Ein bisschen „Gezi-Soul“ in Köln

Gezi Soul war ein Festival, das zwischen dem 17. und 21. September ein Stück von Istanbul und den Gezi-Protesten nach Köln gebracht hat.
Das 5-tägige Festival begann am Mittwochabend durch eine Begrüßung des Ehrenfelder Bezirksbürgermeisters, Josef Wirges, und mit der Vorstellung einiger Künstler, die im Laufe der Tage auch vor dem Publikum standen. Wirges betonte, wie wichtig solche Veranstaltungen sind und dass die Partnerschaft zwischen den beiden Städten, Köln und Istanbul, nicht nur wirtschaftlich sein sollte, sondern auch kulturell. So, wie das Programm, war auch das Publikum, das Festival über, sehr bunt und reichlich. Die Konzerte waren so überfüllt, dass leider teilweise der Einlass nicht für alle Gäste gewährleistet werden konnte. Es sind nicht irgendwelche Künstler aufgetreten, sondern Künstler, die sich auch bei den Gezi Protesten im vergangen Jahr hinter das Volk gestellt haben und sich teilweise auch auf dem Taksim-Platz mit ihrer Musik solidarisiert haben. Es waren Künstler, sowohl aus Köln, als auch aus Istanbul, dabei. Die Gruppen „BaBaZuLa“, „Light in Babylon“, „Yeni Türkü“ sind zum Beispiel aus Istanbul. Aber auch Fatih Cevikkollu, Kent Coda oder die Choreografin Hülya Arslan waren aus Köln dabei. Als Hülya Arslan gefragt wurde, ob sie jetzt eher türkisch oder deutsch ist, antwortete die Tänzerin, dass sie auf beide Kulturen schaut und so aus beiden etwas für sich schöpft. Gleichzeitig gab es eine Installation, die darstellte, wie es auf dem Taksim-Patz im Juni 2013 zuging. Bei dieser Installation wurde auch eine Kerze und Blumen auf einen schwarzes Tuch gelegt, im Gedenken an alle Opfer während dem Gezi-Widerstand. Das Straßenfest, das am Samstag unter dem Motto ‚Unter einem Himmel‘ stattfand, war, trotz des schlechten Wetters, gut besucht und sehr bunt. Es waren Familien, Jugendliche, aber auch ältere Menschen dabei. Auch die DIDF Köln und DIDF-Jugend Köln haben diese Veranstaltung unterstützt und hatten an diesem Tag auch einen Essens- und einen Infostand, der bei den Besuchern für einiges Interesse gesorgt hat. Am Samstagabend fand dann das Konzert von „Yeni-Türkü“ im Live Music Hall vor ca. 800 Menschen statt. Als Vorband trat die vielfältige Kölner Band „Kent-Coda“ auf. Und beide Bands performten dann auch gemeinsam auf der Bühne. Am Sonntagabend beendete dann Mehmet Akbas und seine Band das Festival mit einer tollen Performance. Das Festival wurde von Künstlern und Menschen aus Ehrenfeld organsiert und unter anderem von der Stadt Köln unterstützt. Es fand an bekannten Orten der Köln-Ehrenfelder Szene statt, wie zum Beispiel im Club Bahnhof Ehrenfeld oder im Arkadas Theater. Die Location änderte sich von Veranstaltung zu Veranstaltung. Außerdem gab eine Ausstellung zum Thema Gezi-Park, die das Festival über besichtigt werden konnte. Diese wurde, im Gedenken an den Menschenrechtler Adnan Keskin, von Künstlern, sowohl aus Köln, als auch aus Istanbul vorgestellt. Außerdem gab es in Kooperation mit dem DOMID (Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland) eine Führung durch das Zentrum. Dieses sammelte ab 1990 über 70.000 Objekte, Fotos, Interview etc. über die Migrationsgeschichte in Deutschland ab 1955. Die Veranstalter betonten immer wieder, dass es keine politische Veranstaltung ist, sondern es sich nur um einen Austausch und um Kulturelles handele. Um trotzdem auch auf das Inhaltliche der Gezi-Bewegung aufmerksam zu machen, wurde am Donnerstagabend vor dem Tanz von Hülya Arslan und dem Konzert von Light in Babylon ein Dokumentarfilm von Martina Priessner.gezeigt. ‚Everyday I’m Capuling‘ war ein Zusammenschnitt von verschieden YouTube-Videos und Videos von Journalisten, die während der Proteste gefilmt wurden. Es zeigt auch, wie sich Recep Tayyip Erdogan zu den Ereignissen äußerte. Anschließend gab es eine Gesprächsrunde, die von Amin Farzanefar moderiert wurde. An den Tagen Mittwoch, Donnerstag und Samstag wurde gemeinsam bis zum Morgen in Begleitung von bekannten DJs der Istanbuler-Szene gefeiert. Die Begeisterung bei den Besuchern des Festivals war sehr groß und die Erwartungen wurden übertroffen. Zum Schluss kann man sagen, dass es ein voller Erfolg war und es sich lohnt diese Veranstaltung im größeren Rahmen nächstes Jahr wieder zu unterstützen und zu besuchen.

 

Einige Highlights vom Festival:

Fatih Cevikollu
Der mit dem Prix Pantheon Jurypreis ausgezeichnete Kölner Kabarettist Fatih Cevikollu trat am Freitag zeitgleich mit dem Konzert vom Komponisten Mesut Ali auf. Trotzdem war sein Auftritt sehr gefragt. Leider war die Besucherzahl auf 100 Personen begrenzt. Der in Köln geborene Comedian stellte die Unterschiede zwischen einem, wie er es nannte, „deutsch-türkischem“ und einem „deutsch-deutschem“ Publikum dar. Das „deutsch-deutsche“ Publikum wäre immer gelangweilt und sehr bürokratisch und das „deutsch-türkische“ das genaue Gegenteil. Und auf seine eigene Frage, warum es in Deutschland noch keine Revolution gäbe, antwortete er damit, dass es dafür noch keine Formulare gäbe. Das Kabarett beendete er damit, dass er der Türkei dafür gratulierte, dass diese nun ihren ersten demokratisch gewählten Sultan habe.
BabaZula
Das Konzert der Istanbuler Band „BabaZula“ fand am ersten Abend im Club Bahnhof Ehrenfeld statt und war reichlich gefüllt. Das Publikum war sehr vielfältig. Aus jeder Altersklasse waren Menschen da, um der Band zuzuhören. Diese wurde durch den Film von Fatih Akin ‚Crossing the Bridge-The Sound of Istanbul‘ bekannt und war nicht zum ersten Mal außerhalb der Türkei auf der Bühne. Babazula spielt hauptsachlich Rockmusik mit orientalischem Flair. Das Konzert ging ca. zwei Stunden lang und wurde vom Publikum gefeiert.

Werner Felten
Nach der Eröffnung fand die Lesung vom Autor des Buches ‚Alleine unter Türken‘, Werner Felten statt. In diesem Buch erzählt Felten davon, was er als Geschäftsführer eines türkischen Radiosenders in Istanbul erlebt hat und wie er sich ‚allein unter Türken‘ gefühlt hat. Gleichzeitig beschrieb er, was er alles für sein Leben mitgenommen hat und schwärmte bei der Lesung von der reibungslosen Zusammenarbeit, zwischen ihm und seinem 20-Köpfigen Radioteam. Die Lesung dauerte ca. eine halbe Stunde und war ein guter Anfang für das Festival.

Tugba Bakirci