Keine „Kisses“ für Kissinger

Der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger soll mit einem Lehrstuhl an der Bonner Universität geehrt werden und noch dieses Jahr soll eine „Henry-Kissinger-Professur“ eingerichtet werden. Genauer gesagt handelt es sich um einen Völkerrechtslehrstuhl, der vom deutschen Verteidigungsministerium finanziert wird. Frau von der Leyen ist offenbar bereit, ganze 250.000 Euro jährlich für diesen Lehrstuhl auszugeben. In der Vergangenheit war das Bundesverteidigungsministerium bereits mit anderen Hochschulen in Kooperation. Zum Beispiel ging eine Million Euro an die Leibniz Universität in Hannover oder 223.000 Euro an die Sporthochschule Köln für Forschung und Entwicklung im Sinne der „Kriegskunst“. Doch noch nie zuvor hat das Ministerium einen Lehrstuhl gesponsert. Für großes Aufsehen sorgt darüber hinaus eher die Namensgebung. Dass ein Lehrstuhl für Völkerrechte nach einem vermeintlichen Kriegs- und Menschenrechtsverbrecher benannt werden soll, erscheint höchst paradox und absurd. Das meinen auch Studierende an der Bonner Universität und versuchen dieses Projekt zu verhindern. In diesem Zusammenhang ist das provokative Bild der Grüne Hochschulgruppe Bonn „KISSinger MY ASS!“ bekannt geworden. Auch der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Uni Bonn spricht sich gegen die geplante Stiftungsprofessur aus und hält sie für eine „unzulässige Einmischung in die zivile Hochschullandschaft“.

Wenn irgendwo von Henry Kissinger die Rede ist, dann geht es meist auch um grausame Verbrechen an der Menschheit: Seine Unterstützung beim Militärputsch in Chile 1973, bei den Bombardements von Kambodscha und Laos während des Vietnamkriegs oder beim indonesischen Überfall auf Osttimor in 1975. Und gerade dieser Person soll nun eine Ehrenprofessur zukommen?

Währenddessen hält sich der Bonner Stadtrat aus der Angelegenheit heraus und rührt trotz Anträgen und Kritik von Seiten der Linkspartei und der Grünen keinen Finger. Mittlerweile hat sich der Unmut vergrößert, sodass sich mehrere Hochschulgruppen, unter anderem mit der Hilfe von der Linken, zu einer „Bonner Initiative gegen die Henry-Kissinger-Professur“ zusammengeschlossen haben. Die Initiative hat ihre Agenda noch nicht aufgegeben. Sie organisiert derzeit unter anderem eine Veranstaltungsreihe, um über die nicht so glänzenden Errungenschaften des Herrn Kissinger aufzuklären.

Aylin Melis Ayyildiz