Vor dem Tod geflüchtet – mit dem Tod konfrontiert

Die Zahl der Asylbewerber in Deutschland hat im vergangenen Jahr einen „Rekordwert“ von rund 127.000 Anträgen erreicht – eine Zahl die zuletzt vor 14 Jahren registriert wurde.
Diese Anträge stammen hauptsächlich von Flüchtlingen aus Krisengebieten wie Afghanistan, Iran, Kosovo, Russland, Somalia und Syrien.
Mit dem Anstieg der Flüchtlingszahl in Deutschland, steigt jedoch auch die rechtsradikale Hetze gegen die betroffenen Hilfesuchenden. So tauchen in sozialen Netzwerken oder auf Straßenplakaten immer mehr Parolen wie ,,Mehr Rente für die Oma, statt für Sinti und Roma‘‘ oder ,,von Beruf Asylant‘‘ auf. Parteien und Organisationen nutzen die Situation der Flüchtlingszunahme aus, um ausländerfeindliches Gedankengut zu verbreiten.

Asylbewerberheim unter Brand gesetzt
Dass sich diese Ausländerfeindlichkeit in rechtsradikalen Taten äußert, zeigte sich am achten Januar in Bayern. So wurde in der bayerischen Stadt Germering, das dort am Ortsrand befindliche Asylbewerberheim unter Brand gesetzt. Die derzeit dort lebenden 65 Menschen, davon neun Kinder und Jugendliche unter achtzehn Jahren, konnten das Gebäude rechtzeitig verlassen, so dass keiner ernsthaft verletzt werden konnte. Im Anschluss konnte das Feuer auch unter Kontrolle gebracht werden, sodass sich die aktuell berechneten erheblichen Sachbeschädigungen des Heims auf etwa 200.000 Euro belaufen.
Laut ersten Ermittlungen der Polizei ist deutlich davon auszugehen, dass das Feuer vorsätzlich gelegt worden sei, wobei der Beweggrund für diese Tat noch untersucht werden müsse. Gefahndet wird aktuell nach einem jungen Mann, der kurz vor Ausbruch des Feuers um ca. drei Uhr früh in unmittelbarer Nähe des Asylheims gesichtet worden sei.
Politiker, die sich zu dem Fall äußerten, erwähnten größtenteils nur, dass man von Glück sprechen könne, dass sich keiner eine Verletzung zugezogen habe. Über die Ursache des Vorfalls wird, wie nicht selten, geschwiegen.
Der Fall Germering bestätigt die wachsende Fremdenfeindlichkeit in Deutschland. Das Beispiel der NSU Mordserie und nun auch dieser jüngste Fall der Brandstiftung an einem Asylbewerberheim zeigen, dass es schon längst überfällig ist, gegen rassistisch und rechtsextremistisch geprägtes Gedankengut vorzugehen. Wie lange die Medien in ihrer Berichterstattung diese Hintergründe verheimlichen oder wie lange die Bundesregierung über diese schweigen und ein ,,friedliches multikulti Deutschland‘‘ vortäuschen wird, wird sich mit der Zeit zeigen.

Gülcin Mengi