Hey, ich bin nicht dumm! Ich habe Abitur!

Silan Kücük

In Deutschland sei es nicht mehr schwer, eine Hochschulberechtigung zu erlangen. Die Ergebnisse einer Studie zeigen, dass in Deutschland die Abiturnoten immer besser würden, obwohl die Abiturienten weniger gebildet seien.

Allein zwischen 2006 und 2012 sei der Anteil derer, die einen Abiturschnitt von 1,0 haben, um vierzig Prozent gestiegen. In dieser Zeit, mit Ausnahme von Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, habe sich die Durchschnittsnote der Abiturienten ebenfalls in allen Bundesländern verbessert.

Auf dieses Ergebnis kommt eine Untersuchung des Institutes der deutschen Wirtschaft in Köln. Laut Bildungsforscher Axel Plünnecke liege diese Entwicklung nicht an einer höheren Leistungsfähigkeit der Abiturienten, sondern an der nie zuvor dagewesenen Durchlässigkeit der Gesellschaft und des Bildungssystems. Zum Beispiel kämen ganz neue Gruppen von Schülerinnen und Schüler an die Hochschulen, die vorher an beruflichen Schulen anzutreffen seien.

Im Eigentlichen hat sich die Quote der Abiturienten in Deutschland erhöht. Während vor zwanzig Jahren noch 27 Prozent eines Jahrgangs die Hochschulreife erworben haben, sind es heute 40 Prozent. Berlin machte den größten Sprung bei den Abitur-Durchschnittsnoten. Das Land kam 2012 auf die Note 2,4, nach 2,68 im Jahr 2006. Es folgen Brandenburg (2,48 auf 2,33) und Nordrhein-Westfalen (2,66 auf 2,51). Bildungsforscher begründen diese Tatsache mit der Einführung des Zentralabiturs in den Ländern, die Aufgaben seien einfacher als früher. Außerdem wurden die Ansprüche bei der Bewertung gesenkt.

In einigen Ländern wurde ein weiteres Abiturfach eingeführt. Dieses Fach ist das fünfte Abiturfach und in diesem wird eine „besondere Lernleistung“ geprüft. Die Schülerinnen und Schüler haben mit diesem Fach die Möglichkeit, eine gute Note zu bekommen. „Im Schnitt sind dadurch alle Schüler in Deutschland um ein Zehntel besser geworden“, sagt der stellvertretende Vorsitzende der Bundesdirektorenkonferenz Gymnasien, Ralf Treptow.

Nun, das deutsche Bildungssystem sollte sich mal Gedanken machen, warum „Abiturienten“ heutzutage als weniger gebildet gelten, als früher. Liegt es vielleicht an dem Lehrplan? Oder ist das was die Abiturienten machen auswendig lernen, statt verstehen? Es ist eher die Verwirtschaftlichung der Bildung: Die Schülerinnen und Schüler sollen so schnell wie möglich ins Arbeitsleben entlassen werden („Turbo-Abitur“) und dabei mindestens die grundlegenden Prozesse verstehen können („Bachelor-Master-System“). In diesem Zusammenhang wird ein Schuh daraus und der Satz „Die Gesellschaft wird durchlässiger“ ergibt einen sehr klaren Sinn. Dieser Satz bedeutet, dass die Wirtschaft keine denkenden Menschen braucht, sondern qualifizierte Arbeitskräfte, und zwar zügig.