Energiearmut steigt

Für den Begriff „Energiearmut“ gibt es zwar noch keine genaue Definition, jedoch rückt dieser aufgrund dessen, dass immer mehr Menschen in Deutschland ihre Energiekosten nicht mehr decken können, immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit.

Eine relevante Zahl an privaten Haushalten hat Probleme, ihre Strom- und Gasrechnung zu bezahlen. Bisher gelten Haushalte als energiearm, wenn sie mehr als zehn Prozent ihres verfügbaren Einkommens für ihre Energiekosten ausgeben müssen. Laut Statistischem Bundesamt waren es im Jahr 2008 „nur“ 5,5 Millionen Haushalte und 2011 bereits 6,9 Millionen deutsche Haushalte, die davon betroffen waren. Diese Haushalte mit einem durchschnittlichen Einkommen von 901 Euro geben für Energie, Heizung und Strom 93 Euro monatlich aus. Die Energiekosten stiegen in den letzten Jahren konstant, die Einkommen jedoch nicht. Auf eine Anfrage der Linkspartei stellte sich heraus, dass im Jahre 2012 Energieunternehmen 321.539 Menschen wegen Zahlungsrückständen die Stromversorgung gekappt haben. 2011 habe es rund 312.500 Stromsperren gegeben. Als ein Grund für die gestiegene Zahl der Stromsperren wird der rasche Ausbau der erneuerbaren Energien angegeben, wodurch die Energiepreise steigen würden.

Ärmere Schichten stark davon betroffen

Stetig steigende Energiepreise bei sinkenden Haushaltseinkommen verschärfen das Problem Energiearmut. Betroffen sind vor allem Geringverdiener, Hartz IV- Empfänger, Rentner sowie Studierende. Auch die sozialen Sicherungssysteme versagen offiziell. Der ALG II-Satz ist unzureichend und vor allem viel zu langsam an die Energiepreise angepasst. Nach dem Stand aus dem Jahre 2013 sind im Regelsatz in Höhe von 382 Euro ca. 32 Euro (8 %) für Stromzahlungen angesetzt. Hiermit lassen sich die Kosten von etwa 1.100 bis 1.400 Kilowattstunden Strom finanzieren. Bei einem Durchschnittsverbrauch bedeutet das derzeit eine Unterdeckung im Regelsatz zwischen 25 und 55 Prozent. Obwohl die Energieversorgung ein Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge ist, leben Menschen in einem der reichsten Länder der Welt ohne Strom- und damit auch ohne Heizung, ohne warmes Wasser, ohne Licht und ohne die Möglichkeit, eine Mahlzeit zu kochen.

Ezgi Güyildar