WMF streicht Stellen

Die WMF (Württembergische Metallwarenfabrik) kündigte Anfang April den Abbau von konzernweit bis zu 390 Stellen an, knapp 280 davon in Geislingen. Die Zahl der zuletzt 200 eigenen Filialen im Kernmarkt Deutschland, Österreich und der Schweiz wird reduziert, bis zu 50 Filialen könnten geschlossen werden, das Sortiment von 40.000 Artikeln wird fast halbiert. Die WMF will weiter alles für Tisch und Küche im Angebot haben – aber nicht länger „fünf Modelle von Pfeffermühlen, Korkenzieher oder Salzstreuer“. Wie hoch die Kosten für den „Umbau“ ausfallen könnten, will der Konzern noch nicht beziffern. Sie will lediglich „30 Millionen Euro pro Jahr sparen“.

Der Vorstandsvorsitzende Feld erklärt das damit, dass sich das Unternehmen stärker aufs Ausland konzentrieren möchte. Hier sei man in den vergangenen fünf Jahren praktisch auf der Stelle getreten. Andere, auch kleinere Wettbewerber, machten heute 80 Prozent ihres Geschäftes im Ausland, vor allem auch in China. „Wir sind mehr oder weniger bei 42 Prozent hängen geblieben“, sagt Feld.

Die IG Metall lehnt betriebsbedingte Kündigungen strikt ab und fordert vom Vorstand „ein schlüssiges Zukunftskonzept, durch das die Kenntnisse und Fähigkeiten aller Beschäftigten genutzt und weiterentwickelt werden.“ Jetzt würden Korrekturen von Managementfehlern erneut auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen. Wir bekamen Leserbriefe von WMF-Kollegen, die wir hier veröffentlichen.

 

Betriebsratsvorsitzender ProLog, Erdal Dogru

Reicht Ihnen das nicht?

2004 investierte die WMF in das LW2 (Lagerwarenzentrum) rund 20 Millionen Euro für eine neue hochmoderne Anlage. 2008 wurde das LW2 ausgegliedert und zur Tochtergesellschaft ProLog GmbH. Uns wurde gesagt, dass wir durch diese Ausgliederung Drittkunden aufnehmen können und dann wettbewerbsfähig sind, die Anlage voll ausgelastet wird und wir einen sicheren Arbeitsplatz haben würden. Damit wir weiterhin nach IG-Metall-Tarif bezahlt werden können, mussten wir auf drei Stunden in der Woche verzichten, das heißt, wir arbeiten 38 Stunden in der Woche, bekommen aber 35 Stunden bezahlt.

2013 trat die Geschäftsleitung von dem Arbeitgeberverband aus. Nach monatelangen Verhandlungen schlossen wir einen Ergänzungsvertrag ab. Wieder mussten wir auf Stunden verzichten. Jetzt haben wir eine 40 Stunden-Woche, aber bezahlt werden nur 35 Stunden. Die Neueingestellten verzichten sogar noch auf einen Teil Ihres Urlaubsgeldes und auf ihre Leistungszulage.

Jetzt kommt Herr Feld mit seiner Mannschaft und sagt, dass die Logistik 20 bis 25 Prozent billiger betrieben werden könne, das sei das Ergebnis von der Ausschreibung der Logistik.

Nicht mit uns, Herr Feld! Wir, die Belegschaft, werden auf jeden Fall nichts mehr hergeben. Seit Jahren verzichten wir auf unsere Stunden und aufs Geld, reicht Ihnen das nicht? Damit der Hauptinvestor KKR Gewinne macht, sollte kein Beschäftigter weniger verdienen und eventuell beim Sozialamt um Hilfe suchen.

 

 WMF-Betriebsrat und IGM-Vertrauensmann, Hüseyin Öncü

Sind die Menschen nur noch Kostenfaktor?

Der vom WMF-Vorstand mit Hilfe teurer Berater geplante Personalabbau ist nicht akzeptabel und unmenschlich. In der WMF-Geschichte gab es bis heute noch nie einen so großen Arbeitsplatzabbau. In der Vergangenheit wurden bereits viele Fertigungsbereiche in Billiglohnländer verlagert oder durch Gründung von GmbHs die Löhne der Beschäftigten gekürzt.

Nur mit innovativen, neuen Ideen und Konzepten kann die WMF auch in Zukunft weiter erfolgreich sein. Dazu braucht man die Belegschaft.  Vor ca. 3 Jahren wurde die WMF-Galvanik durch einen Betriebsübergang zur proHeq GmbH. Jetzt will die Unternehmensleitung den Galvanikbereich komplett schließen. Alle WMF-Beschäftigten haben mit ihrer Mühe und Arbeit in 160 Jahren die WMF auf den heutigen Stand gebracht und zu einem erfolgreichen Unternehmen gemacht. Sie haben Überstunden und Mehrarbeit geleistet, alles zum Wohle der Firma beigetragen. Die Menschen brauchen sichere Arbeitsplätze und verlässliche Zukunftsperspektiven für sich und ihre Familien.

Solche Maßnahmen sind kein Zukunftskonzept für die WMF, sondern bedeuten, dass KKR auf Kosten der Beschäftigten sparen und den Gewinn steigern will und Arbeitsplätze aufgrund von Managementfehlern geopfert werden sollen.

 

 Betriebsratsvorsitzende der ProHeq, Gabriela Kouba

Die traditionelle Galvanik wird geschlossen

Die neuen WMF Vorstände haben die „Schließung der Galvanik“ beschlossen. Davon sind 30 Arbeitsplätze betroffen. Vor genau 3 Jahren fand ein Betriebsübergang der Galvanik zur ProHeq, eine Tochter der WMF Group mit Sitz in Birkenfeld statt. Uns wurde zugesichert alles bleibt wie es ist. Die Belegschaft hat sich voll eingebracht. Wir haben Überstunden und Samstagarbeit geleistet, bis nun die Bombe geplatzt ist und die Schließung verkündet wurde. Nun soll alles aus sein? Das werden wir so nicht hinnehmen!

 

Angestellte, IGM-Vertrauensfrau, Karin Geiger

Sichere Arbeitsplätze und Zukunftsperspektiven

Als ich von dem geplanten Personallabbau bei der WMF  erfahren habe, war ich total schockiert.

Ich gehöre in meiner Familie, wie viele andere Kolleginnen und Kollegen auch, schon zur dritten Generation bei der WMF an. Mein Großvater, meine Mutter, ich und wir alle trugen und tragen mit unserer Arbeit und unserem Engagement zum Erfolg der Firma bei, die in den vergangenen Jahren glänzende Ergebnisse erzielt hat.

Die vom Vorstand auf der Betriebsversammlung genannten Argumente für den Stellenabbau sind nicht nachvollziehbar und kein Konzept für die Zukunft der Beschäftigten. Nach meiner Meinung sollen lediglich Personalkosten reduziert werden, um den Gewinn zu maximieren. Zum jetzigen Zeitpunkt weiß noch niemand, wen es konkret treffen wird. Die ganzen Maßnahmen sind höchst unsozial, unmenschlich und inakzeptabel.

 

Angestellter, Leonhard Fuchs

Massenentlassung – ein Unding!

Seit Anfang April haben wir in der WMF nun Gewissheit. Der Mehrheitseigner der WMF AG, der Finanzinvestor KKR, macht seinem Ruf alle Ehre und kündigt Massenentlassungen an, wie es sie in der Konzerngeschichte noch nicht gab. Konzernweit sollen knapp 400 Menschen aus Brot und Arbeit entlassen werden. Darüber hinaus steht auch die konzerneigene Logistikganz oben auf der Streichliste der „überflüssigen“ Betriebsteile. Davon wären dann nochmal über 250 Menschen und Familien betroffen.
Ich komme mir vor, wie im falschen Film. Seit Jahren jagt ein Rekordjahr das nächste und auch die aktuellen Zahlen weisen nach wie vor eine gute Geschäftslage aus. Es war auch zu erwarten, dass nach Jahren mit extremen Zuwächsen auch mal wieder Zeiten kommen, in denen das Wachstum wieder auf ein Normalmaß zurückgeht. Ja, die WMF wächst nach wie vor und macht Gewinne. Nur wächst man gerade nicht mehr so rasant.
Es ist absolut nicht nachzuvollziehen, warum man in einem gut florierenden Unternehmen wie der WMF jetzt knapp 400 Menschen feuert. Erhofft hatte sich die Belegschaft einen neuen Chef, der wirklich mal neue Märkte erschließt und nicht immer nur über diese spricht. Einen Chef, der für den Standort zukunftsfähige Konzepte entwickelt, der investiert und Arbeitsplätze schafft. Aber weit gefehlt.
Außer Massenentlassungen gibt es absolut nichts Konkretes, nur Worthülsen, heiße Luft. Statt zukunftsorientierten Konzepten oder gar Investitionen in den Standort werden unsoziale und brachiale Sparkonzepte auf den Tisch geknallt.
Menschen, die engagiert und mit Herzblut oft über Jahrzehnte, ja über Generationen die WMF groß gemacht haben, werden jetzt mit einem Tritt in den Allerwertesten abserviert, um die Geldgier eines Finanzinvestors zu stillen.

 

Vertrauenskörperleiter und Betriebsrat der WMF, Jürgen Peters

 Sich eine goldene Nase verdienen

Der Vorstandsvorsitzende der WMF trug in einer außerordentlichen Betriebsversammlung den Beschäftigten seine Mission für die Zukunft der  WMF. Sein Ziel sei es, weltweit die Nr. 1 in den Märkten Tisch und Küche sowie in den Profi-Kaffeemaschinen zu werden.  Allerdings mit noch weniger Beschäftigten. Dieses ist ein Einsparprogramm und kein Zukunftskonzept für die Belegschaft. Schon zum wiederholten Male kommt ein neuer Vorstand, strukturiert den Betrieb um und baut Arbeitsplätze ab. Die WMF steht auf einem soliden Fundament und es geht ihr sehr gut. Der Vorstand spricht von einer fairen und sozialverträglichen Lösung, die er mit dem Betriebsrat finden will. Dies wäre ein Aufbau von Beschäftigung und keine betriebsbedingten Kündigungen, sowie Investitionen hier in Geislingen, um den Betrieb zukunftssicher aufzustellen, um dadurch weltweit die Nr. 1 zu werden.  Geld das hier eingespart wird, muss auch hier investiert werden. Die Belegschaft erwartet ein Zukunftskonzept, das Menschen begeistert, motiviert und Beschäftigung sichert  und nicht nur wenige maßlos die Taschen füllen lässt.  In den vergangenen Jahren verdiente sich manch einer in und mit der WMF eine goldene Nase. Geld wurde durch Managementfehler durch teure Berater und den Verkauf von Princess verbrannt. Ohne den Beschäftigten hier vor Ort eine Perspektive mit konkreten Verbindlichkeiten zu geben, kann es keine sozialverträgliche Lösung geben.