ARD zeichnet nur in schwarzweiß

Nach massiver Kritik von Zuschauern und Rundfunkräten sah sich der Programmbeirat der ARD gezwungen, sich mit dem eigenen Programm zu beschäftigen. Hauptauslöser war die einseitige Berichterstattung über die Geschehnisse in der Ukraine. Herausgekommen ist eine Kritik, die von einigen Medien als „vernichtend“ bezeichnet wird. Jedoch wohl eher vergleichbar ist mit der Kritik, die eine Mutter an ihrem Kind übt. Ermahnend, verzeihend und verteidigend.

Ukraine-Berichterstattung- mehr als nur „tendenziös“
Wer im Laufe des Jahres die Berichterstattung in der „Tagesschau“ oder anderen Sendungen im Ersten beobachtet hat, kam nicht herum, festzustellen, wie parteiisch mit dem Thema „Ukraine“ umgegangen wurde. Während Vitali Klitschko, Julia Timoschenko und die ganze „Maidan-Bewegung“ als Retter einer unterdrückten Nation und Verteidiger von Demokratie und Grundrechten präsentiert wurden, mutierten die alte Regierung um Viktor Janukowitsch und Russland, personifiziert durch Wladimir Putin, zu Antagonisten im ganzen Spiel. In den Nachrichten blieben die Verbindungen von Klitschko und Timoschenko zu faschistischen Gruppierungen und die Lenkung der Massen durch jene völlig unbeleuchtet. Generell wurden alle Geschehnisse rund um die Ukraine, sei es das „Krim-Referendum“, die Absetzung der alten Regierung oder die angebliche Waffenruhe, durch das Erste und die anderen Sender der ARD so einseitig berichtet, wie selten ein Thema zuvor. Dies ging auch an vielen Zuschauern und Rundfunkräten nicht vorbei.

Programmbeirat kritisiert und verteidigt
Als Verbund von öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten besteht die ARD aus neun Landesrundfunkanstalten. Jene haben Rundfunkräte, die jeweils ein ordentliches und ein stellvertretendes Mitglied entsenden. So setzt sich der Programmbeirat zusammen. Dieser hat jedoch keinen direkten Einfluss auf das Programm, sondern ist vielmehr ein Kontrollgremium, das auf den öffentlich-rechtlichen Programmauftrag achtet.
Im Juni tagte der Programmbeirat und kam schließlich zu dem Ergebnis, „dass die Berichterstattung im Ersten über die Krise in der Ukraine teilweise den Eindruck der Voreingenommenheit erweckt hat und tendenziell gegen Russland und die russischen Positionen gerichtet war“. Das Protokoll der Sitzung nennt einige „Lücken“ in der Berichterstattung. U.a. die Rolle und Absichten der NATO im Ukraine-Konflikt, das Assoziierungsabkommen zwischen EU und Ukraine usw. Dennoch verteidigt der Programmbeirat die Berichterstattung. Jene sei zu Anfang eine Schwarzweißzeichnung zugunsten der Maidan-Bewegung gewesen, wäre dann jedoch mit der Zeit bunter geworden. ARD-Chefredakteur Thomas Baumann wies den Vorwurf einer einseitigen Berichterstattung gänzlich zurück. War auch nicht anders zu erwarten. Zudem ist die Berichterstattung genauso wenig bunt, wie ein Stummfilm aus den 30er Jahren.

Mainstreammedien- Spiegel der Herrschenden
Sobald im Ausland die Herrschenden ihren Einfluss in den Medien geltend machen, wie z.B. in der Türkei unter Erdogan oder in Frankreich unter der damaligen Sarkozy-Regierung, ist der Aufschrei in Deutschland, zu Recht, groß. Und obwohl die deutschen Medien jeden Tag ihre Einseitigkeit beweisen, herrscht dennoch der Glaube vor, dass es so etwas, wie eine „objektive Berichterstattung“, in den bürgerlichen Medien geben würde. Dabei wundert es niemanden, wenn die BILD berichtet, wie sie eben Lust hat. Aber sobald „seriöse“ Zeitungen und Fernsehkanäle eindeutig in eine Richtung zeigen, sorgt das für Empörung. Dabei muss man sich jedoch bewusst sein, dass auch Zeitungen und Kanäle Besitzer haben, deren Politik sie widerspiegeln. Und auch öffentlich-rechtliches Fernsehen, wie ARD und ZDF es sind, vertritt die Interessen der Herrschenden, auch wenn wir gezwungen sind, dafür Gebühren zu bezahlen. Die Ukraine-Berichte waren nicht die ersten einseitigen und werden auch nicht die letzten sein. Denn in diesem System senden Mainstreammedien immer nur schwarzweiß.

Alev Bahadir