Minderheiten an der Universität: Arbeiterkinder

Das Sommersemester hat begonnen. Damit haben viele junge Menschen einen neuen Abschnitt in ihrem Leben angefangen: Das Studium. Für viele bereits Eingeschriebene hat ein neues Semester angefangen. Für viele eine neue Herausforderung, für andere eine Gewohnheit…

Laut Verfassung hat in Deutschland jeder das Recht auf eine gute Bildung. Jeder kann studieren was er oder sie will, wenn die allgemeinen Bedingungen und Kriterien erfüllt werden. Schließlich verbietet das Verfassungsprinzip der Gleichberechtigung, Menschen wegen des Geschlechtes, der Abstammung, Rasse, Sprache, Heimat und Herkunft, des Glaubens, der religiösen oder politischen Anschauungen oder einer Behinderung beim Erwerb von Bildung zu benachteiligen oder zu bevorzugen.

So zumindest die Theorie, aber die Wirklichkeit sieht ganz anders aus! Denn heutzutage studieren sogar noch weniger Arbeiterkinder, als vor 20 Jahren. Das heißt nicht unbedingt, dass Arbeiterkinder bewusst von der Bildung abgehalten werden, doch dass eine Selektion nach Klassen stattfindet, belegen viele Studien.

Laut Erklärung des Deutschen Studierendenwerks studieren ca. 23 Prozent der Kinder aus Arbeiterfamilien. Das heißt, die Eltern arbeiten als Hilfsarbeiter, Fachangestellte oder Meister im Handwerksbetrieb. Im Gegensatz dazu gehen 77 Prozent der Kinder aus Akademikerfamilien auf eine Hochschule.

Die Erklärung für diese Tatsache: Der niedrige ökonomische Status der Eltern ist ein erheblicher Nachteil, um das Abitur zu schaffen, geschweige denn den Schritt zur Hochschule zu wagen. Denn Studierende aus Arbeiterfamilien, fand die Hans-Böckler-Stiftung heraus, müssen häufiger neben dem Studium arbeiten, während zwei Drittel der Studierenden aus Akademikerfamilien, sich auf das Geld ihrer Eltern verlassen können.

Fikus: Münsteraner AStA für finanzielle Hilfen

Auch in Münster sind Arbeiterkinder an der Uni in der Minderheit. Deshalb haben sich Studierende aus mittellosen Familien zusammengeschlossen. Um Arbeiterkindern im Studium zur Seite zu stehen und auf die Benachteiligung hinzuweisen, engagieren sich Studierende für finanziell und kulturell benachteiligte Studierende im 2003 gegründeten AStA-Referat „Fikus“ der Universität Münster. Seit 2013 ist das Referat vom Studierendenparlament und der Universität Münster als autonomes AStA-Referat anerkannt. Dabei ist es bundesweit einzigartig. Die Arbeit des Referats kreist im Allgemeinen um Beratung und Bewusstseinsbildung. Bei der Beratung geht es um die praktische Frage, wie man sein Studium auf die Reihe bekommt und mit welchen Nebenjobs man es finanzieren kann. Gleichzeitig wird das Bewusstsein für die Arbeiterklasse über eine Serie von politischen Veranstaltungen ausgebildet. Für Fikus ist die Arbeit am Bewusstsein der Arbeiterkinder wichtiger als Beratung von Einzelfällen. Auch wenn das Projekt die Arbeiterkinderzahlen an den Hochschulen nicht steigern kann, ist es doch ein Schritt, um zumindest denen beiseite zu stehen, die es nötig haben.

Silan Kücük