Jugend bei Daimler bangt um ihre Zukunft!

 

Bei Daimler-Düsseldorf sind Kündigungen in Gespräch. Vor allem Auszubildende sind über ihre Zukunft besorgt. Wir bringen in diesem Zusammenhang ein Interview mit dem Jugend und Auszubildenden Vertreter (JAV) Orhan Dutkun bei Daimler-Düsseldorf, nach der Arbeitsniederlegung im Betrieb.

Könntest du dich bitte mal vorstellen?

Orhan Dutkun: Ich arbeite seit 2009 beim Mercedes Benz im Sprinter Werk Düsseldorf. Ich bin 24 Jahre alt. Seit 2010 habe ich angefangen mich Gewerkschaftlich zu engagieren, mit dem Schritt als Jugend und Auszubildenden Vertreter. Bin jetzt seit vier Jahren im Amt und Aktuell hier der Vorsitzender der JAV. Wir haben am 21. Oktober wider Neuwahlen und ich werde natürlich wieder kandidieren. Vor allem, weil unser Werk eine schwere Zeit hier durch macht.

Es sollen bei euch 1800 Arbeitsplätze abgebaut werden. Sind da auch die Ausbildungsplätze mit gefährdet? Und, wie empfinden jetzt die Azubis diese Situation?

Orhan Dutkun : Absolut, wir sind mit den Azubis im ständigen Kontakt. Natürlich haben die Azubis ihre Bedenken was nun mit ihrer Zukunft Passieren könnte. Wir haben hier laufende Vereinbarungen bis Ende 2016, es werden 90% unbefristet und 10% befristet übernommen. Ab 2017 kann sich die Lage aber ändern, da es ein Stellenabbau geben soll. Dies wird sich auch bei den Auszubildenden bemerkbar machen und nicht einfach an ihnen vorbei gehen.

Wird es dann Schwierigkeiten wegen der Übernahme geben? Oder meinst du, dass auch Ausbildungsplätze abgebaut werden?

Orhan Dutkun: Wir hatten 2009 Einstellungszahlen von 78 Azubis und dieses Jahr am 1.09 lediglich 44, diese Zahl sinkt und sinkt. Also, wenn wir angeblich einen Arbeiterüberschuss von 1800 Arbeiten haben, wird diese Zahl definitiv wieder runter gehen und das ist nicht Akzeptabel, das können wir nicht zulassen.

Wie war die Beteiligung der Jugend bei den Aktionen?

Orhan Dutkun: Die Jugend hat mit gemischt, wir waren mit weit über 100 Azubis an den Kundgebungen in der Frühschicht mitbeteiligt. Die Azubis haben auch laut und stark gezeigt, dass sie das auch ernst meinen. Dass sie das auch betrifft, ohne sich zu scheuen sind sie rausgegangen und haben von der JAV und dem Betriebsrat (BR) ihre Rückendeckung bekommen.

Die Betriebsvereinbarung läuft aus und dann wird es wohl auch keine Übernahme mehr geben. Wollt Ihr auch eine Forderung diesbezüglich stellen?

Orhan Dutkun: Das die keine Übernahme haben ist falsch. Daimler ist halt weiter auf diesen Nachwuchs angewiesen, auch der neue Sprinter braucht qualifizierte Mitarbeiter. Die Vereinbarung läuft Ende 2016 aus, aber es wird über eine neue Zukunftssicherungsvereinbarung wieder neu verhandelt. Bei dieser Neuen Zukunftssicherung ist halt das bedenken, dass wir nicht mehr 90% unbefristete, sondern vielleicht nur noch 40% unbefristete Übernahmen haben und der Rest befristet sein wird. Das läuft Gefahr, weil die Azubis die Auslernen und mit einem befristeten Vertrag übernommen werden, werden sich kein Leben gestalten können. Da sie sich immer Gedanken im Hinterkopf machen, ob sie in einem Jahr vielleicht arbeitslos sind. Das ist natürlich ein großes Problem.

Bei der Aktion am Dienstag hattest du ein T-Shirt an, wo Revolution Bildung draufstand. Habt ihr euch auch bei dieser Aktion von der IG Metall beteiligt?

Orhan Dutkun: Natürlich! Wir haben uns nicht nur an dieser Aktion beteiligt, wir waren auch auf eine Art und Weise mit gestallter. Wir haben seit längerem eine Jugendkampagne von der IG-Metall, die heisst „Revolution Bildung“, dort Protestieren und Demonstrieren wir für bessere Bildung. Für bessere Berufsschulen halt, alles was in diesem Bildungssystem schief gelaufen ist decken wir dort auf. Wir fordern die Politik auf mehr Geld in die Bildung zu Investieren und sich diesem Thema zu widmen. Wir hatten auch in diesem Zusammenhang am 27.September einen Aktionstag in Köln, wo sich 22 000 Jugendliche aus ganz Deutschland getroffen haben. Auf dem Hans-Böckler-Platz waren 10.000 und 12.000 auf dem Heumarkt. Wir haben uns alle dann auf dem Neumarkt-Platz getroffen und das konnte sich wirklich sehen lassen. Wir haben Köln außer Betrieb gesetzt. Zum Schluss hatten wir ein Event in der Lanxess-Arena, wo unteranderem „Materie“ da war, „Arrere Wate“ und „Bosse“, diese Aktion konnte sich wirklich sehen lassen.

Waren auch Azubis von Mercedes-Benz Düsseldorf Beteiligt ?

Orhan Dutkun: Es haben sich weit über 60 Azubis aus dem Werk hier beteiligt. Da konnten die Jugendlichen mal sehn was die IG-Metall auf die Beine stellen kann. Sie sagten: „das war einfach der Brüller“. Da waren auch viele vom ersten Lehrjahr dabei, die konnten sehen was für eine macht die IG-Metall Jugend hat. Denn die IG-Metall Jugend ist die größte Jugendorganisation der Welt, wir haben 230 000 Jugendliche bei uns Organisiert. Durch die Aktion haben wir auch gezeigt, dass die Jugend nicht außer Acht gelassen werden darf.