beden

Die Atalanta-Mission, eine Mission zur Bekämpfung von Piraterie in Afrika, begann im Jahre 2008, als die Piratenangriffe sich häuften. Die USA und 10 EU-Staaten schickten eine Flotte bestehend aus 21 Schiffen ans Horn von Afrika, um „die Piraten zu bekämpfen“. Finanziell wurde in diese Mission bis jetzt knapp eine halbe Milliarde Euro investiert. Doch auch die Wirtschaft hat massiven Schaden genommen. Laut einer Studie der Weltbank kosteten die Piratenangriffe bis jetzt 18 Milliarden Euro.  Von diesen 18 Milliarden Euro waren 413 Millionen Euro Lösegeld. Im Schnitt werden 2,7 Millionen Euro Lösegeld pro Überfall auf ein Schiff gezahlt.

Doch das Geld bleibt keinesfalls bei den Piraten. Der Hauptanteil der Beute geht an die Hinter- und Mittelsmänner. Weniger als 0,1% des erbeuteten Geldes bleibt bei den Piraten. Gewöhnliche Piraten erhalten nach einem Einsatz demnach 30.000 bis 50.000 Dollar. Dazu kommen Boni von bis zu 10.000 Dollar für den, der als erstes an Bord eines gekaperten Schiffes geht oder der seine eigene Leiter oder Waffen mitbringt. Von dem Geld, das die Piraten erhalten, wird anschließend noch eine Menge abgezogen. So wird Geld zum Beispiel fürs Essen abgezogen und für andere Lebensnotwendige Sachen. Drakonische Strafen sind auch an der Tagesordnung. Wenn die Crewmitglieder sich „schlecht Benehmen“ werden sie oft körperlich misshandelt. Befragte Piraten gaben an, dass sie oft nicht Aussteigen können, da die Kosten so  hoch sind, dass sie sonst verschuldet wären.

Das Geld selbst bleibt meist nicht mal in Somalia. Ein geringer Teil geht an örtliche relevante Personen wie Köche, Anwälte, Zuhälter, Dienstleister, die Falschgeld erkennen können und an Milizen, die die Häfen überwachen. Dann wird noch ein Anteil an die somalische Version Al-Qaidas, der Al-Shabab, gezahlt und der Rest geht überwiegend nach Kenia, Dschibuti und in die Vereinigten Arabischen Emirate, wo die Hintermänner sitzen. Diese sind meiste alte Militärs und Polizisten. Von dort aus fließt das durch Piratenüberfälle erpresste Lösegeld in weitere kriminelle Operationen, wie Waffen-, Menschen- und Drogenhandel.

Doch wie kam es dazu? Somalia hat bereits seit 20 Jahren, keinen funktionierenden Staat. Ein langer Bürgerkrieg, der immer wieder aufkeimt, hat das Land im Griff. Die Menschen, die dort von der Fischerei lebten, fangen keine Fische mehr und können ihre Familien nicht mehr ernähren. Da aufgrund der Überfischung, durch die großen Fischfangflotten, die für den europäischen und asiatischen Fischmarkt produzieren, nichts mehr für die an den Küsten lebenden Menschen übrig bleibt. Noch dazu kommt, dass die riesigen Schleppnetze die Ökosysteme auf dem Meeresgrund zerstören und sich so die Fischbestände nur langsam erholen.  Da aber die Fischerei die einzige Möglichkeit ist, sich und seine Familie zu ernähren greifen immer mehr Menschen zu Waffe und werden Piraten. Seit Jahren häufen sich auch Krankheiten, die durch Chemieabfälle ausgelöst werden. Schuld daran sind hauptsächlich die illegale Entsorgung von Müll im Meer und das gezielte Abladen von Chemieabfällen vor der somalischen Küste. Diese Entsorgung der Chemieabfälle wird meist von der italienischen Mafia organisiert und durchgeführt. So landet jedes Jahr Giftmüll aus ganz Europa an den Küsten Somalias. Die Ermittelungen der Polizei führten natürlich bis jetzt immer ins Leere.

Somalia befindet sich seit 1988 in einem Bürgerkrieg und hat weder eine Regierung noch irgendeine Form der Wirtschaft. Ein ausgebeutetes und ausgeblutetes Land, das sehr schwer haben wird von alleine auf die Beine zu kommen. Alle Staaten und vor allem westliche Staaten und Konzerne, müssen zu Verantwortung gezogen werden und für die Zerstörung Somalias bezahlen. Ein Fischereiverbot für die Fischfangflotten, wäre eine Möglichkeit, der Piraterie ein Ende zu bereiten.

Doch das Leben der somalischen Bürger und die Zukunft Somalias liegen nicht im Interessensbereich der USA und der EU. Das einzige, was diese „Schutztruppe“ am Horn von Afrika tut, ist, die Frachter der europäischen und US-amerikanischen Großkonzerne und die Fischereiflotten der Industrie zu schützen, die durch die Überfischung und Umweltverschmutzung  Verarmung und Piraterie erst auslösen.