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Gülcin Mengi

 

In Deutschland herrscht Ärztemangel – eine Tatsache, die häufig zu hören und auch bereits allgemein bekannt ist. Doch damit endet es nicht. Laut der neuesten Studie der Unternehmensberatung Roland Berger steigt der Mangel an medizinischem Personal weiter an. Grund hierfür seien unter anderem die schlechten Arbeitsbedingungen und die bürokratischen Zwänge innerhalb des medizinischen Sektors.

Nach Angaben der  Bundesärztekammer gab es im Dezember 2012 etwa 460.000 gemeldete Ärzte in der Bundesrepublik, wobei  ca. 110.000 von ihnen nicht als Arzt tätig sind. Somit übt jeder fünfte Medizinabsolvent seine Tätigkeit als Arzt nicht aus, weshalb es im eigentlichen Sinne nur 350.000 praktizierende Ärzte gibt.  Auf die gesamte Bevölkerung Deutschlands hochgerechnet, ergibt sich daraus, dass ein Arzt im Schnitt für die Behandlung von knapp 230.000 Menschen zuständig ist – Eine Zahl, die die knappen Sprechstunden, Visiten, Behandlungszeiten und Ähnliches, deutlich erklärt. Laut Berechnungen der Unternehmensberatung Roland Berger werden im Jahre 2015 etwa  175.000 Arbeitsplätze im medizinischen Bereich unbesetzt bleiben.

Doch was sind die Ursachen für dieses so hohe Defizit? Ohne Zweifel sind die schlechten Arbeitsbedingungen im medizinischen Bereich an erster Stelle zu nennen. Neben einer großen psychischen Belastung aufgrund der hohen Verantwortung und Zeitmangel, kommen beispielsweise 36-Stunden-Schichten hinzu, welche auch nur einen Teil der körperlichen Belastung widerspiegeln. Oft müssen sich Ärzte zwischen ihrer Familie und ihrem Beruf entscheiden.

Ein weiterer Faktor für den Ärztemangel in Deutschland ist die Auswanderung, welche sicherlich zum größten Teil aus den schlechten Arbeitsbedingungen resultiert. So verlässt  eine bemerkbare Menge an Medizinern die Bundesrepublik, da viele andere Länder weitaus bessere Arbeitsbedingungen versprechen, als Deutschland.                                                                                                                                       Seit 2005 werden bei den Ärztekammern die Daten bezüglich der Abwanderung von Ärzten ins Ausland erhoben. Im Ergebnis lässt sich feststellen, dass im Jahre 2012 insgesamt 2.241 ursprünglich in Deutschland tätige Ärztinnen und Ärzte ins Ausland abgewandert sind, wobei auch diese Zahlen einen steigenden Trend zeigen.

In Anbetracht dieser und viele weiterer Probleme des medizinischen Sektors, wird deutlich, dass die Gesundheitspolitik der Bundesregierung gänzlich umgewälzt werden muss. Denn unter den jetzt herrschenden Arbeitsbedingungen ist es nicht sehr verwunderlich, dass sich immer weniger Menschen dazu bereit erklären, im weiteren Sinne sogar opfern, um sich für die Gesundheit von fast 82 Mio. Menschen einzusetzen. Aktuell finden laut einer Umfrage mehr Schüler das BWL Studium interessanter und einladender, als das Medizinstudium.