Arbeiter stürmen Regierungsgebäude in Bosnien

Sinan Beden

In Bosnien und Herzegowina gingen tausende Menschen auf die Straßen, um für ein menschenwürdiges Leben zu demonstrieren. Sie protestieren gegen die Armut der Bevölkerung und die Korruption der Politiker im Land. Sie fordern den Rücktritt der Regierung. Zur Mobilisierung wurden überwiegend soziale Netzwerke benutzt. Unter dem Motto „50000 Menschen auf die Straßen für ein besseres Morgen“ wurde zum Kampf aufgerufen. In vielen Städten verloren die Sicherheitskräfte die Kontrolle. In der Hauptstadt Sarajevo wurde ein Regierungsgebäude in Brand gesetzt. An den Folgetagen dehnten sich die Demonstrationen auf Bihac, Prijedor und weitere Städte aus. Über 7000 Menschen blockierten in der Hauptstadt die Straßen und riefen vor der Kantonsverwaltung „Diebe, Diebe“, es gelang ihnen, in das Gebäude einzudringen. Die Polizei trat mit äußerster Härte gegen die Demonstranten auf. Sie knüppelten sie nieder und setzten massiv Tränengas ein. Bereits am Vorabend waren bei Protesten in der Innenstadt 130 Menschen verletzt worden.

Die Regierung reagierte, traf sich umgehend und beschloss, dass die Polizeieinheiten in den unruhigen Regionen verstärkt werden sollen. Über die Forderungen und die miserable Situation des Volkes und den Inhalt der Proteste wurde überhaupt nicht diskutiert. Der eigentliche Auslöser dieser Proteste waren Beschäftigte von fünf pleite gegangenen Unternehmen in der nordöstlich gelegenen Stadt Tuzla. Sie zogen vor das Regierungsgebäude und forderten staatliche Hilfen. Schnell schlossen sich den Arbeitern Studenten, Schüler und Rentner an, die sich solidarisierten und auch für ein besseres Leben demonstrierten.

So sind in der Region 100000 Menschen arbeitslos, während lediglich 80000 eine geregelte Arbeit haben. Vor allem junge Menschen sind von Armut und Arbeitslosigkeit betroffen.