EU–Agrarreform dient nur den Großbetrieben

Ceyda Tutan

 

Eine neue EU–Agrarreform wurde verabschiedet. Die 400 Milliarden Euro werden innerhalb der EU bis zum Jahr 2020 neu verteilt. Doch wer profitiert von dieser Reform? Vordergründig scheint diese neue Reform die Kleinbauern zu unterstützen, doch bei genauerem Betrachten haben auch hier die Großbetriebe die Nase vorn.

Die Reform soll unter anderem dafür sorgen, dass EU-Zahlungen an die Bauern – die Direktzahlungen – stärker an Umweltauflagen gekoppelt werden. Das bedeutet, dass zukünftig 5 Prozent der Ackerfläche der Natur überlassen werden soll. Für Kleinbauern ist dieser Verzicht unmöglich. Sie brauchen diese Fläche für die Futterproduktion, aber auch zum Ausbringen der Gülle. Wer mehr Fläche besitzt, wie die Großbetriebe, kann diese Umweltauflagen erfüllen und auch die Direktzahlungen einkassieren.

 

Massenproduktion führt zu Umweltschäden

Weltweit sind die Folgen der agrarindustriellen Massenproduktion für Bauern, Verbraucher, Tiere und Umwelt dramatisch. Die Kleinbauern fürchten um ihre Existenz. Sie bekommen keine fairen Preise für ihre Erzeugnisse und werden von der Agrarindustrie verdrängt. Gülle verseucht die Böden und das Trinkwasser. Nicht zuletzt arbeiten Menschen in Schlachthöfen zu Dumpinglöhnen unter schlechten Bedingungen. Es werden Megaställe gebaut, die Anwohner, Regionen und Umwelt belasten. Die Tiere werden auf viel zu engem Raum gehalten.

Wegen der Massentierhaltung, möglichst schnellst eine maximale Menge an Fleisch, Milch und Eiern zu produzieren und wegen dem massenhaften Einsatz von Antibiotika, Hormonen, Beruhigungsmitteln und Konservierungsstoffen, die den Tieren verabreicht werden, wächst zunehmend die Gefahr für den Endverbraucher. Die Folgen sind Lebensmittelerkrankungen, Allergien und andere Unverträglichkeiten.

 

Wer kann sich noch Qualität leisten?

Natürlich will der Endverbraucher beim Lebensmitteleinkauf auf bessere Qualität achten, aber dies ist den Besserverdienern vorbehalten. Ein Hartz 4 Empfänger oder ein Geringverdiener kann es sich nicht leisten, die guten Produkte direkt von einem Hofladen zu kaufen.

Die industrielle Landwirtschaft erzeugt dagegen reichlich billige Nahrung.

Die EU ist der wichtigste Exporteur und Importeur von Lebensmitteln auf dem Weltmarkt. Die deutsche Landwirtschaft erobert den Weltmarkt und exportiert Fleisch und Milch aus der Massentierhaltung in alle Welt, mit der Konsequenz, dort die Preise soweit zu drücken, dass die einheimischen Bauern ihre Höfe schließen müssen, da sie gegen die EU-subventionierten Preise nicht ankommen.

Nach den USA expotiert Deutschland die meisten Lebensmittel in die Entwicklungsländer. Das verhindert dort wiederum eine landwirtschaftliche Entwicklung und die Kleinbauern, die ums Überleben kämpfen werden nieder konkurriert.

 

TTIP wird Konkurrenz vertiefen

Das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und der USA wird nicht nur zu gentechnisch veränderten Lebensmitteln führen. Das Freihandelsabkommen dient den Interessen der Konzerne. Für sie zählt nur Profit, Umsatz und Gewinn auf Kosten der Bauern und der Menschen weltweit.

Einige wenige große Konzerne werden in Zukunft über das Saatgut bestimmen, was die Grundlage der Landwirtschaft und Ernährung ist. Ob genmanipuliert oder nicht, sie wollen darüber bestimmen, was in Zukunft auf den Äckern angebaut wird und zu welchen Preisen. Dagegen haben sich nun über 100 Bauern-, Verbraucher-, Umwelt- und Tierschutzorganisationen zusammengeschlossen. Sie fordern unter anderem faire Preise und Marktregeln für die Bauern, gesundes und bezahlbares Essen für alle und von der Bundesregierung eine Wende in der Agrarpolitik.