Altes Bündnis – Neues Bündnis

Zwischen den Großmächten USA, China, Deutschland, Russland und co. geht es in letzter Zeit wieder sehr heiß zu. Wenn es dem ersten Blick nach nicht unbedingt immer so ausschaut, sind auch Krisenherde auf der ganzen Welt eigentlich Stellvertreterkriege und Ausdrucksweisen der wirtschaftlichen Zweikämpfe zwischen den Giganten. Immer wird die eine oder andere Seite von einem der Großmächte unterstützt, mindestens mit Waffen beliefert. Die Ukraine, Syrien, Zentralafrika und viele weitere Länder sind hier keine Ausnahmen. Vor allem die Berichte um eine wachsende Zusammenarbeit zwischen Russland und China gießen nun wieder Öl ins Feuer.

 

Die gegenseitige Abhängigkeit China-Russland

Zuerst sollte man jedoch die geopolitische Lage der beiden Länder und ihre wirtschaftliche Stellung auf dem Weltmarkt betrachten. Russland ist das flächengrößte Land der Welt und grenzt im Osten an die USA, im Westen an Europa sowie im Süden an China. China wie Russland haben den Status einer Atommacht, liegen rüstungpolitisch zwar noch weit hinter den USA zurück, planen jedoch eine Aufstockung ihrer Rüstungsbudgets in den folgenden Jahren. Gleichzeitig ist Russland der zweitgrößte Exporteur von fossilen Rohstoffen, liegt bei Erdgas sogar auf Platz 1. Diese Tatsache macht es natürlich anziehend für ein Land wie China mit der weltweit höchsten Einwohnerzahl und dem damit und seiner wirtschaftlichen Entwicklung verbundenen Energieaufwand des Landes, die Nähe zu Russland zu suchen. Zwar ist Russland zur Zeit noch drittrangig für China und kommt nach Japan und den USA, was den Warenhandel anbelangt, jedoch ist China von den russischen Resourcen stark abhängig.

 

Yuan statt Dollar

Bis vor kurzem lag insbesondere die SPIMEX, die russische St. Petersburger Rohstoffbörse, den USA schwer auf dem Magen. Diese eröffnete 2008 ihre Pforten und ist neben der amerikanischen Rohstoffbörse in NewYork nun die zweitgrößte zum Handel mit fossilem Treibstoff. Bis dahin war der Rohstoffhandel (Erdöl/Erdgas) stets nur über den Dollar möglich, nun jedoch auch über Rubel oder sogar über Yuan, was Russland gegenüber den USA souveränisiert und wirtschaftlich unabhängiger macht, aber stärker an China bindet. Die USA scheinen mit den Sanktionen gegen russische Oligarchen sich erneut ins eigene Fleisch geschnitten zu haben. So erklärte Russland bereits kurz nach Beginn der ersten Sanktionswelle, die Geschäfte künftig nicht mehr auf dem üblichen Dollar-Weg zu betätigen, sondern stattdessen auf das chinesische Yuan umzusteigen.

 

Gleichzeitig freute sich Russland, die Rüstungsanfragen seitens des chinesischen Staates zu bekommen, aber in näherer Zukunft einen strikteren Waffenhandel mit einigen seiner südlichen Nachbarn zuzulassen. Eine Kooperation mit China bringt also vor allem für die russische Regierung Kosten mit sich, nachdem schon 2004 Grenzgebiete an China abgetreten wurden. In Anbetracht der Tatsache, dass Russland zunehmend von den NATO-Staaten isoliert und eingekesselt wird, scheint dies jedoch die einzige Maßnahme zu sein, um die Interessen des Landes zu verteidigen. Vorweg natürlich die Interessen der Oligarchen und der Großindustrie, von denen auch Putins Privatvermögen abhängt. Somit ist das Bündnis China-Russland eine Schiene, in die Russland gezwungen wird, aber diese Einigung liebend gerne eingeht, da China auch viel Potenzial in die Beziehung bringt.

 

Neuer „Ostblock“?

In der Frage, ob es sich bei den neu gefundenen Beziehungsansätzen zwischen den beiden Staaten um einen bevorstehenden Ostblock handelt, ist sich die deutsche Presse aber einig. So schrieb der Spiegel, es handle sich um „eine Allianz, die die Kräfteverhältnisse auf der Welt dramatisch verändern kann.“ Ganz zu schweigen von den Medien der Springer AG, die stets die selben Muster und Berichte verbreiten. Dabei wird primär auf die Rüstungsimporte zur Volksrepublik China eingegangen, welche bislang auch stark von der Ukraine dominiert waren. Obwohl der Spiegel die Rolle Chinas zu der NATO klarstellt und erläutert, wieso eine NATO-Annäherung der Ukraine unvorteilhaft für die Volksrepublik wäre, wird keineswegs auf Probleme zwischen den beiden Ländern der sogenannten neuen Allianz eingegangen.

Natürlich überschneiden sich territoriale und wirtschaftliche Wünscheder beiden Regierungen und der beteiligten Industrien. Wenn auch eine stärkere Vernetzung stattfindet, so sind und bleiben beide Staaten doch Konkurenten auf dem Weltmarkt. Diese Sachlage wird oft auch vergessen, wenn man die beiden westlichen Protagonisten Deutschland und die USA betrachtet. So bricht meistens eine Welle der Empörung aus, wenn sich genau diese nicht einig sind oder sich sogar gegenseitig sabotieren und ausspionieren. Im Endeffekt handelt es sich bei allen Parteien in diesem Konflikt um profitorientierte Großmächte, die darauf aus sind, zu expandieren. Und da das meistens nicht alleine geht, müssen immer wieder neue Bündnisse geschmiedet werden.

 

Sinan Cokdegerli