Abschied vom farbverbundenen Gönül Sen-Menzel

Goenuel-Sen-Menzel
„Lebt jeden Tag wie das Leben selbst und lebt es mit Anmut. Die Sonne, die wir sehen, ist hier für uns“.

Die Welt der Kunst hat am 29.03.2014 einen ihrer kreativsten und schöpferischsten Künstlerin Gönül Sen-Menzel verloren.

Die in Köln lebende Malerin, die ihrer Arbeit mit großer Leidenschaft nachging und ihr farbenreiches und buntes Kunstatelier als ihre Welt bezeichnete, hat sich plötzlich von ihren Liebenden getrennt. Und das, obwohl ihr noch eine Menge an Zielen und Aufgaben bevorstand. Sie hinterlässt eine große Anzahl von geplanten Ausstellungen, Projekten und Arbeiten.

Gönül Sen-Menzel malte bei jeder Gelegenheit, sie stellte ständig aus, erschuf dabei neue Kunsttechniken und liebte es, sich immer wieder von Neuem zu erfinden. Keine Zeit der Welt ließ sie an sich vorbeiziehen, ohne sich dabei der Kunst zu widmen. Die Kunst umgab sie ständig. Gönül Sen-Menzel, die einst sagte, dass keine Arbeit, die in Kunst investiert wird, vertane Zeit sei, und Kunst das Resultat eines langen Denkens und ein fortwährender Akt sei, lebte ebenfalls nach dieser Denkweise. Die Malerei war ihre Lebensphilosophie. Und dann, ganz plötzlich, verließ sie uns, ausgerechnet in ihrem farbfrohen Atelier.

Gönül Sen-Menzel hat während all der Jahre in ihrem eigenen Atelier eine eigene Natur erschaffen. Aus den Farbwelten und Techniken aus tausenden von Werken, kann man ihre Lebensphilosophie und ihre Spuren beobachten. Wenn sie malte, wanderte Gönül Sen-Menzel in eine andere Dimension. Fast so, als könnte man sehen, wie sie über den Wolken schwebte. Auch ihre jahrelangen chronischen und heftigen Rückenleiden vergaß sie, wenn es um Kunst ging. In ihrem Atelier setzte sie Farben ein, integrierte glänzende Vollmonde und Mondlichter in ihre Bilder, malte deutliche und auch abstrakte Formen von Menschenkörpern, und ließ sich zwischen Farbdosen und Leinwänden in eine neue Welt versetzen, während klassische Musik sie dabei begleitete. Die Realität und Wirkung der äußeren Welt veränderte und verwandelte sich in dieser Umgebung zu Kunst. Gegenüber allen ihren Freunden, begegnete Gönül Sen-Menzel dabei großzügig und gebefreudig.

Mit ihrer unerschöpflichen Energie malte sie tanzende Menschen und zugleich nahm sie ihnen die Angst vor der Kunst und regte sie auch zum Malen an, auch jenen, die an ihren Fähigkeiten zweifelten. Sie teilte gerne. Mit ihren künstlerischen Freunden und Kollegen malte sie zudem gemeinsam und stellte in Gemeinschaftsausstellungen aus. Sie war voller Liebe und gefüllt von Leben. In ihrer Kunst hatten Fanatismus, Rückschritt, Unterdrückung und Gewalt keinen Platz. Hin und wieder war sie empfindlich und zerbrechlich gegenüber dem Negativen. In solchen Zeiten fand sie ihr Wohl wieder in der Welt der Farben, Kunst, Literatur und Musik wieder.

Als Künstlerin war sie unkonventionell und einzigartig. Sie war stets offen für Neues, Vielfalt, Kreativität und Humor. Diese Spuren fand man in jeglicher Weise in all ihren Werken. Ihre Werke bildeten zum Beispiel auch das Alltägliche ab. Das, was sie an einem Tag erlebte, fühlte und dachte, brachte sie nicht nur durch Worte zum Vorschein, sondern erzählte sie uns durch ihre Farben und Bilder. Auf diese Weise schaffte sie im Rahmen der Kunst eine neue Art der Sprache.

Ihr Atelier wurde mit einem großen Ofen erhitzt. An einigen Tagen, an denen sie Besuch erwartete, wärmte sie es Stunden vorher mit Aufregung und Freude auf. Auf dem Ofen kochte sie hin und wieder Hühnersuppe für ihre Gäste, manchmal gab es hausgemachtes Brot und Gözleme (türkisches dünnes Brot). An anderen Tagen überraschte sie uns mit französischen Gerichten oder mit Speisen anderer Kulturen und Länder. Unter anderem durch die klassische Musik, unzähligen Farbtafeln, Farbpracht, glücklichen Gesichter, Kunstgespräche und ihre originären Speisen, war ihr Atelier eine Ausdehnung vieler Gestalten. Wenn wir das Atelier verließen, fühlten wir, wie unsere Seele beruhigt und unser Herz erleichtert war. Wir nahmen die Farben mit und trugen sie in unserer Seele und unserem Körper hinaus. Gönül Sen-Menzel verließ unerwartet die Menschen, die sie liebten, und ihr farbprächtiges Kunstatelier, das sie als ihre Welt bezeichnete.

Bekannte, Verwandte, sie liebende sowie nahe Freunde, werden am 12. April um 13 Uhr im Atelier von Gönül Sen-Menzel in Volkhovener Weg 209-211, 50765 Köln sie in die Unendlichkeit verabschieden. Denkt an Gönül Sen-Menzel wie das Leben selbst und lebt es mit Anmut. „Die Sonne, die wir sehen, ist hier für uns“, sagte sie einst. Ob auch der Tag, an der wir sie in die Unendlichkeit begleiten, auch ein sonniger Tag sein wird, das weiß ich nicht. Doch die
bezaubernden Farben von Gönül Sen-Menzel, die sie seit Jahren um sich schenkte, werden dort wie ein Regenbogen erscheinen. Das weiß ich.

Nurten Kum/Übersetzung Evrim Sen