Opelarbeiter stellen sich gegen die Schließung

Die von der IG Metall organisierte Demonstration für den „Sozialtarifvertrag“ entwickelte sich gegen diesen. Neben den über 1000 Opelanern nahmen an der Demonstration Delegationen von Johnson Controls, Thyssen-Krupp Duisburg, Bosch Rexrodt, Auguste Victoria Bergwerk, Daimler Stuttgart und Ford Köln teil. Die Arbeiter kritisierten die Haltung der IG Metall und ließen den Konzernvertreter nicht zu Wort kommen. Im weiteren Verlauf der Demonstration errichtete eine Gruppe von ca. 250 Menschen eine Straßenblockade.

Die IG Metall-Bezirksleitung ist immer noch der Meinung, dass die Schließung die beste Lösung sei und zusammen mit dem Betriebsrat Opel Bochum rufen sie dazu auf, schnellstmöglich mit den Sozialtarifvertragsverhandlungen zu beginnen.

Jegliche Versuche, die Beschäftigten für die Schließung zu gewinnen, haben jedoch nicht gefruchtet. Eine nicht zu verachtende Menge an Arbeitern wählte den Weg des Kampfes.

 

„Opelaner brauchen Zukunft“

Unter dem Aufruf „Opelaner brauchen Zukunft“ organisierte die IG Metall-NRW am 24. März eine Protestaktion. Dieser Aufruf hatte kein klares Ziel. Wofür oder wogegen protestiert werden sollte, wurde im Dunkeln gelassen. Dieser Umstand charakterisiert auch die Haltung der IG Metall Führung und die Mehrzahl der Betriebsratsmitglieder (BR). Während die Arbeiter um ihre Arbeitsplätze kämpfen wollen, versucht die IG Metall und die Mehrzahl des BR die Beschäftigten von der Schließung zu überzeugen.

Der IG Metall-Bezirksleiter Knut Giesler begann seine Rede mit den Worten „Eure Geduld ist am Ende – meine auch“. Im weiteren Verlauf seiner Rede versprach Giesler hohe Abfindungen und sagte, die Transfergesellschaft biete bis Ende 2016 Schutz vor Arbeitslosigkeit. Außerdem sichere die Altersbrücke allen Arbeitern bis Jahrgang 1959 ein Einkommen von 80 Prozent des letzten Nettogehaltes bis zur Rente. Die Rede von Giesler wurde mit kritischen Pfiffen und Zwischenrufen begleitet.

Eine noch umstrittenere Rede hielt der Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel. Er sagte, Opel sei pleite und ohne eine finanzielle Spritze von General Motors würde das Unternehmen nicht weiter bestehen können. Die Voraussetzung für eine Subvention sei jedoch die Schließung des Bochumer Werkes. Er fügte hinzu, dass lange für den Erhalt gekämpft wurde, mittlerweile aber die Belegschaft immer weiter geschrumpft sei und die übriggebliebenen des Kampfes müde seien. Die Antwort der Belegschaft darauf war: „Das ist eine Lüge! Du bist des Kampfes müde geworden, nicht wir!“.

 

„Nicht persönlich nehmen. Ihr seid gute Arbeiter“

Nachdem die Protestrufe immer lauter wurden, gab Einenkel das Wort an Personalvorstand Ulrich Schumacher weiter. Schumacher begann seine Rede mit, „Ihr dürft die Schließung nicht persönlich nehmen. Das hat nichts mit euch zu tun. Die Bochumer Opelaner haben bisher wunderbare Autos produziert“. Er versuchte noch, den Erhalt von 265 Arbeitsplätzen bei den Ersatzteilen hoch zu loben, musste jedoch wegen den Pfiffen und Protestrufen seine Rede abbrechen.

 

Das letzte Wort haben die Arbeiter

Daraufhin erklärte die IG Metall die Protestaktion für beendet. Kämpferische Kollegen erklärten jedoch, dies sei nicht zu akzeptieren und die Aktion sollte fortgesetzt werden. Viele nahmen das Mikrophon an sich und hielten kämpferische Reden, bis –trotz der Proteste- der Ton abgedreht wurde. An die 250 Kolleginnen und Kollegen demonstrierten weiter und blockierten für eine halbe Stunde eine Kreuzung.

Salih Uysal