Jugendhilfeeinrichtung = Hilfe zur Erziehung = erwerbstätig?

Wir haben wieder ein „Jobwunder“ im Lande und viel weniger arbeitslose Jugendliche. Dies schaffte die  Bundesagentur für Arbeit durch neue Regelungen. Denn ab jetzt ist jeder Jugendliche automatisch erwerbstätig, der in einer Jugendhilfeeinrichtung steckt. Er verdient nur nichts.

Um eine klare Transparenz zu schaffen, so wie das Arbeitsamt auch, sollten wir uns nochmals daran erinnern was eine Jugendhilfeeinrichtung denn eigentlich ist. Jugendliche, die sich dort befinden, sind eigentlich entweder vollstationär untergebracht, heißt sie leben dort betreut und dies allein oder in einer therapeutischen Wohngruppe. Es gibt auch teilstationäre Angebote, wie beispielsweise „sozialpädagogische Tagesgruppen“, aber so oder so sind die meisten Jugendlichen nicht freiwillig dort und sind auf Hilfe angewiesen, um ihr Leben zu meistern oder wieder am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können. Dass sie dort einer bezahlten Arbeit nachgehen, wäre neu.

So wird gezaubert, arbeitslos aber doch ein Job

Aber unsere Bundesagentur für Arbeit (BA) schafft alles, auch wenn es nur auf dem Papier ist. Wir kennen die altbewährte Methode, wenn Statistiken zurechtgebogen werden sollen, um bessere Ergebnisse vorzuweisen, dann wird hier und da etwas an den Statistikgrößen gedreht. Aber eine Bezugsgröße derart unrealistisch zu verändern, ist selbst für die BA urkomisch. Die BA hat unter anderem ihr Kriterium für die Erwerbstätigkeit derart verändert, dass wir in den Monaten Mai und Juni 60.000 neue Erwerbstätige in der Statistik hatten. Personen, die eigentlich nicht erwerbstätig sind, gelten komischerweise auf einmal als erwerbstätig. Also bin ich zwar arbeitslos, in einer Jugendhilfeeinrichtung und brauche therapeutische Hilfe, habe vielleicht sogar große Probleme mit meinen Eltern. Und daher stecke ich vielleicht in einem Jugendheim, einem Jugenddorf oder in einer sozialpädagogischen Tagesgruppe. Diese unterschiedlichen Unterbringungsarten haben natürlich immer auch unterschiedliche Schwerpunkte. Sei es ein Schulabschluss oder eine Ausbildung anzuvisieren oder aber die gemeinsame Suche nach einem Job. Nur gelingt dies sehr oft nicht. Aber ich gelte laut dem Staat als Arbeiter, der im Grunde weder bezahlt wird, noch einer wirklichen Arbeit nachgeht.

Daher wird in solchen Einrichtungen oft erst versucht an den unterschiedlichsten Problemen des Jugendlichen gemeinsam zu arbeiten und ihm Halt zu geben. Erst viel später wird überhaupt an eine Erwerbstätigkeit gedacht und rückt in den Mittelpunkt der pädagogischen Maßnahme. Trotzdem ist nach der neuen Zählweise der BA, jeder Jugendliche in so einer Einrichtung automatisch ein Erwerbstätiger.

Wenn, dann richtig Fake

Wer ein „freiwilliges“ soziales, ökologisches Jahr macht oder den Bundesfreiwilligendienst absolviert, fällt mittlerweile auch aus der Liste der Arbeitslosen. Zudem zählen Personen, die seit kurzem arbeitslos sind oder in Maßnahmen stecken, auch nicht zu den Arbeitslosen. Die BA pokert natürlich hoch, daher faken sie, was das Zeug (Der Bürger) hält, aber das ganz ohne Niveau. Als ob dies nicht reichen würde, zählen Menschen in Behindertenwerkstätten auch nicht zu den Arbeitslosen.

Bei Menschen, die sich in Behindertenwerkstätten befinden, sollte die Eingliederung als Erwerbstätige sehr kritisch gesehen werden. Meist ist ihr Entgelt so niedrig, dass ein Auskommen ohne ergänzende Sozialleistungen nicht möglich wäre. Wichtiger aber ist die Kritik, dass Menschen mit Handicap oft lediglich in den Werkstätten abgeladen werden und ihnen die „Arbeit“ dort nicht gerecht wird.

Denn einmal in einer Behindertenwerkstatt aufgenommen, wird kein weiterer Versuch unternommen, jemandem eine wirkliche Arbeit zu vermitteln. Zudem geschieht in diesen Werkstätten keine wirkliche Förderung. Man dient hier lediglich als sehr günstiger Dienstleiter für andere Firmen. Und diese sparen zudem hohe Abgaben, wenn sie selbst keine Behinderten einstellen, dafür aber kleine Aufträge an Behindertenwerkstätten abgeben. Wenn die Behinderung zudem so hochgradig ist, dass überhaupt keine Handlungsabläufe übernommen werden können, dann steht oder liegt man meisten irgendwo rum, bis die Zeit abgelaufen ist.

Wer bleibt da denn noch als Arbeitsloser übrig liebe BA?