Textilarbeiter in Kambodscha streiken gegen Hungerlöhne

Eine Jeanshose für 10 Euro, ein T– Shirt für 5 Euro – die Discounter konkurrieren mit ihrer Billigware und machen dennoch Profit. Wie kann das möglich sein? Denn bei diesen Preisen ist auf jeden Fall etwas faul! Aber auch bei teurer Kleidung wird selten fair produziert.
Viele namenhafte Marken wie H&M, GAP, Levi’s, Zara, Adidas und Puma lassen ihre Ware in armen Ländern produzieren, wo Arbeiter für Hungerlöhne unter brutalsten Bedingungen schuften.
So auch in Kambodscha, wo in der Textilindustrie vorwiegend Frauen eingesetzt werden.
Junge Mädchen im Alter von 13 oder 14 Jahren müssen an Wochentagen Schichten von 13 Stunden durchstehen, um dann noch samstags für 8 Stunden in die Fabrik zu gehen.
Bei der Herstellung von Textilien wird auch hier vor der Kinderarbeit nicht Halt gemacht.
Das Lohnniveau in Kambodscha ist derzeit sogar niedriger als in China oder Thailand.
Bei Wochenarbeitszeiten von 80 Stunden werden die Arbeiterinnen innerhalb weniger Monate buchstäblich verheizt. Sie arbeiten unter extrem schlechten Bedingungen. Die Fabriken sind unsicher gebaut, die Nähmaschinen sind im schlechten Zustand und die Sanitäranlagen sind miserabel. Es fehlt sogar an Trinkwasser.
Die Arbeiterinnen müssen mit ihrem dürftigen Einkommen ihre komplette Familie unterstützen, obwohl der Lohn nicht einmal für eine ausreichende Ernährung reicht und das brauchen die Frauen bei ihrer harten körperlichen Arbeit. Ständig sitzt ihnen die Angst im Nacken, denn kommt es zu einem Arbeitsausfall, bedingt durch Krankheit oder familiäre Verpflichtungen, droht die sofortige Entlassung.

Streik für menschenwürdige Bedingungen
In Kambodscha protestierten nun tausende Textilarbeiter seit Wochen für einen menschenwürdigen Mindestlohn. Nach Gewerkschaftsangaben streikten die meisten der 600.000 Arbeiter, größten Teils Frauen, für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne.
Die Arbeiterinnen verlangten einen Mindestlohn von 116 Euro im Monat, derzeit erhalten sie gerade mal die Hälfte davon. Die Gewerkschaften lehnten das Angebot von der Regierung, einer 20-prozentigen Erhöhung ab.
Die angedachte Erhöhung im April 2014 von 58 Euro auf ca.70 Euro löste die Massenproteste aus. Für einen angemessenen Mindestlohn stuften die Gewerkschaften diesen Betrag zu niedrig ein.
Bei den Demonstrationen der Streikenden kam es zum massiven Gewalteinsatz der Militärpolizei. Diese schreckte nicht davor zurück, die demonstrierenden Menschen brutal niederzuknüppeln und mit Waffengewalt gegen sie vorzugehen. Dabei wurden fünf Menschen erschossen, zahlreiche verletzt und inhaftiert. Viele der Textilarbeiter beteiligten sich auch an Protesten gegen die Regierung und forderten den Rücktritt von Ministerpräsident Hun Sen. Die Entschlossenheit der Arbeiter und die Größe des Streiks hat  Hun Sens Regime erschüttert.

Verhandlungen gehen weiter
Die brutale Polizeigewalt beendete vorerst die wochenlangen Streiks, obwohl die Forderungen der Beschäftigten nicht erfüllt wurden. Dennoch sollen die Verhandlungen mit den Fabriken und der Regierung weitergehen.
Durch weitere Streiks befürchten die Arbeitgeber und die Regierung Produktionseinbußen. Aufträge könnten in andere Länder verlegt werden und Firmen abwandern. Die bisher erwirtschafteten Gewinne könnten den geforderten Mindestlohn jedoch ohne weiteres finanzieren. Zuletzt hat Kambodscha Kleidung im Wert von mehr als 3 Milliarden Euro exportiert.
Dennoch sieht sich die westliche Textilindustrie nach wie vor nicht in der Verantwortung Druck auf die Regierungen auszuüben, um sich für menschenwürdige Standards einzusetzen. Denn der Textilindustrie geht es ja gerade um möglichst hohe Gewinne, durch möglichst niedrige Kosten. Dass dabei Menschenleben auf dem Spiel stehen, wird billigend in Kauf genommen.
Die aktuelle Situation in Kambodscha erinnert an die Tragödie in Bangladesch im vergangenen Jahr. Ende April kamen 1100 Arbeiterinnen, bei einem Einsturz eines illegal erweiterten Fabrikgebäudes ums Leben. Diese Katastrophe brachte die unerträglichen Arbeitsbedingungen in der Textilbranche in den Blickpunkt einer weltweiten Öffentlichkeit.
Auch hier in Deutschland erheben sich die Stimmen durch verschiedene Solidaritätsaktionen gegen die menschenverachtenden Arbeitsbedingungen in den Billiglohnländern.

Ceyda Tutan