Bildungsbericht 2014: Erfolg in Schule und Studium weiter stark von der Herkunft abhängig

 Der Bildungsbericht 2014 präsentiert erschreckende Zahlen für Menschen mit türkeistämmigem Migrationshintergrund und zeigt dass es Menschen mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungswesen immer noch schwer haben.

 

Insgesamt ziehen die Autoren des Berichts ein gemischtes Fazit, sie sehen „Bewegung und Stillstand“. Gemeinsam mit Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) und der Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Sylvia Löhrmann (Grüne), wurde das Papier nun in Berlin vorgestellt.

Der vom Bundesforschungsministerium und der Kultusministerkonferenz (KMK) geförderte Bundesbildungsbericht wird seit 2006 alle zwei Jahre erstellt. Verfasst wird die umfassende Studie über die Entwicklung des Bildungssystem von der frühkindlichen Förderung über die Schule bis zu Hochschulen und berufliche Bildung unter Federführung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) in Frankfurt am Main. Der Bericht wird auf Grundlage von Daten der Statistikämter, des Mikrozensus und anderer Forschungsdaten erstellt.

Schwerpunkt des Berichts für dieses Jahr war die Situation von Kindern mit Behinderungen. Hier gibt es dahingehend Fortschritte, dass viele von ihnen heute Regelschulen besuchen, in denen sie gemeinsam mit nicht behinderten Klassenkameraden lernen. Auch die weiteren aufgezählten Verbesserungen in dem Bericht sind hauptsächlich quantitative: Erheblich mehr Kinder unter drei Jahren besuchen eine Betreuungseinrichtung, was als Zuwachs bei der Nutzung früher Bildungsangebote verbucht wird. Außerdem ist die Zahl der Studienanfänger in den letzten 13 Jahren um etwa 200000 auf 500000 gestiegen.

 

Migranten benachteiligt

Kinder aus armen und Migrantenfamilien haben weiterhin schlechte Aussichten, höhere Positionen zu bekommen oder Akademiker zu werden. Jedes dritte Kind in Deutschland wächst laut Bericht mit „mindestens einer Risikolage“ auf, was seine Bildungschancen betrifft.

Fast die Hälfte der Jugendlichen aus Einwandererhaushalten landen im sogenannten Übergangssystem. Sie bekommen also nach Schulende erst einmal keine reguläre Lehrstelle.

Dieses System bezeichnet eine Reihe von Angeboten, die dazu dienen sollen, sich besser auf eine Berufsausbildung vorzubereiten. Tatsächlich sind sie aber nicht freiwillig, sondern verpflichtend für jene, die keine Ausbildungsstelle bekommen oder keine finden. Noch immer geht jedes Jahr eine Viertelmillion junger Menschen in diesen Zwischenbereich. 46 Prozent der Migranten landen im Übergangssystem. Ganz schwierig ist die Lage für jene, die gar keinen Abschluss haben. Von ihnen müssen 71,2 Prozent in die Schleife vor dem Beruf, bei den Ausländern sind es 83,9 Prozent. Die Abhängigkeit zwischen Bildungserfolg und sozialer Herkunft zeigt, dass Menschen mit Migrationshintergrund prozentual auffallend häufig vertreten sind. So ist es kein Wunder, dass nach der Schule besonders viele Migranten im Übergangssystem landen.

 

Innerhalb von 10 Jahren- fast nichts verändert

Die türkeistämmigen Frauen in Deutschland im Alter zwischen 30 und 35 erwerben häufiger als noch 2005 einen Berufsabschluss. Allerdings ist dieser Befund des neuen Bildungsberichts 2014 der Kultusminister der Länder und des Bundesbildungsministeriums ein schwacher Trost. Denn die Quote derjenigen, die dies nicht tun, versäumen oder denen dies gar verwehrt wird, ist noch immer erschreckend hoch: Sie beträgt fast 60 Prozent. Vor knapp zehn Jahren waren es 70 Prozent. Das heißt, dass sich innerhalb von zehn Jahren fast nichts verändert hat. Damit ragt die Gruppe der Türken in Deutschland unter allen Migranten besonders heraus. Und zwar nicht nur, wenn es um den Berufsabschluss geht, auch beim Schulabschluss sieht es nicht gut aus. Mehr als 20 Prozent der jungen Frauen haben nicht einmal einen Hauptschulabschluss, bei den Männern liegt die Quote etwas darunter.

Unter den aktuellen Verhältnissen und der selben Ausrichtung der Politik werden auch zukünftig keine Veränderungen zur Verbesserung der Bildungssituation zu erwarten sein. In dem Zusammenhang wäre es die falsche Schlussfolgerung, die kulturelle Herkunft an der Situation zu beschuldigen. Das Problem ist nicht ethnisch-gebunden sondern eine soziale Frage, die es auch sozial zu lösen gilt. Frühe Förderung, mehr Geld und Investitionen in Bildung, qualifiziertes Personal und Aufklärung der betroffenen Familien könnten die ersten Schritte sein, die man von der Politik erwarten könnte.