ISLAMVERBÄNDE MUSSTEN (!) EIN ZEICHEN SETZEN

 

Seit Wochen sorgt der Vormarsch des IS in Syrien für blutige Schlagzeilen. Der Weltöffentlichkeit zeigt sich eine islamische Terrororganisation, eine brutale Gruppe, die alle Andersdenkenden rabiat verfolgt, bestialisch tötet, vor religiösen und ethnischen Säuberungen und Völkermord nicht zurückschreckt. Durch die schrecklichen Gräueltaten der IS-Terrormiliz sind die Islamverbände in Deutschland nun unter Druck geraten. Es wurde von vielen Seiten ein klares Zeichen der Abgrenzung gefordert. Den Islamverbänden wurde vorgehalten, sich nicht laut und entschieden genug gegen den islamischen Extremismus auszusprechen. Daraufhin haben vor kurzem die im Koordinationsrat (KRM) vertretenen Religionsgemeinschaften zu einem Aktionstag aufgerufen.
Danach haben tausende Muslime deutschlandweit gegen „Rassismus und Extremismus“ und für einen friedlichen Islam demonstriert. Es fanden Friedensgebete, Kundgebungen und Mahnwachen statt. Bundesweit nahmen 2000 Moschee-Gemeinden teil.
Für viele Muslime in Deutschland steht der IS nicht für den Islam und verfälscht ihrer Meinung nach den muslimischen Glauben. Manche denken, dass die Muslime hierzulande sich nicht für Grausamkeiten rechtfertigen müssen, welche in entfernten Ländern im Namen des Islams begangen werden. Allerdings steht man vor der Frage, wie es denn sein kann, dass junge Menschen aus Deutschland sich einer Terrorgruppe wie dem IS anschließen können und wie man junge Muslime davon abhalten kann, nach Syrien oder dem Irak zu reisen, um sich dieser Terrorgruppe anzuschließen oder hierzulande Terroraktionen zu verüben. Die islamischen Verbände distanzieren sich zwar von den salafistischen Gruppen und sehen sich nicht in der Verantwortung. Die Zahl der radikalisierten Jugendlichen sei sehr gering und der Zulauf unerklärlich ist die Standardaussage. Die Lösungen von den Moscheen zu erwarten und die Gründe dafür in den Moscheen zu suchen, empfindet Ali Kizilkaya, Sprecher des Koodinationsrats (KRM), aber als eine sehr große Ungerechtigkeit. In der Öffentlichkeit stellt man sich widerwillig gegen den IS und Terror, aber wie viele dieser offiziellen Vertreter befürworten den Radikalen Islam oder schweigen, wenn Jugendliche ihrer Gemeinden vom Dschihad prahlen?
Reichlich beunruhigt davon, vor der muslimischen Öffentlichkeit in Ungnade zu fallen und deshalb unter Druck zu geraten, lenkten die islamischen Verbände an diesem Aktiontag ihre Aufmerksamkeit ihrerseits auf die Zunahme von Anschlägen auf die islamischen Gotteshäuser in Deutschland. So wurde ein Schuh draus. Einige wenige Vertreter der muslimischen Verbände hatten sogar gefordert, die Brandsätze auf die Moscheen der vergangenen Wochen zum alleinigen Thema der Mahnwache zu machen. Man muss nicht nach „guten und schlechten Muslimen“ suchen, im Gegenteil: Muslimische Verbände sollten sich kritisch damit auseinandersetzen, welche Moscheevereine in ihrem Zentralrat organisiert sind, welche Kontakte diese Moscheevereine in den Nahen Osten haben und mit wem sie dort in welcher Beziehung stehen, welche Ideologie sie verfolgen und welche finanzielle Abhängigkeiten bestehen. Eine gründliche Nachforschung und kritische Auseinandersetzung wäre hier die richtige Einstellung gegenüber den Moscheen des Zentralrats in Deutschland. Es wird in vielen Moscheen ein konservativer-fundamentalistischer Islam propagiert, der Angst schürt und mit blindem Gehorsam und Bestrafungen operiert, wenn man ihm nicht folgt. „Die Deutungshoheit des Islam darf nicht den Extremisten und Gewalttätern überlassen werden“. Diese Erklärung unterschrieben inzwischen schon 90 Vertreter der Standorte für Islam-Theologische Studien in Deutschland, aber auch die Islamverbände des Koordinationsrates der Muslime in Deutschland vertreten einen konservativen Islam, der eine Grundlage für die Radikalisierung schafft!
Und die Bundesregierung? Zum einen nutzt man, durch die Bedrohung des radikalen Islams und der religiösen Unterschiede, dass Vorurteile geschürt werden, zum anderen sollen bestimmte islamische Organisationen gezähmt werden und nur begrenzt Handeln können. Das heißt, je nach Bedarf der deutschen Regierung und deren Politik werden die großen islamischen Organisationen und die Moscheengemeinden angespornt und diszipliniert. Somit werden diese islamischen Verbände einerseits gestärkt und zum anderen für die eigene Politik genutzt.

Ceyda Tutan