Rente? Was ist das?

Die neue  Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) prescht mit einem neuen Gesetzesentwurf vor. Viel Kritik haben die „alten“ neoliberalen Köpfe von der SPD um Müntefering und Co. einstecken müssen, als dieser damals mit der Rente-67 um die Ecke kam. Die jungen Neoliberalen der Sozialdemokraten, wie Arbeitsministerin Nahles, erachten es nun für  notwendig, etwaige Schönheitskorrekturen an dieser Reform vorzunehmen.

Wenn es nach dem Willen der Arbeitsministerin gehen soll, sollen die Abhängigbeschäftigten auch mit 63 Jahren in die Rente gehen können. Voraussetzung ist allerdings, dass diese 45 Jahre lang voll in die Kasse eingezahlt haben müssen, was bei den meisten eher unmöglich sein wird.

 

Altersarmut zu übertrieben?

Das Wirtschaftsministerium aber bezeichnet den Standpunkt, dass es eine Altersarmut gebe und diese sich in den nächsten Jahren verschärfen werde, als eine Übertreibung und „emotionsbesetzt“. So stellt das Ministerium fest, dass Altersarmut zur aktuellen Stunde nicht weit verbreitet sei und auch trotz Senkung des Rentenniveaus würde er in Zukunft nicht wesentlich größer werden. Das Ministerium bemängelt dabei „nur“ die „unzureichende Erwerbsbiographien“ der Antragsteller. Zur Zeit gilt jeder Siebte als gefährdet, wobei Frauen etwas mehr betroffen sind als Männer. Aktuell beanspruchen 2,6 Prozent der über 65-jährigen die Grundsicherung. Jedoch ist auch bekannt, dass viele dieser  Altersgruppe die Grundsicherung aus Schamgefühl nicht in Anspruch nehmen.  Derzeit bekommt ein Rentner 1005 € im Westen der Republik.

Diejenigen, die jetzt erst den Antrag stellen und im Anschluss in Rente gehen, werden eine monatliche Rente in Höhe von 898 € erhalten.  Bei den Frauen ist die Situation dieselbe, nur auf einer noch niedrigeren Ebene. Die aktuellen Renterinnen erhalten 508 € und die zukünftigen werden 493 € monatlich erhalten. Zu beachten sind bei diesen Zahlen, dass es sich lediglich um Durchschnittszahlen handelt. Viele Rentnerinnen und Rentner  erhalten Renten, die weit unter diesen Beträgen liegen und  eher auf dem Niveau der Grundsicherung sind. Die Folge daraus ist, dass die Menschen, trotz des hohen Alters, weiter arbeiten müssen. Daher üben rund 800.000 über 65-Jährige einen Minijob aus. 120.000 von ihnen sind sogar 75 und älter. Dieser Zustand ist allerdings eine Spirale nach unten und wird sich in Zukunft noch mehr  verschärfen, da die Menschen immer älter und die Arbeitsplätze  immer  mehr abgebaut werden.

 

Die Ursachen

Die eigentliche Utopie ist nicht der Versuch, die Altersarmut tatsächlich zu bekämpfen, sondern die Vorstellung,  dass durch die Maßnahmen von Frau Nahles  es für die Rentner in diesem Lande tatsächlich besser wird. In Anbetracht des sich immer weiter aufblähenden Niedriglohnsektors und dem Monopol der Leiharbeitsfirmen ist es unmöglich, 45 Jahre voll in die Rentenkasse einzuzahlen.  Mal von der Dauer der Beitragsjahre abgesehen, entwickelt sich eine Generation, die trotz Arbeit ihren Unterhalt nicht finanzieren kann. Wie sollen da überhaupt Beiträge geleistet werden? Das Rentenproblem ist also nicht primär ein Problem des „demographischen Wandels“, sondern ein Problem der gesellschaftlichen Verteilungsverhältnisse.

Onur Kodas