Bei der Eröffnung riecht es nach Kinderhänden

02. Mai 2014, Köln-Neumarkt. Über dreitausend Menschen stehen Schlange, um die brandneu eröffnete PRIMARK-Filiale in Köln zu besichtigen. Schon früh am Morgen, vor der Neueröffnung um 10 Uhr, ist die Menschenmasse mit großer Begeisterung anwesend. Die bunten Lichteffekte und die Musik lenken die Aufmerksamkeit der Passanten rund um die Schildergasse auf das große Event. Es ist die erste PRIMARK-Filiale in Köln, jedoch gleichzeitig auch eine der größten in Deutschland mit insgesamt 8300 Quadratmetern Ausstell- und Verkaufsfläche.

 

Euphorisch und kreischend stürmen die ersten Kunden in den Laden, der seit über zwei Jahren von vielen Kölnern sehnsüchtig erwartet wurde. Die Eröffnung wurde bereits einige Male zur Enttäuschung vieler Shopping-Begeisterten verschoben, ursprünglich war sie für Dezember 2013  geplant. Anscheinend haben die Bauarbeiten des vierstöckigen Ladens mehr Zeit in Anspruch genommen, als erwartet: Mit insgesamt 83 Kassen und einer Riesenverkaufsfläche sollte die Filiale scheinbar das „perfekte Kaufhaus“ in der Kölner Innenstadt werden.

 

Der große Textildiscounter PRIMARK mit Hauptsitz in Irland macht schon seit längerer Zeit mit Schlagzeilen auf sich aufmerksam. Den Verantwortlichen wird vorgeworfen, Billigwaren in ärmlichen Ländern herzustellen, die auf Kosten von unterbezahlten Arbeitern produziert werden. Unter unwürdigen Bedingungen würden die verarmten Mitarbeiter Klamotten, Taschen und andere Modeaccessoires produzieren, um ihr tägliches Brot zu verdienen. Auch das Wort Kinderarbeit fällt in diesem Zusammenhang immer wieder.

 

Im Kontrast zu den Vorwürfen steht die groß angekündigte PRIMARK-Filiale, die jetzt in der glänzenden Neumarkt-Galerie ihre Wurzeln geschlagen hat. Eine Vielfalt von verschiedenen Waren für Frauen, Männer, Kinder und den Haushalt steht nun den Kölnern und allen anderen Gästen in der Innenstadt zur Verfügung. Hier wird jeder fündig, der günstige Klamotten zu unglaublichen Discounterpreisen sucht – jedoch nicht hochwertige, qualitative Kleidung.

 

„Hier riecht es nach Kinderhänden“, äußert sich ein Jugendlicher, als wir ihn nach seinem ersten Eindruck bei der Neueröffnung fragen. Zusammen mit seinen Altersgenossen kommt er soeben aus dem Laden und wirft noch einen misstrauischen Blick auf die Schaufenster. „Ich habe eine Reportage gesehen und ich weiß, dass in diesen Klamotten sehr viele Giftstoffe enthalten sind, so dass die Mitarbeiter während der Produktion schon teilweise umgekippt sind“, erzählt uns eine junge Frau wütend. Sie steht in Begleitung ihrer Freundin vor PRIMARK, betritt den Laden aber aus Prinzip nicht.

 

Mit dieser spektakulären Eröffnung rückt der irische Modediscounter zumindest für die nächsten Tage die anderen Modeketten auf der Schildergasse in den Schatten. Zahlreiche Medien berichten über die Neueröffnung, die von mehreren tausend Menschen begrüßt wurde und vor allem bei den Jugendlichen ihren Anklang findet. „Es stehen immer noch einige Kunden in den Ecken, gucken, was sie eingekauft haben und ob sie noch ein bisschen mehr Geld haben, was sie ausgeben könnten – auch zu unserer Freude“, so die Geschäftsführung. Die negativen Schlagzeilen wünscht sie sich sicherlich aus der Welt.

 

Su Odabasi