Vollbeschäftigte sind Niedrigverdiener

Wenn man an Armut denkt, verbindet man es mit Arbeitslosigkeit, Bildungsmangel oder Verschuldung. Das 1,4 Millionen Menschen in Deutschland arm sind trotz Arbeit, kommt einem eher komisch als reine Wahrheit vor. Über 350.000 Vollbeschäftigte verdienen nicht genug, um ihren Lebensunterhalt ohne Unterstützung bestreiten zu können, viele darunter üben „qualifizierte“ Arbeit aus. Am Ende droht den arbeitenden Armen ihres Arbeitslebens, Altersarmut. Rund 4,1 Millionen Beschäftigte verdienen weniger als 1926 Euro Brutto im Monat. Rund jeder Fünfte der knapp 20 Millionen Vollbeschäftigten bundesweit liegt damit nur knapp über der Armutsgrenze (Stand 2012).

Wie können solche Umstände in Deutschland herrschen? Deutschland hat den zweitgrößten Niedriglohnsektor in Europa. Die Lohnungleichheit hat seit 1990 stetig zugenommen. Einer Untersuchung zufolge, haben die Hartz- Gesetze diese Beschäftigungsentwicklung gefördert. Die Unternehmen profitieren von den flexiblen Beschäftigungsregeln. Die Kündigungsschutzregeln wurden gelockert und neue Möglichkeiten für befristete Arbeitsverhältnisse wurden geschaffen. Die Arbeitslosenstatistik wurde korrigiert, doch heutzutage muss man einen Job haben und trotzdem bangen, um seinen Lebensunterhalt bezahlen zu können. Und der Lebensunterhalt wird teurer. Umso wichtiger ist es, in Deutschland einen Mindestlohn einzuführen. Zurzeit sind Union und SPD einem Kompromiss beim Mindestlohn eingegangen und er könnte am 1. Januar 2015 eingeführt werden. Leider mit dem Zusatz, dass der Kompromissvorschlag zudem vorsehe, dass für eine festgelegte Übergangszeit bis voraussichtlich 2017 auf der Grundlage bestimmter Tarifverträge auch geringere Löhne möglich wären. Man muss von seiner Arbeit Leben können. Mit einer Hinhaltetaktik mit einem Mindestlohnvorschlag, wie wir ihn von der Großen Koalition haben, ist niemandem geholfen, außer den Konzernen.

Alican Ince