BESSER ALS NIX

DER TOD ERMÖGLICHT DIE ZUKUNFTSSICHERUNG EINES JUNGEN LEBENS

 

Aufwachsen ist nicht leicht, erst recht nicht als Außenseiter und schon gar nicht auf dem Land. Wo andere sich abwenden, sieht „Besser als nix“ hin: Das Tabuthema „Tod“ und vor allem der Übergang von der Schule in das Berufsleben und die damit verbundenen Probleme werden hier von Ute Wieland beleuchtet.

Basierend auf den gleichnamigen Roman von Nina Pourlak, konzentriert sich das Werk auf den neunzehnjährigen Protagonisten Tom, der mit seinem alkoholabhängigen Vater zusammen lebt. Nach dem Suizid seiner Mutter hat er sich in die Schutzidentität eines Gothic-jüngers geflüchtet. Ohne Schulabschluss hat Tom in der ostdeutschen Kleinstadt Grieben nur begrenzte Perspektiven und wird zum ins Arbeitsamt gerufen. Rein optisch gesehen, gab es vom Berater nur einen Vorschlag und so landete Tom schließlich als Auszubildender bei einem Bestattungsunternehmen mit schrulligem Personal. Es sei eine sichere Bank, denn „Gestorben wird immer“; so wird die Berufswahl zur Metapher aufs Leben. Auch Oma Wally ermutigt ihn mit sanftem Zwang. Tom taucht in eine skurrile Welt der Leichen, Urnen und Särge und muss sich mit Schmerz und Tod alltäglich auseinandersetzen. Er lernt die Kollegin Olga kennen, die die Trauernden mit bezaubernd russischem Akzent betreut. Sie hat Aids, „aber hier kann sie ja eh niemanden mehr anstecken, sind schon alle tot“. Im Kollegen Hans, ein leidenschaftlicher Rockabilly, der gerne während der Waschung „Love Me Tender“ hört, hat Tom eine Bezugsperson gefunden. Der Besuch beim Arbeitsamt hatte noch was Gutes, und zwar die Referendarin Sarah. Sie trägt auch eher dunklere Kleidung, ist aber lebhaft und schön und somit entwickelt sich etwas Ernsteres zwischen ihr und Tom. Den Höhepunkt des Films bildet der Tod von Toms Freund Mike, der sich in den Tod fährt.

„Besser als nix“ ist voller Momente und Beobachtungen aus dem Berufsalltag eines Jugendlichen: Erst wird Tom ausgelacht, dann ist er kompetent auf seinem Gebiet; den viel zu kleinen Anzug, den man ihm zur Verfügung gestellt hat, trägt er mit Selbstbewusstsein –der perfekte Zeitpunkt für die erste große Liebe, den Eintritt ins Geschäftsleben und in die Zukunft und die damit verbundene Verantwortung! Was in diesem Werk bleischwer klingt, lockert diese thematisch couragierte, aber etwas sprunghaft wirkende Verfilmung mit schwarzem Humor und einer unterentwickelt bleibenden romantischen Fußnote auf. Eine Melange aus melancholisch, tragisch und komisch.

 

Basak Yildirim