Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

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Bundesverband der Migrantinnen fordert effektive Bekämpfung und das Recht auf freie Selbstbestimmung von Frauen

 Gewalt gegen Frauen stellt eine gravierende Menschenrechtsverletzung dar. Im Juni 2013 veröffentlichte die Weltgesundheitsorganisation WHO eine Studie zum „epidemischen Ausmaß der Brutalität gegen Frauen“. Immer mehr Frauen sind Opfer von Gewalt werden. Mehr als bisher vermutet. Es passiert in allen Ländern, allen Kulturen und allen Schichten. Die Studie zeigt auf, dass weltweit ca. 35 Prozent aller Frauen – also, jede dritte Frau (!)-  körperlicher Gewalt ausgesetzt sind, wie Ohrfeigen und das Werfen von Gegenständen und massiven Faustschlägen, Fußtritten, Würgen und Verbrennungen und Bedrohung mit vorgehaltenen Schusswaffen. Viele Frauen beugen sich der Gewaltsituation, verschleiern aus Angst oder Scham ihr körperliches oder seelisches Leid.

 

Deutschland: Rund 40.000 Frauen und Kinder fliehen jährlich vor Gewalt

In Deutschland ist mindestens jede dritte Frau von Gewalt betroffen. Dabei leben Frauen dort am gefährlichsten, wo sie sich am sichersten fühlen sollten: in ihrem häuslichen Umfeld. Jährlich fliehen etwa 40.000 Frauen mit ihren Kindern in Frauen-häuser. Doch nicht alle schutzsuchenden Frauen finden einen Zufluchtsort. 2011 konnten rund 9.000 Frauen von den Frauenhäusern nicht aufgenommen werden, weil diese schlichtweg überfüllt waren. Die politischen Verantwortlichen wehren sich bis heute gegen den Ausbau und der bedingungslosen Finanzierung von Schutzeinrichtungen.

 

Mindestens jede dritte Frau in Deutschland von Gewalt betroffen

Laut einer Studie des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend hat jede zweite bis dritte in Deutschland lebende Frau körperliche und jede siebte sexuelle Gewalt erlebt. Nur fünf Prozent der Vergewaltigungsopfer zeigen die Tat an! Frauen mit Migrationshintergrund sind mit 49% im Vergleich zu deutschen Frauen (40%) häufiger von körperlicher oder sexueller Gewalt betroffen.

Die stigmatisierenden Integrationsdebatten entlang ethnischer/religiöser Polarisierung von sozialen Problemen, das lange Festhalten an einem völkisch fundierten Staatsbürgerschaftsrecht und die restriktive Ausgestaltung des Asyl- und Ausländerrechts haben maßgeblich zur Ausgrenzung vieler Menschen mit Migrationshintergrund, zur Verschlechterung ihrer sozialen Lage beigetragen und die Bindungen an rückschrittliche und überkommene Traditionen und Wertevorstellungen befördert.

 

Rückschrittliche Vorstellungen und gesellschaftliche Unterordnung der Frau

Gewalt gegen Frauen hat ihre tieferen Wurzeln in der Einstellung der Gesellschaft zur Diskriminierung von Frauen. Autoritär-patriarchale Gesellschafts- und Herrschaftsstrukturen sowie die daraus resultierenden tradierten Rollenbilder bedingen die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern. Die Bekämpfung von Gewalt Welche Folgen diese Wirklichkeit für die Frauen haben kann, erinnert der  Fall einer jungen Frau aus Köln im Januar 2013, die Opfer von Vergewaltigung wurde. Zwei katholische Krankenhäuser weigerten sich, die junge Frau zu untersuchen und somit Spuren des Verbrechens zu sichern. Beide Krankenhäuser wiesen auch den Wunsch der jungen Frau ab, die „Pille danach“ zu verabreichen.  Mit der Verlängerung der Ehebestandszeit von 2 auf 3 Jahre im Ausländerrecht, agierte die Regierung im Jahr 2011 ein weiteres Mal als Täterhelfer für gewaltbetroffene Migrantinnen. Die Gesetzesänderung zwingt schutzsuchenden Migrantinnen, ein weiteres Jahr als bislang der Abhängigkeit und der Unterdrückung auszuharren.

 

Gewalt an Frauen ist keine Privatangelegenheit!

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen am 25. November 2013 fordert der Bundesverband der Migrantinnen in Deutschland in seiner Erklärung, die effektive Bekämpfung von Gewalt und jeglichen Formen der Diskriminierung von Frauen. „Dazu gehört die bedingungslose Finanzierung von Schutzeinrichtungen und die gesellschaftliche Ächtung von jeglicher Vorstellung und Politik, die Frauen einen minderwertige Stellung in der Gesellschaft rechtfertigen“, so der Verband.

 

Veranstaltungen zum Internationalen Tag „Nein zu Gewalt an Frauen!“

Im Rahmen der Aktionstage rund um den Internationalen Tag zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen beteiligen sich die Mitgliedergruppen des Bundesverbandes der Migrantinnen mit unterschiedlichen Veranstaltungen. Hier einige Veranstaltungshinweise:

 

Mannheim

Diskussion mit Safiye Yüksek Bicer, Rechtsanwältin, Sidar Demirdögen, Bundesverband der Migrantinnen in Deutschland e.V. und Anna Barbara Dell

Samstag, 30.November 2013

Uhrzeit: 19.00

Ort: Kulturcafé Filsbach, J6,1-2 69159 Mannheim

Dortmund

Lesung und Diskussionsveranstaltung mit Heike Wulf (Autorin) und Dr.Esma Cakir-Ceylan (Rechtsanwältin und Mitglied beim BV der Migrantinnen)

Samstag, 23.11.2013

Uhrzeit: 16.00

Ort: Dietrich-Keuning-Haus, Leopoldstr.50-58, 44147 Dortmund, 16.00

 

Frankfurt

Montag, 25.11.2013,

Infostand & Aktion

Uhrzeit: 17.00 Uhr

Ort: Brunnen auf der Zeil, Höhe Hasengasse

 

Göppingen

Montag, 25.11.2013

Kundgebung

Uhrzeit: 16.00

Ort: Marktplatz

 

Karlsruhe

Samstag, 24.November 2013

Gespräch und Diskussionsveranstaltung mit Asli Aydin Özdemir (Psychologin und Vorstandsmitglied des BV der Migrantinnen)