Erneut Einigkeit schaffen

 

Ich habe in „Yeni Hayat“ gelesen, dass der Deutsche Paket Dienst (DPD) in Köln neue Geräte eingeführt hat und deshalb die Monatsarbeitsstunden von 169 auf 130 Stunden gekürzt werden sollten. Im DPD-Lager 147 in Duisburg werden zur Zeit auch neue digitale Scanner eingeführt. Wir werden wahrscheinlich die gleichen Probleme bekommen, wie die Arbeiter in Köln. Im Moment sind wir verunsichert. Wenn wir den Betriebsrat fragen, wie diese Geräte unsere Arbeitsbedingungen beeinflussen könnten, bekommen wir nur die Antwort, dass keinem gekündigt wird. Wir dachten zuerst gar nicht an die Möglichkeit von Kündigungen, aber als der Betriebsrat es ausdrücklich sagte, stimmte uns das nachdenklich.

Unser Vertreter oder die des Arbeitgebers?!

Unter normalen Umständen sollten die Arbeiter dem Betriebsrat (BR) vertrauen können. Aber in unserem Lager 147 ist die Situation nicht normal. Denn der Betriebsratsvorsitzende hat zugleich auch die Leitungsposition. Auch die meisten anderen Betriebsratsmitglieder sind in einer leitenden Position und geben uns gar keine Antwort. Ich denke, dass der Betriebsrat – unser angeblicher Vertreter – noch behutsam vorgeht, weil unter anderem ein Gerichtsverfahren läuft. Denn vor einiger Zeit waren die BR-Wahlen und bei diesen Wahlen gab es Unstimmigkeiten, weshalb einige Kollegen vor Gericht zogen. Im Februar wird die Gerichtsverhandlung beginnen. Mit großer Wahrscheinlichkeit wollen sie nicht auf noch mehr Widerstand seitens der Arbeiter stoßen und halten sich noch bedeckt.

Die Kranken werden unter Druck gesetzt

Die Vorgesetzten betreiben eine harte Methode. Zum Beispiel rufen sie bei Krankmeldungen zu Hause an, wünschen „gute Besserung“ und fragen die Arbeiter aus. Unter normalen Bedingungen dürfen die Vorgesetzten nicht zu Hause anzurufen. Aber wie ich schon vorher sagte, sind bei uns im Lager die Bedingungen leider nicht normal und die Chefs handeln, wie sie wollen: die Arbeiter mit einem Krankenschein werden geradezu belästigt. Manche Kollegen kamen sogar oft aus Angst trotz Krankheit zur Arbeit. Sogar ein Kollege, der mal einen Gipsarm trug, kam arbeiten. Trotzdem ging das Geschwätz der Chefs weiter. Nach der Wiederaufnahme der Arbeit werden die Kollegen vom BR-Vorsitzenden zu einem Gespräch zitiert, der sich vom Gespräch mit dem Vorgesetzten in Nichts unterscheidet. Die meisten Kollegen können das nicht verstehen. Führen sie das Gespräch mit uns als BR oder als Vertreter des Arbeitgebers? Wie sollen die Arbeiter diesen Personen ihre Probleme erzählen, wie sollen sie ihnen vertrauen? Seit wann ist es die Aufgabe eines Betriebsrates, einen Arbeiter, der mit einem Gipsarm zur Arbeit kommt, ins Zimmer zu holen, um ihn zu verhören, statt ihn nach Hause zu schicken?!

Freiwillige Kündigungen haben begonnen

Im Moment hat die Leitung der Firma die freiwilligen Kündigungen zur Tagesordnung gemacht. Wegen den zuvor erwähnten Gründen haben bereits zehn Kollegen gekündigt und eine Abfindung bekommen. Finden die Kollegen, die gekündigt haben in Duisburg, wo die Arbeitslosigkeit hoch ist, noch eine geregelte Arbeit? Ich meine nicht. Ich denke, dass sie nur Arbeit bei Händlern finden werden, die sie wie Sklaven an Firmen vermieten wollen.
Aber wir wissen, dass es neben den „freiwilligen Kündigungen“, auch Kündigungen wegen den neu eingeführten Geräten geben wird. Allerdings fällt ein erheblicher Teil der Kollegen auf die Aussagen des Betriebsrates herein. Wenn in kommender Zeit Kündigungen anstehen, werden die Kollegen besser verstehen, was wir meinen.

Wir haben um den Erhalt unserer Arbeit gekämpft!

Wir wollen nicht vergessen, dass wir bereits schon mal erfolgreich gekämpft haben, als wir an eine Leihfirma übertragen werden sollten und es verhindern konnten. Auch den Betriebsrat hatten wir damals hart erkämpft. Aus diesem Grund macht es manchmal Sinn, zurückzuschauen und zu fragen: Wie haben wir das gemacht und wie kamen wir zu diesem Erfolg? Leider sind wir heute davon noch weit entfernt. Aber wir haben die Hoffnung nicht aufgegeben, wir können unseren Zusammenhalt erneut erschaffen. Mittels „Yeni Hayat“ versuchen wir, die Kollegen in Köln kennenzulernen und Kontakt aufzubauen. Wegen dem veröffentlichten Bericht wird die Geschäftsführung des DPD in allen Lagern auf ähnliche Weise den Druck erhöhen und wird Wege suchen, mit weniger Arbeitern mehr Arbeit herauszuholen. Aber sie werden es nicht schaffen, wenn auch wir gemeinsam vorgehen, gemeinsam kämpfen.

Ein Arbeiter aus Duisburg vom DPD Lager 147