Arbeiterkinder sind Schisser?!

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Immer wieder wird betont, dass die soziale Herkunft den Bildungsweg eines Menschen beeinflusst. Laut einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit der Überschrift „Die Aufstiegsangst der Arbeiterkinder“ heißt es nun, die Angst vor dem „Aufstieg“ eines Akademikerkindes sei ein Hindernis für den Weg zur Universität.

Kurzfassung des Artikels

Wie seit Jahren bekannt, ein Kind einer Arbeiterfamilie studiert selten, ein Kind einer Akademikerfamilie studiert fast immer. Laut einem Bildungssoziologen, Steffen Schindler, der Universität Bamberg sei das Studienfach sogar schichtspezifisch, zum Beispiel findet man unter Medizin- und Jurastudenten kaum Arbeiterkinder, aber viele in den Ingenieurwissenschaften, Geisteswissenschaften und dem Bereich soziale Arbeit. Bamberg erklärt in dem Artikel, dass „die schichtspezifischen Bildungswege kaum mit schulischen Leistungen erklärt werden können, denn die Noten der Akademikerkinder seien nur wenig besser“ und „Personen mit gleichen Abiturnoten treffen je nach Herkunft unterschiedliche Entscheidungen“. Arbeiterkinder wollen wohl den sozialen Abstieg vermeiden, das sei für sie viel wichtiger, als der Aufstieg. Deswegen reicht Arbeiterkindern eine Berufsausbildung, während für Akademikerkinder ein Hochschulabschluss viel wichtiger ist.

Im Allgemeinen geht man in dem Artikel davon aus, dass die Zahl der Studierenden aus Arbeiterfamilien gestiegen ist. Vor zehn Jahren gab es an den Universitäten weniger Arbeiterkinder. Das Bafög hat vielen den Zugang beziehungsweise das Aufnehmen eines Studiums ermöglicht. Doch das Bafög wird nicht als eine Entlastung oder als eine Förderung dargestellt, sondern  als eine Verlockung zum Studium. Es gebe aber immer noch viele Arbeiterkinder und -familien, die vom Studium nicht überzeugt sind und man müsse sie von den Vorteilen eines Studiums informieren.

Die Kritik

Arbeiter werden so dargestellt, als wären sie aus einem anderen Planeten und hätten eine Angst vor „einer Welt“, die sie nicht kennen. Was ist denn der Unterschied zwischen Akademikerkindern und Arbeiterkindern oder Arbeiterfamilien und Akademikerfamilien? Der Unterschied zwischen denen ist, dass da ein Klassenunterschied bzw. Schichtunterschied ist. Die einen mussten sich mit wenig Geld zufrieden geben und die anderen hatten viel Geld und konnten viel unternehmen. Auf Grund der ökonomischen Bedingungen konnten die einen wenig Zeit in Bildung und die anderen mehr Zeit und Geld in Bildung investieren. Doch das heißt nicht, dass die einen besser sind als die Anderen. Die Arbeiterkinder haben genauso wie die Akademikerkinder einen Verstand und wie jeder Mensch die eigenen Fähigkeiten, die ausgeprägt und gefördert werden müssen. Die Ungleichheit wird ihnen im System aufgedrängt. Erst die soziale Herkunft der Familie und dann, wenn sie anfangen ein Teil der Gesellschaft zu werden. Nach der vierten Klasse, das heißt spätestens dann, wenn der Weg zur weiterführenden Schule führt. Ein Kind aus der Arbeiterfamilie hat mehr Umwege zu überwältigen, als ein Kind der Akademikerfamilie, wenn die Rede vom Studium ist. Ein Akademikerkind kann nach dem Abitur, ohne sich Gedanken um die Finanzierung eines Studiums zu machen, ein Studium aufnehmen, wenn nicht sogar im Ausland studieren. Doch das Arbeiterkind überlegt wahrscheinlich zweimal. Denn mit einer Ausbildung verdient man schneller Geld für die Unabhängigkeit. Also kurzgefasst, ein Arbeiterkind ist sich von den Vor- und Nachteilen eines Studiums bewusst. Das Arbeiterkind hat keine Angst vor einem Aufstieg.

Wenn man sich das Wort „Aufstieg“ noch mal betrachtet, stellt sich die Frage, wird sich die Stellung eines Menschen nach dem Studium in der Gesellschaft ändern? Denn so wie das (Bildungs-)System in Deutschland aufgebaut ist, wird das Arbeiterkind so (aus-)gebildet, wie es im System gefordert ist. Also von was für einem sozialen Abstieg und Aufstieg, ist die Rede?

 

Silan Kücük