Kobane kämpft weiter und braucht unsere Solidarität!

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Das Drama in Rojava dauert weiterhin an und weiterhin braucht das Volk von Kobane unsere Solidarität und Unterstützung. Dabei geht es aber nicht um eine militärische Intervention oder Bodentruppen des Westens. Mehrfach hat Salih Müslim, der Anführer der kurdischen YPG, Waffen gefordert. Mehrfach hat er betont, dass das Volk in Kobane sich selber beschützen kann und bereit ist, für Frieden und Freiheit zu sterben, wenn es sein muss. Dazu brauchen sie nur moderne Waffen und einen Durchlass-Korridor für die freiwilligen kurdischen Kämpfer, die an der türkisch-syrischen Grenze von türkischen Militärs nicht durchgelassen werden. Zumindest eine Teilforderung wurde nach über einem Monat erfüllt. Amerikanische Flugzeuge brachten den YPG-Kämpfern Waffen und Munition, so dass diese die IS-Horden zurückschlagen konnten. Um das Gesicht zu wahren, wurde es auch Zeit, denn schließlich leidet die ganze Welt und fiebert mit den Kurden und ist irritiert, warum die USA, Deutschland und die Türkei bisher nicht halfen und tatenlos zuschauten.

Nun wird der Druck auf die Türkei größer, die sich immer noch weigert, die kurdischen Kämpfer durchzulassen. Womöglich liegt das daran, dass sie eher mit barbarischen Schlächtern sympathisiert, als mit einer autonomen, selbstverwalteten und demokratischen kurdischen Region direkt an ihrer Grenze. So oder so: die Forderung in der Türkei, aber auch in Deutschland lautet: „Schließ` die Grenzen für IS-Anhänger und öffne sie für die kurdischen Widerstandskämpfer!“

Nichtsdestotrotz gehen die Diskussionen in Deutschland über die mindestens 400 aus Deutschland ausgewanderten IS-Anhäger weiter. Nun kommt Innenminister de Maizière mit einem neuen Vorstoß: Spezielle Ausweise ohne Chips sollen radikale Islamisten an einer Ausreise verhindern. Wie ein Dokument das erreichen soll, ist völlig schleierhaft, aber es scheint eher so gedacht zu sein, dass man in Deutschland sogenannte Tabuthemen in die Mitte der Gesellschaft bringt. Ob so ein Ausweis effektiv ist, ist völlig egal: Hauptsache man kann Stimmung in der Gesellschaft machen und wieder zu einer Polarisierung beitragen. Genauso ist auch der Vorstoß antimuslimischer Kreise zu bewerten, die eine sofortige Abschiebung von Salafisten fordern. Die Fragen, die sich da stellen sind erstens: Wohin schiebt man einen in Deutschland geborenen ab und zweitens ist das moralisch zu vertreten, „deutsche“ Salafisten in die Welt zu lassen und dann zu sagen: „Nicht mein Problem!“. Das ist eindeutig nicht die Lösung, sondern lediglich das Von-Sich-Wegweisen des Problems. Deutschland kann sich seinem „Salafisten-Problem“ (das sind laut Verfassungsschutz ca 4000 radikale Islamisten in Deutschland) nicht durch weggucken stellen, sondern muss die Gründe für die Radikalisierung dieser meist jungen Männer ohne Zukunftsperspektive stellen. Das Problem ist ein deutsches und europäisches Problem geworden, egal ob Deutschland das einsehen will oder nicht. Also muss man das Problem auch hier lösen. Eine banale Erklärung, dass die Radikalisierung der Jugend an dem Islam an sich liegt, wäre nur zu kurz geraten.