Diskriminierung der Frau muss aufgehoben werden!

Isaf Gün *

Nationale und internationale Studien zeigen, dass jede zweite Frau am Arbeitsplatz schon einmal sexuell belästigt wurde. Die Weltarbeitsorganisation ILO geht davon aus, dass im Zuge der Weltwirtschaftskrise und der Ausbreitung von prekären Jobs das Diskriminierungsrisiko deutlich gestiegen ist. Der Grund: Frauen würden verstärkt schlechter bezahlte Jobs annehmen. Dort seien die Übergriffe häufiger und die Möglichkeiten zur Gegenwehr eingeschränkt. Gerade im Gesundheitswesen sei das Gewaltrisiko achtmal höher als im verarbeitenden Gewerbe. 70 Prozent aller Übergriffe auf Krankenschwestern werden allerdings nicht angezeigt.

Mann als Ernährer der Familie
Noch immer verdienen Frauen durchschnittlich 22 Prozent weniger als Männer. 1995 lag sie bei 21 Prozent. Und obwohl junge Frauen mittlerweile über bessere Schulabschlüsse verfügen als junge Männer, besteht schon beim Berufseinstieg eine Entgeltdifferenz von rund zwei Prozent. Und die wird mit den Erwerbsjahren immer größer. Von prekärer Beschäftigung und Niedriglöhnen sind Frauen überdurchschnittlich betroffen. Und auch Altersarmut trifft überwiegend Frauen. Dazu kommt, dass unzureichende Betreuungsangebote und Minijobs Frauen nach der Geburt ihrer Kinder in unsichere und schlecht bezahlte Jobs hineindrängen. Über 80 Prozent aller Teilzeitbeschäftigten sind aufgrund der familiären Verpflichtungen Frauen. Die Folge: Nur selten können Frauen mit ihrem Einkommen auf eigenen Beinen stehen, eine Familie ernähren oder gar eine angemessene Rente aufbauen.

Minijobs
Zwei Drittel aller Minijobs werden von Frauen ausgeübt. So werden sie in die Rolle der Hinzuverdienerin gedrängt, und der Mann bleibt – ganz traditionell – der Familienernährer. Doch für immer mehr Frauen ist der Minijob kein Zuverdienst, denn sie müssen die Familie alleine ernähren. Eine Brücke in reguläre Beschäftigung bieten Minijobs nur selten. Gerade einmal neun Prozent der Minijobberinnen gelingt der Wechsel in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis. In Wirklichkeit profitieren fast ausschließlich die Arbeitgeber. Das Gesetz legt zwar klar fest, dass Minijobber  nicht benachteiligt werden dürfen. Doch in der Realität ist genau das meist der Fall. Wenn sie krank sind, bekommen sie oft keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.  Ihre Schicht wird eben verschoben. Dafür muss eine andere Minijobberin kurzfristig einspringen. Bezahlter Urlaub oder Elternzeit? Genauso oft Fehlanzeige. 30 Prozent der befragten Betriebe geben an, den Minijobbenden keinen Urlaub zu gewähren. Bei 40 Prozent gibt es keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Von den Minijobbenden sagen sogar 65 Prozent, dass sie noch nie bezahlten Urlaub genommen haben.

Migrantenfrauen stärker betroffen
Migrantinnen sind von dieser Benachteiligung mehrfach betroffen –  als Frau und als Migrantin. Zur geschlechterspezifischen Diskriminierung kommt hier häufig die Diskriminierung von Migrantinnen hinzu. In Beschäftigungsverhältnissen, die ein hohes Qualifikationsprofil erfordern und ein sicheres Einkommen versprechen, sind Migrantinnen und Migranten stark unterrepräsentiert. Hingegen sind sie von Minijobs, befristeten Einstellungen und Leiharbeit verhältnismäßig häufiger  betroffen als ihre deutschen Kolleginnen und Kollegen. 7,5 Millionen Beschäftigte arbeiten in diesen Minijobs, oft zu Löhnen, die zum Leben nicht ausreichen. Das sind fast 20 Prozent aller Arbeiter in Deutschland.

* Gewerkschaftssekretärin IG Metall und Vorstandsmitglied im Bundesverband der Migrantinnen