Der „gläserne Mensch“

Yankı Kaya
Wir befinden uns im digitalen Informationszeitalter, indem Menschen immer mehr zu ferngesteuerten Konsumrobotern werden.

562 Autoren aus 83 Ländern haben sich zusammengesetzt und die „Writers Against Mass Surveillance“ gegründet. Die Veröffentlichungen von Snowden waren der Hauptanlass für dieses globale Vernetzungstreffen und den Aufruf Widerstand gegen die Massenüberwachung zu leisten.

Beweggrund dieser Organisation ist der Konflikt zwischen dem Einzelnen als Individuum und der absoluten Macht über alle Bürger, also Staat und Konzerne, unter den neuen Bedingungen des Informationszeitalters.

Allerspätestens seit Mitte des Jahres ist allgemein bekannt, daß die Überwachung durch Regierungen keinerlei Grenzen mehr kennt. Die Kommunikation der Bürger über Telefon, Internet, E-Mail und andere Systeme wird massenhaft – sowohl in In- als auch im Ausland – beobachtet, mitgeschnitten und nach Stichworten durchsucht.
Diese Überwachung durchleuchtet uns, macht uns gläsern, während die Staaten und Konzerne im Geheimen hinter verschlossenen Türen operieren. Sollte genau dies nicht anders herum sein?

Wie wir gesehen haben, wird diese Macht systematisch ausgenutzt. Bei unangemeldeten Protesten sind komischerweise noch vor Beginn der Veranstaltung bereits Polizisten anwesend, an Flughäfen und Bahnhöfen wird man wie ein Terrorist behandelt und jede Suche auf Google führt zu speziellen Werbebannern je nach Suchwörtern. So ein Verhalten einer Regierung ist mit der allgemeinen Vorstellung der “freiheitlich-demokratischen Grundordnung” in einem Rechtsstaat nicht vereinbar. Unsere Daten sind kein öffentliches Eigentum: Sie gehören uns. Sie ohne unsere Erlaubnis zu verwenden ist Diebstahl! Doch vor allem verletzt man unsere Würde und somit uns als Individuen. Denn die Würde des Menschen geht über seine Körpergrenze hinaus. Wenn unsere Daten benutzt werden, um unser bspw. Konsumverhalten vorherzusagen und zu steuern, wird uns noch etwas anderes gestohlen: Der freie Wille.

“Ein Mensch unter Beobachtung ist niemals frei; und eine Gesellschaft unter ständiger Beobachtung ist keine Demokratie mehr. Deshalb müssen unsere demokratischen Grundrechte in der virtuellen Welt ebenso durchgesetzt werden wie in der realen.” so die Schriftsteller in ihrem Aufruf.
Alle Menschen haben das Recht, in ihren Gedanken und Privaträumen, in ihren Briefen und Gesprächen frei und unbeobachtet zu bleiben.
Wir erleben einen historischen Angriff auf die Demokratie, das Markenzeichen des Kapitalismus überhaupt. Die existentielle Freiheitsrechte sind inzwischen null und nichtig, weil Staaten und Konzerne die technologischen Entwicklungen massiv missbrauchen. Der Kapitalismus hat sein Ende erreicht und wirft alle Prinzipien über Bord, wenn sie dem Profitgier im Wege stehen.