24-stündiger Streik bei Mercedes Benz Düsseldorf

 

Mitte September wurde im Mercedes Benz Werk Düsseldorf eine außerordentliche Betriebsversammlung durchgeführt. Der Van-Leitung wurde die Möglichkeit gegeben, zu den Sparplänen Stellung zu nehmen. Die Betriebsversammlung dauerte rund 6 Stunden. Die Van-Leitung gab offiziell bekannt, dass es einen Stellenabbau geben soll, da man die komplette Nachtschicht streiche wolle. Betroffen seien etwa 1000 Stellen. Die Begründung: Die Konkurrenzfähigkeit. Die vertraglich im Auftrag von VW gefertigten 44000 VW-Crafter Fahrzeuge würden ab Ende 2016 nicht mehr verlängert, weil VW in Polen eine eigene Produktion beginne. Man bedauere diese Entscheidung, aber man könne nichts machen. Schnell wurde klar, dass nicht alles auf den Tisch gelegt würde. Denn geplant ist ebenfalls, dass 26000 für den nordamerikanischen Markt zu produzierende Fahrzeuge auch in die USA verlagert werden sollen. Das bedeutet, dass 70000 der 170000 Fahrzeuge ausfallen und somit eine Schicht komplett ausfällt und somit 1800 Arbeitsplätze betroffen sind. Die Belegschaft brachte ihre Empörung zum Ausdruck. Ein Arbeiter forderte spontan eine Abstimmung für eine sofortige Kampfmaßnahme, dem über 90 % der Anwesenden zustimmten. Dem jedoch wurde vom BR-Vorsitzenden direkt widersprochen, da man formal ohne Vorankündigung spontan in der Versammlung keine Abstimmung durchführen dürfe. Trotzdem war die Belegschaft bereit, zu kämpfen.
Am Samstag, dem darauf folgenden Sonderschichttag, legten ca. 150 ArbeiterInnen die Arbeit für 1 1/2 stunden nieder um von ihrem Informationsrecht Gebrauch zu machen. Weitere kleinere „Streiks“ aus verschiedenen Bereichen folgten. Die vorläufig von allen erwartete größere Aktion wurde am Dienstag, den 29. September mit einem 24-Stunden-Streik durchgeführt. Wir haben mit Bernd Kost, Betriebsrat und Vertrauenskörper-Leiter über die Situation gesprochen.
NL: Könnten Sie uns die Situation kurz schildern?
Bernd Kost: Wir haben eine volle Auslastung unserer Fabrik, wir sind Marktführer in unserem Segment. Wir, die Van-Sparte sind im Werk Düsseldorf diejenigen, mit dem das meiste Geld verdient wird. Und jetzt wird uns aus heiterem Himmel die „Strategie“ auferlegt, dass wir einen großen Teil unserer Arbeitsplätze verlieren sollen. Aus Konkurrenzfähigkeitsgründen.

NL : Sie haben bereits erste Aktionen durchgeführt. Mit welcher Resonanz?
Bernd Kost: Die Resonanz war hervorragend. Aufgerufen hatte die IG-Metall. An der Aktion haben sich aus der Nachtschicht 98 % der Kolleginnen und Kollegen beteiligt. Das gleiche haben wir dann für die Früh- und Spätschicht gemacht. Daran beteiligten sich etwas über 80 %. Man muss aber wissen, dass in der Nachtschicht kein Leiharbeiter-Kollege arbeitet.

NL: Wie verhielt sich der Arbeitgeber?
Bernd Kost : Wir verteilten vorab unsere Betriebszeitung „Die Stoßstange“, in der wir von unseren Plänen informierten. Daraufhin hat der Arbeitgeber sofort reagiert und hat seine Meister und Führungskräfte zusammengerufen. Diese wurden aufgefordert, entsprechenden Druck auszuüben. „Gehst du da mit, dann schreibe ich jetzt deinen Namen auf. Das kann halt zu Konsequenzen führen, zu Abmahnungen bis hin zu Entlassungen“ wurde vielen Kollegen mitgeteilt, obwohl im Falle ja auch ein Drittel der Meister gekündigt würden.

NL : Was fordert ihr konkret?
Bernd Kost: Die Forderung ist, dass das Fahrzeug VS 30 genauso in drei Schichten hier in Düsseldorf mit der gleichen Mannschaft produziert wird, wie in der Vergangenheit. Andere Forderungen gibt es nicht!

NL : Wie verhält sich der Arbeitgeber?
Bernd Koste: Bis zur unserer Aktion hatte es keine weiteren Gespräche gegeben. Jetzt hat es die ersten Gespräche nach den Aktionen gegeben. Es wird eine Verhandlungskommission zusammengestellt, drei Personen vom Betriebsrat und drei Arbeitgebervertreter und die werden Gespräche führen.

NL : Auf der Betriebsversammlung hat die Belegschaft ja deutlich gemacht, dass sie kämpfen möchte. Wie ist die Stimmung an den anderen Daimler-Werken?
Bernd Kost: Wir haben Solidaritätserklärungen aus allen Daimler Standorten bekommen. Sogar aus Südafrika. Das hat uns sehr gefreut, weil es schon die Runde macht. Es sind auch gestern Kollegen der Vertrauenskörperleitung in Bremen und Betriebsräte auf den Vorstand zugegangen und haben gefordert, von den Plänen Abstand zu nehmen. Ich denke, dass eine solche Entscheidung auch Auswirkungen auf die anderen Standorte hätte. Angenommen, die Strategie des Unternehmens wird eins zu eins umgesetzt, wäre das ein Dammbruch. Das ganze Thema ist wesentlich größer wie es momentan erscheint. Deshalb bin ich auch äußerst enttäuscht von der Reaktion des Oberbürgermeister, als er bei uns war. Da hätte ich mir was anderes erwartet an Unterstützung. Wenn der größte industrielle Arbeitgeber ankündigt, 1800 Stellen abzubauen, zu dem im Umfeld noch mal auf jede stelle 2,7 zusätzliche Stellen kommen, dann würde ich schon ein bisschen mehr Aufregung erwarten. Bin mir natürlich genau bewusst, dass ein Bürgermeister hier nicht einfach befehlen kann. Das ist ganz klar, aber man kann schon durch sein Auftreten eine Haltung zeigen. Und was der Wirtschaftsminister Duin im WDR von sich gegeben hat. Ich habe den Eindruck, dass der Mann uns schon abgeschrieben hat.
NL : Was plant der BR bezüglich der bevorstehenden Mehrarbeit und Sonderschichten?
Bernd Kost: Wenn das Unternehmen seine Strategien nicht ändert, dann wird es keine Überzeiten geben. Wir haben jetzt schon alle geforderten Sonderschichten nicht genehmigt. Wir haben alle Überzeiten, die der Produktion dienen, abgesagt. Wir haben Überstunden abgesagt für die Ersatzteilfertigung. Wir haben untersagt, das Pausen verlegt oder durchgefahren werden. Alles, was wir machen können, das haben wir getan. Bis auf die Überstunden, die wir für die Wartung haben, weil wir keine Interesse haben, unsere Fabrik zu beschädigen, ganz im Gegenteil, wir wollen sie halt eben behalten. Aber wenn die Eskalation weitergehen sollte, dass das Unternehmen nicht bereit ist, auf unsere Forderung einzugehen, dann kann ich mir vorstellen, das wir auch die dringende Wartung nicht mehr genehmigen werden. Aber diese Überstunden sind immer noch auf freiwilliger Basis. Wenn die Kolleginnen und Kollegen auf freiwilliger Basis nicht mehr mitmachen, da möchte ich das Gericht sehen, die die Kollegen dazu zwingt, Samstags zu arbeiten.