Ostermarsch gegen Kampfdrohnen, Kriege, Hunger und Unterdrückung

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Der Ostermarsch ist eine von Antimilitaristen und Friedensaktivisten organisierte, jährlich durchgeführte politische Veranstaltung. Seit Beginn der 60er Jahre werden sie regelmäßig zu Ostern durchgeführt. Wir haben einige Menschen nach ihren Erwartungen und die Wichtigkeit der Ostermärsche 2014 gefragt.

 „Ukraine und Syrien sind die aktuellen Brandherde“

Peter Strutynski, Sprecher des Bundesausschusses Friedensratschlag

Die Ostermarsch-Bewegung blickt mittlerweile auf eine 55-jährige Geschichte zurück. Dabei gab es gefährliche Spannungszeiten, etwa während der Kuba-Krisen 1962, auf dem Höhepunkt des Vietnam-Krieges Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre oder in der Zeit der atomaren Bedrohung durch die Stationierung neuer Atomraketen in Europa Anfang der 80er Jahre.

Auch in der jüngsten Zeit kann sich die Friedensbewegung nicht über brisante Themen und Herausforderungen beklagen. Zu nennen sind etwa die fortgesetzte Aufrüstung der NATO-Staaten und anderer Großmächte wie China oder Russland, der anhaltende weltweite Waffenhandel, an dem Deutschland an vorderster Stelle (Platz 3 der führenden Rüstungsexportstaaten) beteiligt ist, die zunehmende Ausrüstung der Armeen mit Killerdrohnen, die ihr tödliches Geschäft per Fernbedienung rund um den Globus verrichten, die Zunahme bewaffneter Konflikte, in denen es um die Sicherung von Ressourcen (fossile Energieträger, wichtige Rohstoffe) geht und die fortschreitende Missachtung der Regeln des internationalen Rechts (Völkerrechts) durch die Großmächte.

Der jüngste Konflikt um die Ukraine wird ebenfalls von der Friedensbewegung aufgegriffen. Nach unserer Meinung handelt es sich hier weniger um ein Problem Russlands und der Krim, sondern um den von langer Hand geplanten Versuch des Westens, die Ukraine aus dem Einfluss- und Machtbereich Russlands herauszulösen und dem westlichen EU- und NATO-Bündnis einzuverleiben.

Im Windschatten des Ukraine-Konflikts verstärkt die türkische Regierung ihre antidemokratischen Maßnahmen gegen Gewerkschafter, kritische Intellektuelle und kurdische Demokraten und verschärft zugleich den Konfrontationskurs gegenüber Syrien. Die Türkei genießt als NATO-Mitglied das Wohlwollen des Westens.

Die Ostermarsch-Bewegung kann nicht alle Probleme dieser Welt lösen. Sie kann aber über die Kriegsgefahr, über den Hunger in der Welt und über die Unterdrückung und Ausbeutung der Menschen durch die transnationalen Konzerne und die imperialen Mächte aufklären.

 

 

 „Kriegsablehnung bemerkenswert“

Agnes Kamerichs, „Arbeitskreis Zivilklausel“ der Uni Köln

 

Friedenskräfte weltweit haben maßgeblich dazu beigetragen, einen westlichen Angriff auf Syrien zu verhindern. Daran wird die Bedeutung der Aufklärungsarbeit der letzten Jahre deutlich, z.B. wurde aus dem Irakkrieg gelernt: Die übliche Behauptung, ein „wildgewordener“ nicht-westlicher Herrscher würde Massenvernichtungswaffen (eingesetzt) haben, wird nicht mehr geglaubt. Auch bezogen auf die Situation in der Ukraine ist bemerkenswert, dass die deutsche Bevölkerung trotz der bisherigen Medienfront, welche Putin zum alleinigen Aggressor stempelte und eine ungewählte Regierung mit Faschistenbeteiligung verharmloste, nicht auf den Kriegskurs einschwenkt. Um dieser Kriegsablehnung entgegenzuwirken, versucht die Grosse Koalition mit „Familienfreundlichkeit“, Angstmacherei und Appellen an die „Schieß-Humanität“ die Bevölkerung von der Kriegspolitik zu überzeugen. Dagegen kommt es darauf an, dass wir, die bescheiden gemacht werden sollen, uns bewusster anmaßen, gemeinsam Geschichte zu schreiben und Ansprüche an eine zivile und solidarische Entwicklung der Welt zur Geltung zu bringen.

 

 

 „Waffenexporte verbieten“

Bernd Riexinger, Bundesvorsitzender der Partei Die Linke

Krieg ist für uns kein Mittel der Politik! 100 Jahre nach Beginn des 1. Weltkriegs und 75 Jahre nach Ausbruch des 2. Weltkriegs ist das die Position meiner Partei ohne Wenn und Aber. Gerade mit Blick auf den Konflikt auf der Krim sagen wir „nein!“ zu militärischem Säbelrasseln. Der neue außenpolitische Konsens der Großen Koalition ist, dass die Bundeswehr öfter und schneller einsetzbar sein soll. Dafür trommeln Steinmeier und von der Leyen mit Unterstützung von Gauck. Wir aber fassen Deutschlands Verantwortung gänzlich anders auf: zivile Konfliktprävention betreiben, Auslandseinsätze der Bundeswehr beenden, Waffenexporte verbieten und die NATO auflösen. Initiativen zur Abrüstung im nuklearen und konventionellen Bereich und eine solidarische Weltwirtschaftsordnung sind Schritte hin zu einer friedlichen Welt. Dafür engagieren wir uns und gehen Ostern gemeinsam mit der Friedensbewegung im ganzen Land auf die Straßen und Plätze.